Für Rapid begann es vor einer noch größeren Kulisse als Donnerstagabend, vor 21.200 Zuschauern, gegen Blau Weiß Linz wie gegen Decic Tuzi: Mit dem Führungstor des Norwegers Petter Dahl. Das ging sogar acht Minuten schneller als drei Tage zuvor, davor gab es diesmal nicht drei Aluminiumtreffer wie gegen die Montenegriner. Damit hatte Rapid schon mehr geschafft als letzte Saison, nämlich ein Tor in Hütteldorf gegen die Linzer. Dem aber keines mehr folgte. Die Gegenwehr war auch bedeutend größer als die von Decic. Rapid mühte sich gegen die kompakte Blau-Weiß-Defensive, kam zwar zu Chancen auf mehr Tore, hätte aber auch in zwei Situationen ein Tor kassieren können. Etwa beim einzigen Torschuss der Linzer in der ersten Hälfte, einem Lattenknaller des Schweizer Neuzugangs Nico Maier. Oder nach 86 Minuten bei einem Schuss der Austria-Leihgabe Muharem Huskovic, den Niklas Hedl, einer der zwei Österreicher in Rapids Startelf, in der gegenüber Donnerstag die gesperrt gewesenen Serge Raux-Yao und Mamadou Sangare (Bild) wie erwartet Kouado Ahoussou und Lukas Grgic ersetzten. Der Donnerstag verletzt ausgeschiedene französische Mittelstürmer Janis Antiste war dabei. Und am Führungstor beteiligt: Die Flanke von Bendegüz Bolla leitete er per Kopf zu Dahl weiter, der ebenfalls per Kopf den starken tschechischen Blau Weiß-Tormann Viktor Baier bezwang.
Das blieb der einzige Angriff Rapids, bei dem alles klappte. Antistse ließ nach 68 Minuten die größte Chance auf den zweien Treffer aus, so hieß es bis zur 95. Minute konsequent bleiben. In drei von vier Pflichtspielen dieser Saison kassierte Rapid kein Gegentor, darauf kann man aufbauen. Jetzt muss nur die Offensive ähnlich stark werden. Immerhin: Beim zweiten 1:0 innerhalb einer Woche gelang der entscheidende Treffer nicht wie in Innsbruck durch einen Freistoß, sondern aus dem Spiel. Aber dass noch Luft nach oben da ist, zeigte Peter Stöger, weil er ebenso wie Blau-Weiß-Trainer Mitja Mörec fünfmal wechselte. Nach 65 Minuten ersetzten Claude Mbuyi und Dominik Weixelbraun Kapitän Mathias Seidl und Andrija Radulovic, nach 78 kamen Louis Schaub für den Torschützen Dahl und Grgic für Romeo Amane, für die letzten zehn folgte auf Antiste Ercan Kara. Das Duell der Gebrüder Seidl dauerte nur acht Minuten: Simon Seidl, der jüngere, wurde von Mörec nach 58 Minuten eingewechselt, sieben später folgte der Austausch von Matthias.
Spektakel war es keines, aber der erste Sieg über Blau Weiß seit November 2023 brachte Selbstvertrauen für die schottisch-steirische Woche: Donnerstag im Europacup in Hütteldorf gegen Dundee United (Sonntag in der Meisterschaft auswärts 2:2 gegen Falkirk), Sonntag in Graz gegen Meister Sturm, vier Tage später Retourspiel in Schottland. Da wird Kampfkraft gefragt sein.
Foto: Gepa/Admiral.