Fußball

Das 320.Derby: Denn sie wissen nicht, wo sie stehen! Salzburg führt schon

Austrias Trainer Thorsten Fink sieht  die Spiele gegen Rapid als „eines der größten Derby-Duelle in Europa“. Vor der 320. Auflage am Sonntag Nachmittag im Happel-Stadion liegen er und sein grün-weißer Kollege Damir Canadi in vielen Dingen auf einer Linie: Sie versichern, dass ihre Mannschaft auf den Sieg brennt, aber nicht zu wissen, wo sie nach der Wintervorbereitung stehen. Und es gibt eine gemeinsame Devise: Ärmel aufkrempeln und  Kräfte bündeln, was Rapid sogar mit Hilfe eines aufwendigen Posters  dokumentiert, Austria nur mit Worten. Auffällig, dass Rapids neuer Sportchef Fredy Bickel und Canadi anders an ihr Derbydebüt herangehen: Der Schweizer sieht den  Erzrivalen schon auf Grund der  Tabellensituation als  Favorit, für Canadi  zählt die Tabellensituation  in einem Derby nicht entscheidend. Abwarten.

Fußball-Wien hat einen Nachholbedarf an Siegen, um zur Aufholjagd Richtung Spitze blasen zu können. Bei Rapid ist der viel  größer. Eine Derbyniederlage bedeutet 13 Punkte Rückstand auf Austria, das Ende der Mini-Hoffnungen, eventuell auch via Meisterschaft noch die Kurve Richtung Europacupplatz kriegen zu können. Gewinnt Austria, wird der erste Cupsieg seit 1995 für Rapid beinahe schon Pflicht. Bei Austria  gibt´s klare Fronten bezüglich Aufstellung, bei Rapid nicht. Abgesehen von der Fitness von Stefan Schwab und Max Hofmann. Spielt der Innenverteidiger nicht, dürfte Stephan Auer  die Alternative sein. Richtungsweisend  ist Canadis Entscheidung in Sachen Tormann: Wer gegen Austria spielt, ist vorerst die Nummer eins. Er hat nicht vor, auf der vielleicht wichtigsten Position ein Wechselspiel zu veranstalten. Rapid-Insider, die auch prophezeien, dass es mit dem  Tiroler Flügel  Andreas Kuen, einem Kooperationsspieler mit dem FAC, eine Überraschung geben könnte, sehen zwischen den Pfosten derzeit für Tobias Knoflach Vorteile gegenüber Richard Strebinger. Gibt´s für den zwei Tage vor seinem 24. Geburtstag eine unliebsame Überraschung? Tatsache ist, dass er, wie man hört,  nicht topfitt, sondern etwas angeschlagen ist. Trainingsleistungen haben bei Canadi einen  sehr hohen Stellenwert.

In seiner Ära schaffte der 23jährige Knoflach schon den Sprung von der Nummer vier zur Nummer zwei. Für ihn wurde Rapids größtes Tormanntalent, Paul Gartler, nach Kapfenberg „geschickt“. Geht´s jetzt noch eine Stufe hinauf? Für Knoflach spricht, dass er mit den Füssen  eindeutig besser als Strebinger ist, sehr gute Reaktionen auf der Linie hat. Gegen ihn die neun Zentimeter, die ihm auf Strebingers Gardemass (1,93 Meter) fehlen. Die Strafraumbeherrschung ist nicht unbedingt Knoflachs Ding. Allerdings auch nicht bei Strebinger. Gegen ihn  sprechen seine Aussetzer, die  schon Punkte kosteten. Etwa einen, der Knoflach  zum Bundesligadebüt bei Rapid verhalf. Das war vergangene Saison im Happel-Stadion gegen Mattersburg, als sich Strebinger mit einem verunglückten Zuspiel in eine Situation manövrierte, die er nur mit einem Hands ausserhalb des Strafraums lösen konnte. Rote Karte nach fünf Minuten, das Match endete mit Rapids erster Saisonniederlage (1:4) in der siebenten Runde, an der Knoflach keine Schuld trug. Zum zweiten Bundesligaeinsatz kam er aber erst in der letzten Runde (2:0 in der Südstadt gegen Admira). Seit damals spielte er nur einmal, aber das wirklich gut: Am 8. Dezember beim 1:1  im letzten Gruppenspiel der Europa League gegen Bilbao.

Mit 17 stand  Knoflach bereits bei den Rapid-Amateuren im Tor. Seine  „Jugendsünden“ sind Vergangenheit. Auch die Mär, dass er nur deshalb noch bei Rapid ist, weil  im letzten Frühjahr der damalige Sportchef Andreas Müller vergaß, rechtzeitig seinen Vertrag zu kündigen, zählt nicht mehr.  Mannschaftsintern ist Knoflach auch als Stimmungsmacher geschätzt. Wenn er spielt, wird er die Devise, die ihm Tormanntrainer Helge Payer mitgibt, sicher beherzigen. Nämlich sich nicht verrückt zu machen, sondern nur das  zu tun, was er auch kann.  Gegen Bilbao klappte das. Auch beim Derbydebüt?

Samstag sah Canadi in der Südstadt, wie sein Ex-Klub Altach gegen Admira nur ein 1:1 schaffte. Canadi beobachtete  mit der Admira Rapids nächsten Gegner nach dem Derby. Kein Sieg für einen der neuen Trainer, weder für Admiras Damir Buric noch für Martin Scherb. Aber mit dem Unentschieden verlor Altach die Spitze. Titelverteidiger Salzburg holte mit dem 2:0 gegen St. Pölten den Winterkönig nach Punkten ein, hat aber die um 14 Treffer bessere Tordifferenz. Da Sturm überraschend beim Schlusslicht Mattersburg 0:1 verlor, kann Austria mit einem Derbysieg Platz drei erobern. Die Burgenländer kamen auf einen Punkt an St. Pölten, auf drei an Ried (0:1 in Wolfsberg) heran. Die Bilanz der Winterkäufe: Drei begannen bei  St. Pölten (Diallo, Mehremic sowie der noch vor der Pause verletzt ausgeschiedene Korkmaz), je zwei bei Wolfsberg (Mario Leitgeb, Orgill) und  Mattersburg (Maierhofer, Atang). Sturm ließ  die drei  Winterkäufe auf der Bank, Chabbi und  Atik kamen nach der Pause. Ein Tor der Neuerwerbungen gab es nicht. Aber man kauft ja nicht nur für das erste Spiel.

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