Es war klar, dass Österreichs letzter Auftritt bei der WM auch das letzte Länderspiel von Marko Arnautovic nach 17 Jahren sein wird. Dennoch flossen nach dem 0:2 gegen Spanien in Los Angeles bei ihm die Tränen. Der 37-jährige empfand es als „katastrophal“, dass sein 137. Länderspiel das letzte war, sprach in der Kabine bewegende Worte zu den Mitspielern. Dass er Rekordteamspieler und Rekordtorschütze ist, war ihm „völlig egal“, wie er nochmals versicherte. Er bedankte sich bei allen, auch bei denen, die ihn nicht mehr im Team sehen wollten. Solche gab es nämlich auch.
Arnautovic war sozusagen der Beginn zu einer Rücktrittswelle am Donnerstag und Freitag. Auf Arnautovic folgte Kroatiens Kapitän Luka Modric nach dem unglücklichen 1:2 (0:0) gegen Portugal. Zuvor hatte die Schwester von Portugals Superstar Cristiano Ronaldo durchblicken lassen, dass bei einer Niederlage die Teamkarriere des 41-Jährigen vorbei sein wird. Ronaldo und Modric kennen sich aus gemeinsamen Real-Madrid-Zeiten. Der 41-jährige Portugiese verwandelte einen Elfmeter zum 1:1, womit er sein erstes WM-Tor in einem K.-o.-Spiel erzielte. Für Modric war es nach 202 Länderspielen mit 99 Toren vorbei, vor vier Jahren war er mit Kroatien WM-Dritter. Bei Ronaldo könnte das Achtelfinale gegen Spanien am Montag in Dallas den Abschied bringen.
So wie Modric hörte auch Algeriens Altstar Riyad Mahrez mit dem Ausscheiden aus der WM auf. Das 0:2 gegen die Schweiz war das 119. Länderspiel des 35 jährigen, die letzten zwei seiner insgesamt 40 Treffer gelangen ihm fünf Tage vorher in Kansas City gegen Österreich. Der Rücktritt, der Freitagvormittag erfolgte, war keine Überraschung mehr, betraf den deutschen Bundestrainer. Julian Nagelsmann. Am Krisengipfel des Deutschen Fußballbunds mit Präsident Bernd Neuendorf, Bundesliga-Präsident Hans Joachim Watzke und Sportchef Rudi Völler am Donnerstag wurde er vor die Alternative gestellt: selbst aufhören oder entlassen werden. Nagelsmann entschied sich für die erste Variante. Die Abfertigung ändert sich dadurch nicht, der 38-jährige kassiert die Hälfte von dem, was ihm laut Vertrag bis 2028 zugestanden wäre. Das sind sieben Millionen. Weltmeister Toni Kroos, der unter Nagelsmann zur Heim-EM 2024 ein Comeback gefeiert hatte, nahm den „Sündenbock“ in Schutz, sagte das, was schon zuvor Ex-Rapidler Jan Age Fjörtoft bei Servus TV behauptete: „Deutschland hat keinen einzigen Weltklassespieler!“ Sollte Jürgen Klopp, wie erwartet, Nachfolger werden, wäre er der erste Teamchef, für den der DFB eine Ablöse zahlen müsste. Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Minzlaff gilt als harter Verhandler, lässt Klopp sicher nicht ohne Gegenleistung aus dem noch drei Jahre laufenden Vertrag aussteigen.