Fußball

Das magische Jahr des Oliver Glasner: „Er ist ein Vulkan, wenn er verliert!“

Den FC Barcelona geschlagen, die Europa League gewonnen, in der Champions League ins Achtelfinale gekommen: Es war ein magisches Jahr für den derzeit erfolgreichen österreichischen Trainer, Oliver Glasner, mit Eintracht Frankfurt. 2014 begann er als Cheftrainer in Ried, 2022 war er ein neuer Stern am europäischen Trainerhimmel. Was er zwischen 14. April und 1. November alles erlebte und gewann, war ein Traum. Auch für den Klub. Der durch den Triumph in der Europa League alles in allem rund 60 Millionen Euro verdiente. Vorstandschef Axel Hellmann: „Wir sind ein gesellschaftliches Phänomen dieser Stadt geworden, zum größten emotionalen Magneten dieser Region!“

Es begann in Barcelona, im Viertelfinale der Europa League. Mit einem Marsch der Eintracht-Fans zum Nou Camp. Schon die Busfahrt dorthin beeindruckte Glasner. Die Eintracht siegte nach dem 1:1 in Frankfurt 3:2, stieg auf. Zweimal liefen die Sieger aus der Kabine zu den 30.000 Fans und genossen den Jubel, berühmt wurde Glasners „Jubeldiver“ zwischen seinen Spielern, die dafür Spalier standen. Die schwarze Hose, die der 48 jährige damals trug, ist seit Monaten im Eintracht-Museum ausgestellt. Damals noch als Abwehrchef mitten drin: Martin Hinteregger. Im Blick zurück gibt der Kärntner zu: „Danach unter dem Eindruck dieses Erfolgs, habe ich mir im Bus gesagt, dass meine Karriere nach der Saison vorbei sein wird!“ Und so kam es tatsächlich.

Glasner gelang im Semifinale das, woran Vorgänger Adi Hütter zwei Jahre zuvor im Elfmeterschießen gescheitert war: West Ham im Semifinale auszuschalten. 1:1 in London, 1:0 daheim, daher am 18. Mai Endspiel in Sevilla gegen die Glasgow Rangers. Ohne Hinteregger, der verletzt auf der Tribüne saß. An einem warmen Sommerabend 1:1 nach 90 und 120 Minuten, dann Elfmeterschießen. Alle Frankfurter Schützen trafen, Tormann Kevin Trapp hielt einen von Aaron Ramsey mit dem linken Schienbein. Danach machte der Kolumbianer Rafael Borre, der in den regulären Spielzeit den Ausgleich erzielt hatte, kurz vor Mitternacht perfekt, dass die Eintracht erstmals seit 42 Jahren, als der viel zu früh verstorbene Vorarlberger Bruno Pezzey der Abwehrchef war, Europacup-Seger wurde: „Dieser Moment übertrifft alles“ behauptet Glasner am Ende seines magisches Jahrs, „mit welcher Entschlossenheit Borre angetreten ist, wie platziert er in der Drucksituation geschossen hat, war große Klasse. Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich Gäsenhaut. Die Emtionen waren eifnach unglaublich, werden immer in Erinnerung bleiben!“ Etwa der Kuss auf die Siegermedaille, die Szene mit dem Pokal in Händen. Auch der Emfang in Frankfurt und die Feier auf Mallorca eine Woche später, zu der ihm seine Assistenten Michael Angerschmid und Ronald Brunmayr überredeten.

Im August störte das 0:2 im Spiel um den europäischen Supercup gegen Real Madrid in Helsinki, bei dem Glasners Landsmann David Alaba das erste Tor erzielte, nicht wirklich. Weil am 7. September  Frankfurts und Glasners erster Auftritt in d er Champions League, für die sich der Europa League-Sieger automatisch qualifiziert, erfolgte. Erstmals vor 51 500 Zuschauern die Champions League Hymne zu hören, ein Supergefühl, ein bedeutender Tag.  Auch wenn danach die 0:3-Pleite gegen Sporting Lissabon ärgerte. Am 1. November war alles vergessen. Weil durch ein 2:1 in Lissabon nach 0:1-Rückstand der Aufstieg ins Achtelfinale fixiert wurde, bei dem der im Sommer verpflichtete Mario Götze wie in seinen besten Tagen aufspielte. Glasner war damit der erste österreichische Trainer, der unter die letzten 16 der Königsklasse kam. Sechs Monate zuvor war er der erste seit 1983, seit dem legendären Ernst Happel mit dem Hamburger SV, der Europacupsieger wurde.

„Man täuscht sich, wenn man bei Glasner denkt, er sei ein nüchterner und ruhiger Typ“, erzählte Frankfurt-Boss Hellmann in einem DAZN-Interview, „er ist ein Vulkan, wenn er verliert, jemand, der aus seinem extremen Ehrgeiz heraus enorm viel Emotion reinlegen kann!“ Glasner weiß, dass er immer der Getriebene und Erfolgsbessene sein, daher nicht weitere 14 Jahre Trainer bleiben wird: „Anderen eine Freude bereiten, ist eine der schönsten Sachen, die ich mir vorstelle!“ Dabei musste seinerzeit seine Frau Bettina ihn überreden, in den Trainerkurs zu gehen. Er stand auf dem Standpunkt, nicht sieben Jahre studiert zu haben, um dann Trainer zu werden. Der Einwand seiner Frau, er wisse eh nicht, was er zu Hause tun solle, führte dazu, dass er es sich anders überlegte: „Heute weiß meine Frau, dass dies ein großer Fehler von ihr war“, erzählt Glasner lachend, „weil ich noch weniger daheim bin!“ Dienstag fliegt er mit seiner Mannschaft ins Trainingslager nach Dubai. Um den Höhenflug zu prolongieren. In der Bundesliga liegt Frankfurt als Vierter auf einem Champions League-Platz.

Foto: UEFA.

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