Fußball

Ende gut, alles gut: Das 23.Tor von Gregoritsch sicherte WM-Ticket

So eindrucksvoll wie 25 Jahre zuvor mit dem 5:0 über Weißrussland qualifizierte sich Österreich zwar nicht für die WM, aber nach dem erzitterten 1:1 (0:1) gegen Bosnien vor 48.000 Zuschauern im ausverkauften Happel-Stadion kann ruhig die Devise gelten: Ende gut, alles gut! Deswegen braucht man aber nicht den 18. November zum neuen nationalen Feiertag erklärten, wie es Kapitän Marko Arnautovic hoffentlich nur im Spaß von Bundespräsident Alexander van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker forderte. Österreich hat zwar sechs von acht Partien in der Qualifikation gewonnen, aber überzeugend mit Ausnahme der zwei Pflichtübungen gegen San Marino nur drei. Dienstag erinnerte die Leistung  an das schwache 1:0 gegen Zypern.

Teamchef Ralf Rangnick änderte die Siegerbesetzung von Limassol doch an zwei Positionen. Konrad Laimer verteidigte statt Stefan Posch rechts, links kam Philipp Mwene neu rein. An der rechten Flanke ersetzte eher unerwartet Patrick Wimmer Romano Schmid. Bosnien bekam von der FIFA die Freigabe für Emir Karic, daher verteidigte er und sein Klubkollege von Sturm Graz, Arjen Malic, links und rechts. Ex-Austrianer Haris Tabakovic begann als zweite Sitze neben Edin Dzeko. Nach passablem Start begann für Österreich nach 12 Minuten das große Zittern: Alexander Schlager wehrte mit der Faust einen Eckball schlecht in die Mitte ab, ein abgerissener Schuss von Amar Memic wurde zur Vorlage für Tabakovic, der mit seinem dritten Tor für Bosnien Österreichs Team erschütterte. Bosnien war damit bei der WM und blieb es bis zur 77. Minute. Österreich kam bis zur Pause nur zu zwei Abschlüssen, den Ausgleich von Laimer ließ der portugiesische Referee Joao Pinheiro nach Intervention von VAR Tiago Martins doch nicht gelten. Zu Beginn der Aktion stand ein Foul von Laimer an Memic, dass Pinheiro, der freie Sicht auf die Aktion hatte, zunächst nicht ahndete. Erst nach VAR-Intervention, die man als umstritten bezeichnen kann, änderte er seine Meinung.

Österreich hatte zwar viel Ballbesitz, aber zündende Ideen fehlten. Nach 55 Minuten wechselte Rangnick erstmals, brachte Michael Gregoritsch statt Wimmer. Zwölf Minuten später machte sich das bezahlt: Nach einer Flanke von Marcel Sabitzer wehrte Bosniens Tormann Nikola Vasilj einen Arnautovic-Kopfball an die Latte ab, beim Abpraller stand Gregoritsch richtig, beförderte ihn mit links über die Linie (Bild). Das 23. Tor des 31jährigen Grazers nan seinem 72. Lädnerspiel war sicher ds wichtugste in seiner Karriere. Weil er damit Österreich zur WM brachte nach für ihn schweren Wochen bei Bröndby Kopenhagen als Reservist. Mit seinem Tor gewann er auch das interne Bröndby-Duell gegen den bosnischen Mittelfeldspieler Benjamin Tahirovic.

Das Unentschieden, das reichte, spiele Österreich souverän heim, kam auch in der vierminütigen Nachspielzeit nicht mehr in Gefahr. Am Ende war der Jubel groß. Josef Pröll, der Aufsichtsratsvorsitzende des ÖFB, gab zu, dass es in seinen vielen Jahren in der Politik nie so emotionell war wie an diesem Abend. Apropos Politik: Selten sah man so viele Regierungsmitglieder auf der Tribüne wie beim Zittern um das WM-Ticket. Rangnick wertete alles als Lohn für die ganze Arbeit einer extrem verschworenen Gemeinschaft. Auffällig, wie  David Alaba aufgeregt in den Schlussminuten aus der Coaching Zone dirigierte. Jetzt fährt er im „Herbst“ einer Superkarriere mit bisher 34 Titel noch zur Weltmeisterschaft. Um dort Geschichte zu schreiben, wie es auf einem Transparent vor dem Fansektor nach dem Spiel stand, muss aber noch einiges besser werden.

Auch  die ÖFB-Marketingabteilung zeichnete sich mit dem Spruch in englischer Sprache, der auf den für die Ehrenrunde verteilten weißen WM-T-Shirts stand, nicht wirklich aus: „Excited about playing together“: Schön, dass es aufregend ist; gemeinsam zu spielen. Die Devise  „Frankreich wir kommen“ war 1997 schon treffender und auch etwas mitreißender. Außer Österreich schafften Dienstag auch Spanien, Belgien, Schottland (4:2 gegen Dänemark in Glasgow) und die Schweiz (1:1 in Pristina gegen Kosovo) das WM-Ticket. Das Team von Österreichs Ex-Teamchef Franco Foda ist aber im Play-off, das der Kosovo zuvor noch nie erreichte.

Foto: Reuters/Lisa Leutner.

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