Fußball

Drei Treffer zwischen 91. und 97. Minute: Das erste Tor eines Barbados-Legionärs rettete Rapid

Rapid muss in der Bundesliga weiter auf den ersten Heimsieg seit dem 4:0 gegen Altach am 5. August warten. In sechs Spielen im Allianz-Stadion nur drei Punkte geholt. Aber nach dem 3:3 (1:1) gegen LASK vor 17.800 Zuschauern am Sonntag wurde kaum über diese miese grün-weiße Bilanz geredet, sondern mehr über drei Treffer zwischen der 91. und 97. Minute, das dramatische Finish einer intensiven, temporeichen Partie, die Rapids Trainer Zoran Barisic als Werbung für Österreichs Fußball bezeichnete. Was zweifelsohne stimmte. Außerdem bewies Rapids Mannschaft, intakt zu sein, obwohl die Realität doch nicht den Ansprüchen entspricht: Nur dank der besseren Tordifferenz gegenüber der Austria noch auf Platz sechs, aber vier Punkte hinter Hartberg und sechs hinter Austria Klagenfurt. Das darf eigentlich nicht sein.

Barisic stellte nach der Heimpleite gegen Klagenfurt auf zwei Positionen um: Thorsten Schick statt des Holländers Neraysho Kasanwirjo Rechtsverteidiger, Lukas Grgic gegen seinen Ex-Klub im zentralen Mittelfeld statt Roman Kerschbaum. Neu auf die Ersatzbank kamen Barbados-Stürmer Thierry Gale und Oliver Strunz. Nach einer Viertelstunde jubelte Rapid über das erste Tor von Grgic in Grün-Weiß, der nach einem Kopfball von Kapitän Guido Burgstaller den Ball via Oberschenkel und Fuß über die Linie brachte (Bild). Aber nur sieben Minuten später fiel der Ausgleich durch Marin Ljubicic nach Assist von Ivan Ljubic.  Zu Beginn der zweiten Hälfte wiederholte sich das Klagenfurt-Spiel: Nicolas Kühn vergab einen Sitzer, scheiterte am LASK-Torhüter Tobias Lawal.  Eine Runde zuvor wäre es die 2:0-Führung gewesen, gegen den LASK das 2:1. So gingen die Linzer in Führung. Mit dem zweiten Treffer von Ljubicic , der zuvor in elf Runden nur einmal scorte, nach 72 Minuten. Der erste große Aufreger, weil in der Aktion Peter Michorl zuvor den Ball mit dem Oberarm mitnahm.  Der Tiroler Referee Walter Altmann fand dies nicht ahndenswert, auch der VAR, Altmanns engerer Landsmann Andreas Heiss, sah keine schwere Fehlentscheidung. Also blieb es bei der LASK-Führung nach 72 Minuten.

Wenig später zeigte Altmann Rapids Mittelfeldtalent Nikolas Sattlberger die zweite gelbe Karte, weil er im Luftkampf den Ellbogen zur Hilfe nahm. Der Ausschluss war hart, aber vertretbar. Alles schien gelaufen, aber es wurde nicht „richtig wild“, wie es Burgstaller bezeichnete. Aber dezimiert gelang Rapid der Ausgleich. Altmann zeigte auf den Elfmeterpunkt, als ein Kopfball von Rapids Innenverteidiger Leopold Querfeld Panama-Legionär am ausgestreckten Arm traf. Es dauerte gefühlt drei Minuten, biss Heiss Altmann zum On Field Review schickte. Weitere zwei Minuten, bis Altmann bei seiner umstrittenen Entscheidung blieb. Es hätte auch sehr, sehr viel Mut dazugehört, vor der vollen Rapid-Fantribüne bei der Vorgeschichte mit dem zweiten LASK-Treffer die Elfmeterentscheidung zurückzunehmen. Marco Grüll behielt die Nerven, verwandelte den Elfmeter zum 2:2. Passierte bereits in der ersten Minute der Nachspielzeit.

Das war aber noch nicht alles. Nach 96 Minuten schien Rapids Niederlage erneut perfekt, weil Querfeld den kurz zuvor eingewechselten Husein Balic zum Kopfball kommen ließ. Aber es kam unerwartet nochmals die Antwort: Flanke von Grüll, Thierry Gale, der nach 77 Minuten auf Kühn folgte, gelang per Kopf das 3:3. Das erste Tor eines Legionärs von der Karibikinsel Barbados in der Bundesliga und für Rapid. Barisic sah bei allem Lob auch die Fehler: Chancen zur Führung nicht genützt, in der Defensive nicht gut genug angestellt. Sechs Tore in den letzten zwei Heimspielen zu kassieren, das darf nicht passieren. Da gibt es noch viel Luft nach oben. Sportchef Markus Katzer sah „keine Leistung, auf die wir richtig aufbauen können“.

Für den LASK gab es den zweiten Nackenschlag innerhalb von vier Tagen. Donnerstag in der Europa League in Brüssel gegen Saint Gilloise nach 94 Minuten das 1:2 kassiert, Sonntag in der 96. Minute zwei Punkte liegen gelassen: „Das ist für uns alle ein Nackenschlag“, gab Trainer Thomas Sageder zu, „mit einem Mann mehr wäre mehr möglich gewesen!“  Den Elfmeter für Rapid sah er als Fehlentscheidung, das Handspiel vor dem zweiten LASK-Treffer war seiner Meinung nach keines.

Foto: Gepa/Admiral.

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