Schwere Fehler pflastern nicht erst in dieser Saison den Weg des 35jährigen Schiedsrichters Manuel Schüttengruber. So auch beim 1:1 (1:0) zwischen Sturm Graz und Rapid, einem Unentschieden, das weder den Steirern noch den Hütteldorfern half. Der Vizemeister blieb erstmals unter Trainer Heiko Vogel vier Runden lang ohne Sieg, die enttäuschte Miene von Peter Zulj (oben) sagte alles. Rapid konnte auch das sechste Duell hintereinander gegen den Cupsieger nicht gewinnen. Immerhin verbesserte sich Grün-Weiß damit auf Rang fünf. Aber der Rückstand auf Meister Red Bull Salzburg, der nach der Enttäuschung vom Mittwoch Admira 3:1 (1:0) bezwang, damit den Frustabbau begann, in der sechsten Runde den sechsten Sieg feierte, beträgt schon neun Punkte. Auf Didi Kühbauers Sensationstruppe St.Pölten fünf, auf den LASK, der Wolfsberg 2:0 bezwang, vier.
Die Schüttengruber-Fehler passierten in der ersten Hälfte: Nur Gelb statt Rot für Rapids Kapitän Stefan Schwab nach einen schlimmen Tritt gegen Ex-Rapidler Lukas Grozurek. Da hatte Rapid noch Glück. Aber dann Pech, als Schüttengruber nach einem Foul von Max Hofmann an Ex-Rapidler Philipp Huspek außerhalb des Strafraums nach Rücksprache mit seinen Assistenten Stefan Kühr auf den Elferpunkt zeigt. Gäbe es auch in Österreich den Videobeweis, wäre es nie zur Ausführung bekommen. So hämmerte Zulj den Ball spektakulär unter die Latte. Dass sich Schüttengruber nachher bei Rapid entschuldigte, ehrt ihn zwar, macht aber die Sache nicht besser. Es war der erste Elfmeter gegen Rapid in diesem Kalenderjahr. Die letzten hatte es am 30. November 2017 im Allianz-Stadion gegeben. Zwei in den letzten 14 Minuten sorgten damals für eine 1:2-Heimpleite gegen Altach. Der Schiedsrichter hieß Schüttengruber. Der Linzer ist offenbar Rapids Elfmeterschreck.
Rapid, mit nur zwei Veränderungen gegenüber Bukarest (Max Hofmann für den angeschlagenen Mateo Barac, Veton Berisha für Andrij Ivan, der ihn nach der Pause ablöste) hatte die erste Chance im Spiel, als Schwab die Latte traf. Und die letzte,als Thomas Murg an der Reaktion von Sturms Tormann Jörg Siebenhandl scheiterte. Dazwischen traf Sturm kurz nach dem Elfergeschenk durch Huspek die Stange, vergab im Finish Innenverteidiger Lukas Spendlhofer den Matchball, als er Keeper Richard Strebinger überspielte, aber an Schwabs Rettungsaktion scheiterte. Die beste Tat des Rapid-Kapitäns, der da eigentlich nicht mehr am Rasen hätte sein dürfen. Der verdiente Ausgleich gelang Deni Alar nach Heber von Christoph Knasmüllner 15 Minuten vor Schluss. Er jubelte verhalten. Sein erstes Tor in Graz gegen Sturm bedeutete die richtige Antwort auf die Transparente und Sprechchöre unter der Gürtellinie gegen ihn.
Sprechchöre kamen nach Schlusspfiffe auch aus dem Rapid-Sektor. Die gute Woche für Grün-Weiß mit dem Aufstieg in die Gruppenphase der Europa League und Punkt in Graz änderte nichts an den „Gogo raus“-Rufen samt Transparent. Somit bleibt die Lage bei Rapid brisant. Die Fans trauen offenbar Djuricin nicht zu, für den ersten Titel seit zehn Jahren zu sorgen. Daher beziehen sie Stellung gegen ihn. Stärken aber damit Rapid-intern seine Position in der Chefetage. Daher wird Djuricin auch beim brisanten Derby gegen Austria am 16. September auf der Bank sitzen, was er auch mit einem Lächeln prophezeite. Im „Sky“-Interview, das er völlig richtig im Kabinengang gab. Nicht wie Kollege Vogel am „Sky“-Tisch vor dem Rapid-Sektor. Djuricin wertete anders als die Fans den Punkt nach dem Kraftakt vom Donnerstag, der Substanz kostete, als Beweis der guten Arbeit. Auch weil seine Mannschaft im Finish noch zusetzen konnte. Aber ein Superspiel, wie Vogel, behauptete, war es nicht. Rapids Hoffnung: In zwei Wochen könnte der serbische Stürmer Andrija Pavlovic ein Thema sein. Aber Max Hofmann verletzte sich gestern erneut.