Es bedeutet sicher keine Schande, im Sechzehntelfinale der WM am regierenden Europameister Spanien zu scheitern. Das ist aber auch kein Grund, stolz auf die WM-Leistungen zu sein, sie schönzureden. Es war nämlich kein wirklich gutes Spiel dabei. Es stimmt schon, auch Deutschland, Holland oder Kroatien mussten Abschied nehmen, Deutschland und Holland gegen schwächere Gegner als Spanien. Aber das macht Österreichs Darbietung nicht besser. Kroatien wäre gegen Portugal fast die Nachahmung des österreichischen WM-Highlights, in der vierten Minute der Nachspielzeit ein Tor zu kassieren und danach noch auszugleichen, so wie Sasa Kalajdzic gegen Algerien, gelungen. Portugal ging in Toronto in der vierten Minute der Nachspielzeit, die insgesamt 20 Minuten dauerte, durch Joker Goncalo Ramos in Führung. In der 13. Minute traf Innenverteidiger Josko Gvardiol zum 2:2, aber das zählte nicht. Weil der VAR eine knappe Abseitsstellung von Joker Mario Pasalic nachwies.
Anders als Deutschland und Österreich kam die Schweiz ins Achtelfinale. ist daher das einzig deutschsprachige Land, das noch bei der WM vertreten ist. Die Schweiz konnte anders als Österreich Algerien in der regulären Spielzeit bezwingen, kam in Vancouver beim 2:0 (1:0), dem ersten Schweizer WM-Sieg bei einem k.o.-Spiel seit 88 (!) Jahren, seit 1938, nie in Schwierigkeiten, hat auch Chancen, Dienstag am gleichen Ort gegen den Sieger aus Kolumbien-Ghana das Viertelfinale zu erreichen. Es war ein Sieg für Teamchef Murat Yakin über seinen Vorgänger Vlado Petkovic. Was macht die Schweiz bei der WM eigentlich besser als der Nachbar Österreich?
Sie hat mit Johan Manzambi (SC Freiburg), Breel Embolo (Stade Rennes), Dan Ndoye (Nottingham) und auch Ruben Vargas vom FC Sevilla eindeutig bessere und torgefährlichere Offensivspieler, ist besser im Spiel mit dem Ball. Gegen Algerien bereitete Manzambi das frühe Führungstor von Embolo perfekt vor (Bild), nach nur 46 Sekunden der zweiten Hälfte traf Ndoye. Es sind mehr Spieler als bei Österreich für Tore gut. Zum letzten Mal erreichte die Schweiz 1954 im eigenen Land das WM-Viertelfinale, verlor dann aber die „Hitzeschlacht“ von Lausanne gegen Österreich 5:7.
Einen pointierten Beitrag zur Stürmerfrage in Österreich lieferte am Freitag ORF-Experte Andreas Herzog, als er meinte: „Bei uns wird ständig über einen Stadionbau geredet, man sollte sich viel mehr Gedanken über den Bau von Stürmern machen, damit wir Spiele gewinnen und das Stadion füllen“. Das kann man durchaus als kleine Spitze gegen Teamchef Ralf Rangnick sehen, der seit Jahren für den Bau eines neuen Nationalstadions als Multifunktions-Arena eintritt.
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