Eishockey

Der fünfte Punkt oder alles wird in Frage gestellt

Viele hätten Österreichs Eishockeyteam nicht vier Punkte aus den ersten sechs Spielen bei der Eishockey-WM in Tampere zugetraut. Nicht den ersten Sieg gegen Tschechien, nicht gegen die USA und Lettland in die Verlängerung zu gehen. Man kann diskutieren, ob die WM 2004 in Prag unter Herbert Pöck mit dem Unentschieden gegen Weltmeister Kanada und die Schweiz, einem Sieg über Frankreich in einer Vierergruppe die bessere war als die in Tampere. In Prag gab es  in der Zwischenrunde Niederlagen gegen Tschechien, Lettland und Deutschland, aber kein Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt, das Montag Abend gegen Großbritannien auf Teamchef Roger Bader (Bild oben) in seinem 100. Länderspiel und seine Spieler wartet, live in ORF Sport + zu sehen ist. In dem ein Unentschieden nach der regulären Spielzeit reicht, um den zweiten Klassenerhalt in der Ära des Schweizers nach 2018 in Kopenhagen zu schaffen.

Die bisherigen Leistungen stimmen optimistisch, dass dies geschafft wird. Im Team der britischen Teamchefs Peter Russell stehen vier Legionäre aus Norwegen, der Slowakei, Rumänien und der USA, ansonst nur Spieler aus der englischen Liga. Von denen in Österreich der 31 jährige Goalie Ben Bowns aus seiner Zeit bei den Grazer 99ers kein unbekannter ist. Egal, wie das siebente und entscheidende Spiel ausgeht, eines hat diese Weltmeisterschaft gezeigt: Die österreichischen Spieler haben bei ihren Klubs mehr Vertrauen als bisher verdient. Weil sie sich auf einem weit höheren Niveau als in der ICE League (die dem Aufnahmeantrag von Team Vorarlberg/VEU Feldkirch als achten österreichischen Verein zustimmte) bewährten. Dafür gibt es mehrere Beispiele. Unter anderem Verteidiger David Maier, der beim KAC nicht richtig zum Zug kam, oder Philipp Wimmer und Paul Huber von Meister Red Bull Salzburg.  Bei Bader und seinem Betreuerteam blühten sie auf, weil sie Vertrauen spürten, auch im Powerplay und in Unterzahl eingesetzt werden. Wenn das einigen Klubchefs die Augen öffnet, dann hat diese Weltmeisterschaft schon viel gebracht. Allzu große Hoffnungen sollten man sich diesbezüglich aber nicht machen.

Das Schlimmste wäre, wenn es aus irgendeinem Grund gegen Großbritannien schiefgehen sollte. Dann wird, wie es in Österreich leider zur Gewohnheit zählt, alles schlecht geredet werden, gilt selbst der Sieg gegen Tschechien, die bisher größte Überraschung dieser Weltmeisterschaft, eine größere als das 6:3 der Schweiz am Samstag über Titelverteidiger Kanada, als maßlos überbewertet. Dann muss man davon ausgehen, dass Verbandspräsident Klaus Hartmann und sein Präsidium den Vertrag mit Bader nicht verlängern werden. Aber bisher waren die Leistungen zu gut, dass man an diesen worst case denken muss.

Auch das 0:3 (0:1,0:1,0:1) gegen Olympiasieger Finnland am Samstag, bei dem Österreich schneller als in den fünf Spielen zuvor in Rückstand geriet (nach 105 Sekunden), erstmals kein Tor erzielte und Verteidiger Dominique Heinrich für Montag geschont wurde, gibt keinen Anlass zu Sorge. Der beste Mann in der mit 11.173 Besuchern ausverkauften Nokia Arena war Tormann David Kickert, der 36 Schüsse hielt. Aber anzunehmen, dass Montag wieder Bernhard Starkbaum das Vertrauen erhält. Mit ihm gelang die Sensation gegen die Tschechen. Für Österreich gab´s Sonntag den Ruhetag, Großbritannien spielte gegen Lettland, verlor nach 2:0 und 3:1-Führung 3:4. Auch das spricht für den einen notwendigen Punkt. Aber wie man Bader und sein Team kennt, wollen sie mit dem zweiten Sieg für klare Verhältnisse sorgen.

Foto: IIHF.

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