Fußball

Das Präventivkonzept gehört eigentlich sofort geändert

Kommende Wochen werden die Gespräche zwischen Gesundheits-und Sportministerium und der Bundesliga wieder aufgenommen, in denen es darum geht, wann und in welcher Form Fußball mit Publikum wieder möglich sein wird. Nach den jüngsten Entwicklungen, wie letzte Woche mit 50.000 Demonstranten in der Wiener Innenstadt, die dicht an dicht standen und angesichts weiterer allgemeiner Lockerungen müsste die Antwort auf die Frage heißen: Eigentlich sofort. Das Präventiv-und Hygienekonzept, das bestens funktioniert und die Geisterspiele möglich machte, ist bereits etwas aus der Zeit gefallen. Es wurde vor Wochen fixiert, als es noch ganz andere, viel höhere Infektionszahlen gab. Jetzt wäre es an der Zeit, einiges zu adaptieren. Es ist  nicht mehr einzusehen, warum die Klubs vor tausenden leeren Plätzen spielen müssen, warum nicht jeder vierte Platz auf der Tribünen besetzt werden darf. Wer Geisterspiele in den Stadien vor Ort miterlebt hat, muss dem Vergleich von Rapids Trainer Didi Kühbauer zustimmen, der hieß: „Das ist wie Radfahren ohne Rad!“

In Deutschland gibt es ähnliche Überlegungen, aber da wird für die letzten vier Runden mit einer Ausnahme (die Ersatzspieler müssen keine Masken mehr tragen) nichts mehr geändert. Liga-Geschäftsführer Christian Seifert steht im Dialog mit dem Gesundheitsministerium, um mit dem Start der Saison 2020/21 schrittweise Zuschauer zu den Spielen zuzulassen. Ähnlich ist der Plan in Österreich, wo es so bizarre Bilder wie aus deutschen Stadien, in denen Klubbosse  mutterseelenallein auf der Tribüne sitzen und dabei eine Gesichtsmaske tragen müssen, nicht gibt. Teamchef Franco Foda und seine Assistenten haben es auch besser als ihr Kollege Jogi Löw, weil sie in die Stadien dürfen, Löw in Deutschland wegen des Prinzips „gleiches Recht für alle“ weiterhin nicht. Bei Österreichs Nachbarn Ungarn und in Serben sind die Fankurven hingegen bereits wieder voll, wie Bilder der Spieler von Roter Stern Belgrad zeigten, die vor ihrem Fan-Block stehen, in dem massenweise Pyro gezündet wurde. Als die Mannschaft von Honved Budapest in der 67.000 Zuschauer fassenden Puskas-Arena, in die 10.000 Zuschauer durften, den Sieg im Pokalfinale gegen Mezokovesd vor ihrer Fantribüne feierte, war Abstand halten kein Thema, einfach vergessen.

Wenn man in die Chefetagen von Österreichs Bundesligaklub hineinhört, bekommt man als offizielle Statements kein Wort der Kritik, dass am Präventivkonzept rasch etwas geändert werden sollte. Kein Vorwurf an Ligavorstand Christian Ebenbauer oder die Politik. Man will ja keinen Druck machen, um die  Gesprächsbasis vor den nächsten Verhandlungen über Spiele mit Publikum nicht zu gefährden, weil es ohnehin nichts bringt, wenn sie ihre wahren Meinungen nach außen tragen. Im „Vertrauen“ hört man aber schon Worte wie „Zumutung“ oder  „Frechheit“. Die große Angst, die umgeht: Dass als Folge der Wiener Massendemonstration gegen Rassismus die Infektionszahlen merkbar ansteigen. Denn das könnte die Zeit der leeren Tribünen prolongieren.

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