Seit der Cup-Blamage bei Holstein Kiel am Mittwoch diskutiert Fußball-Deutschland nur über die Krise bei Meister Bayern München. „Bild“ sah sich zu einer Analyse aller 21 Gegentore in Bundesliga, Champions League und Pokal seit dem letzten Zu null-Spiel am 24. Oktober genötigt, erstellt die Patzer-Liste der Bayern-Stars. Dabei in Führung: David Alaba, der Abwehrchef aus Wien, ex aequo mit Innenverteidiger Jerome Boateng. Beide sollen je vier klare Fehler begangen haben, die zu Toren führten. Die Mitschuld-Rangliste führt Boateng (vier) allein vor Alaba (drei) an. Beim Versuch, Druck auf Bayern vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Freiburg, die Mannschaft der Stunde aufzubauen, spielten allerdings die Bayern-Verfolger nicht mit. Die Ausgangsposition: Bayern bleibt, selbst wenn der Fehler-Teufel in der Defensive weiter geht und es die dritte Niederlage in Serie gibt, Tabellenführer. Denn RB Leipzig schaffte es Samstag nicht, in Wolfsburg trotz schneller Führung nach fünf Minuten, zu gewinnen. Am Ende hieß es im 50. Spiel von Oliver Glasner als Wolfsburg-Trainer, in dem es viel intensive Zweikämpfe zwischen den Ex-Salzburgern Xaver Schlager und Amadou Haidara (Bild oben) gab, 2:2. Das dritte Unentschieden in den drei Spielen unter Glasner gegen Leipzig.
Wolfsburg führte nach 35 Minuten 2:1, wobei dem zweiten Wolfsburg-Tor in Ballverlust von Leipzigs Kapitän Marcel Sabitzer voran ging. Mehr als den Ausgleich schaffte Leipzig nach der Pause nicht, im Finish konnte Sabitzer einen Matchball nicht nützen. Glasner gefiel die Reaktion seiner Mannschaft auf das schnelle 0:1, fand das Auftreten „sehr gut“. Wolfsburg hat auch keine Titelansprüche von Leipzig. Trainer Julian Nagelsmann bezeichnete die verlorenen zwei Punkte als keinen „Mega-Beinbruch“, weil Wolfsburg eine sehr gute Mannschaft habe. Andererseits: Gewinnt Sonntag Bayern, liegt Leipzig wieder vier Punkte zurück, hätten Leverkusen und Borussia Dortmund sogar sieben Punkte Rckstand auf Rang eins.
Leverkusen kassierte Freitag bei Union Berlin das 0:1 in der 88.Minute, Julian Baumgartlinegr und Aleksandar Dragovic warten schon Runden auf einen Sieg. Christopher Trimmel bleibt mit den „Eisernen“ in seiner zweiten Bundesligasaison die große Sensation. Platz fünf nur einen Punkt hinter Leverkusen und Dortmund, eigentlich unglaublich. Borussia Dortmund schaffte Samstag daheim gegen Schlusslicht Mainz nur ein 1:1, lag 0:1 zurück, vergab durch Kapitän Marco Reus sogar einen Elfmeter. Ein Punkt, mit dem Mainz nicht rechnen durfte. Philipp Mwene spielt als linker Verteidiger durch, Karim Onisiwo kam nach65 Minuten. Dortmund Tormaschine Erling Haaland traf zwar schon nach 27 Sekunden, aber das Tor zählte nach drei Minuten Überprüfung im Videokeller nicht, da die Flanke aus Abseitsposition kam. Ansonst blieb der Ex-Salzburger isoliert.
Mönchengladbach konnte den Sieg gegen Bayern auch nicht veredeln, kassierte in der 96. Minute durch einen umstrittenen Elfer nach einem Zweikampf zwischen Gladbachs algerischem Verteidiger Ramy Bensebaini und Stuttgart Zweimeter-Riesen aus Wien, Sasa Kalajdzic, den Ausgleich zum 2:2. Deutschlands Topschiedsrichter Felix Brych gab den Elfmeter erst nach Intervention des Videoreferees, gestand eine Stunde nach Schlusspfiff, als er nochmals alle TV-Bilder sah, im „Sky“-Interview ehrlich: „Stuttgart kann über den Elfmeter glücklich sein. Mit dem Wissen von jetzt hätte ich ihn nicht gegeben“. Zuvor hatte Ex-Admiraner Kalajdzic die Frage, ob es ein Elfmeter gewesen sei, sympathisch mit „Jein“ beantwortet. Keine Diskussion gab es über den Elfmeter zu Gladbachs 1:0-Führung nach einem Foul an Stefan Lainer.
Marco Friedl und Romano Schmid sind außer Trimmel die bisher einzigen österreichischen Sieger der Runde. Die Tore zum 2:0 von Werder Bremen gegen Augsburg fielen erst nach der Einwechslung von Schmid in der 72. Minute, der auch die Flanke zum 2:0 lieferte. Nicht der erhoffet Befreiungsschlag gelang Stefan Posch mit Hoffenheim gegen Bielefeld: „Wenigstens einmal kein Tor kassiert“, kommentierte der Steirer fast sarkastisch das enttäuschende 0:0. Adi Hütter und Martin Hinteregger könnten mit Eintracht Frankfurt Sonntag durch einen Heimsieg gegen Schalke Mönchengladbach überholen und Wolfsburg einholen, nur noch drei Puntke hinter einem Champions League-Platz liegen.