Eishockey

Der Bobby Orr vom Wörthersee: Mit Patrick Harand jubelte nur ein Wiener in Klagenfurt

Die stärkste Eishockeyliga der Welt schreibt derzeit Geschichte. Erstmals schieden in der ersten Runde des Play-off alle vier Division-Sieger aus. Mit Titelverteidiger Washington Capitals (daheim im siebenten Spiel gegen die Carolina Hurricanes 3:4 nach Verlängerung), Tampa Bay Lightning (gegen Columbus Jackets), den Nashville Predators (gegen Dallas Stars) und den Calgary Flames (gegen Colorado) setzte es ein wahres Favoritensterben. In Österreich bedeutet es nichts außergewöhnliches, dass der KAC einen Meistertitel feiert. Mittwoch war es zum 31.Mal so weit, zum vierten Mal in der Erste Bank Liga. Center Thomas Koch hob bereits zum neunten Mal den EBEL-Pokal in die Höhe. Das 3:2 (0:1, 1:2, 1:1, 1:0) nach Verlängerung im sechsten Finalspiel gegen die Vienna Capitals machte den Ausnahmezustand in Klagenfurt für einige Tage möglich. Der 28jährige US-Verteidiger Adam Comrie sorgte nach 74:31 Minuten für das entscheidende Tor zum vierten Sieg, der alles klar machte. Das wird beim WM-Camp in Deggendorf auch Österreichs Teamchef Roger Bader erleichtert registriert haben. Denn somit gibt es kein siebentes Finalspiel am Samstag, haben die Teamspieler der Finalisten drei Tage mehr Zeit zum Regenerieren, ehe sie Mittwoch ins letzte WM-Trainingscamp einrücken.

In Klagenfurt jubelte Mittwoch nach 23 Uhr nur ein Wiener. Der im KAC-Dress mit der Nummer 16: Patrick Harand, mit 35 bereits im fortgeschrittenen Eishockeyalter. Das ihn nicht daran hinderte, in ungewohnter Rolle eine der besten Saisonen seiner langen Karriere zu spielen. Es mag sein, dass Verletzungen den finnischen KAC-Meistermacher Petri Matikainen auf den Gedanken brachten, den Routinier als Verteidiger aufzubieten. Es war jedenfalls eine Königsidee. Nicht nur, weil der ehemalig Flügel und Center Mittwoch zu Beginn des zweiten Drittels mit seinem Ausgleich zum 1:1 der Heimmannschaft neue Energie verlieh. Harand spielte in seinem bereits siebenten Jahr bei den Kärntnern Rotjacken so gut, dass ihn viele als den Bobby Orr vom Wörthersee  bejubelten. Bobby Orr ist die inzwischen 71jährige kanadische Legende, die in zwölf NHL-Saisonen zwischen 1966 und 1978 das Verteidigerspiel in Sachen Offensive geradezu revolutioniert hatte.

Mit der Nummer 16 war schon Patricks Vater Kurt zur Wiener Eishockeyikone geworden. War dann der erste Trainer der Vienna Capitals, lotste noch Jim Boni, den ersten Meistermacher der Capitals, als seinen Nachfolger nach Wien. Bevor der nächste Job als Sportchef so richtig begann, gab´s Differenzen mit Hans Schmid, dem Besitzer und Präsidenten, die zur Trennung führten. Und damit waren die Söhne Patrick und Chris als Ur-Wiener in Wien 2004 nicht mehr gefragt. Patrick spielte fünf Jahre in Salzburg, wurde mit den Bullen 2007 und 2008 Meister, spielte auch dort unter Pierre Page mitunter Verteidiger, ehe er nach drei Saisonen in Graz weiter in den Süden wanderte, 2012 beim KAC anheuerte. Bei dem sein zwei Jahre älterer Bruder Chris vor ihm gespielt hatte und mit Bruderduell 2009 Meister geworden war. Das entscheidende Tor im Finale gegen Salzburg und Patrick erzielt hatte. Geschichten, die nur Eishockey schreibt.

2013 jubelte Patrick zum ersten Mal mit dem KAC über den Meistertitel nach dem Finale gegen die Capitals, sechs Jahre später noch einmal. Vor sechs Jahren mit 4:0-Siegen, diesmal umkämpfter. Aber vielleicht umso schöner. Gegen seinen ehemaligen Verein Meister zu werden, bedeutete schon etwas besonderes. Es wird sicher so sein, dass er als Meister noch eine weitere Saison anhängt. Als Verteidiger. Seit Mittwoch genießt er seinen vierten Meistertitel, den er einfach nur wunderschön findet: „Wir haben auf einem harten Weg zusammengehalten. Wir sind so eine geile Truppe.“

Foto: © KAC Media.

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