Fußball

Das Canadi-Evangelium

Knapp 20.000 Karten sind für den Schlager zwischen Rapid und Salzburg am Sonntag Nachmittag im Hütteldorfer Allianz-Stadion verkauft. Gegen den Meister und Tabellenführer   kann Grün-Weiß in seinem derzeitigen Tief eigentlich nur gewinnen – so gesehen kann man  das Match auch als neue Chance sehen,  den Vorstellungen des Trainers nahe zu kommen. Wie die genau aussehen, sagte  Damir Canadi in aller Offenheit gegenüber der letzten Ausgabe der  Hütteldorfer Revue „Forza Rapid“, die am Cover noch von drei Wegen nach Europa redet. Da verrät er , dass ihm Präsident Michael Krammer in den Verhandlungen einen längerfristigen Vertrag anbot, er sich aber nur bis 2018 binden wollte, um sich vorerst einmal in den nächsten eineinhalb Jahren alles genauer anzusehen. Sonntag  könnte Canadi den ersten Sieg über eine der Top-Mannschaften verbuchen: Bisher sowohl gegen Salzburg, Altach und Sturm Graz verloren, gegen Austria den Ausgleich in der 94 Minute kassiert, nur einen Punkt geholt. Gegen Salzburg in seinem ersten Match wäre auch eine Packung möglich gewesen. So gesehen wäre es an der Zeit jnd auch logisch, vier Monate später am Sonntag Fortschritte  sehen.

„Ich versuche sehr dynamisch spielen zu lassen, flexibel im Abwehrverhalten, im Umschaltspiel und im Pressing. Mein Spiel hat mehrere Facetten“ skizzierte Canadi sein „Evangelium“. In dem auch steht, dass er am liebsten nur mit ein bis zwei Ballkontakten spielt. Zu viele in seiner Mannschaft aber mit drei bis vier, was Rapid mitunter behäbig und ausrechenbar mache.  Ballbesitz ist Canadi grundsätzlich egal: „Fußball ist für mich keine Einbahnstrasse.“ Er will eine Mannschaft sehen, die flexibel auf verschiedene  Situationen reagiert und sich anpasst.  Wie Atletico Madrid , Juventus oder Arsenal. Dass auch Vorbilder mitunter einen schwarzen Tag erwischen können, bewies Arsenal mit dem 1:5-Debakel in München gegen Bayern.

Ein ganz wichtiger Aspekt, an dem Canadi auch im Training arbeitet, ist für ihn das Freilaufverhalten, um sich mehr taktische Möglichkeiten zu erarbeiten, die Rapid schwerer ausrechenbar machen. Schlüsselspieler, auf die er in seiner Spielanlage vermehrt setzen wird, sieht Canadi aber nicht: „Wir sind mit zehn Spielern und einem Torhüter auf dem Platz. Nur wenn alle zusammenhelfen, alle das Speil gleich anlegen, werden wir auch Erfolg haben.“

Canadi konzediert, dass andere Wege möglicherweise kurzfristig mehr Erfolg bringen würden, aber dann stehe man in zwei Jahren vielleicht wieder vor der Situation, ganz von vorne beginnen zu müssen. Er will nur noch Spieler mit Geschwindigkeit holen: „In der momentan Situation sind die gefordert, die für Platz fünf verantwortlich sind. Die müssen das Ruder herumreißen und wenn sie nicht voll mitziehen, bekommen sie die entsprechende Rechnung präsentiert.“ Was ihm zu Salzburg beim Interview  im Jänner einfiel, das stimmt garantiert noch immer. Trotz des Wechsels von Salzburgs Kapitän Jonatan Soriano nach China:  „Wenn Salzburg von der individuellen Qualität einfach so viel besser ist, dann hilft es wenig, wenn ich ihren Spielplan kenne, Wenn sie keine Fehler machen, werden wir  ihnen nur mit einer außergewöhnlichen Leistung weh tun können.“

Harte Entscheidungen treffen zu müssen, mache ihm keine Angst. Es geht nicht um einzelne Personen, sondern um Rapids Erfolg, dem er alles unterordne und das schliesse auch Selbstkritik mit ein. Jeder müsse sich hinterfragen, warum Rapid seit neun Jahren keinen Titel mehr geholt hat. Für nächste Saison müsse es das Fernziel geben, Meister zu werden: „Finanziell werden wir zu Salzburg nicht hinkommen, aber mit der richtigen Mentalität können wir das Ziel erreichen. Ein kleines Unternehmen hat in der Wirtschaft gegen eine großes auch nur dann eine Chance, wenn es sich andere Strategien überlegt und mehr investiert.“ So ein kleines Unternehmen ist Rapid mit einem Budget um die 30 Millionen aber auch wieder nicht.

Neues gibt´s von Damir Canadis Vorgänger Mike Büskens: Er kümmert sich bei Schalke um die Reha des im Herbst am Sprunggelenk schwer verletzten und operierten Schweizer Jungstars Breel Embolo, auf dessen Comeback Schalke sehnsüchtig wartet.

 

 

 

 

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