Fußball

Hoffenheim auf Jagd nach Mini-Ort-Rekord: Asterix, Obelix, Nagelsmann

Vereine aus 117 Städten spielten seit 1992 in der Gruppenphase der Champions League. Istanbul ist mit 14,8 Millionen Einwohnern bisher die größte, die kleinste Urziceni aus Rumänien. Aber das könnte sich in den nächsten zwei Wochen ändern: Wenn nämlich Hoffenheim mit seinem 30jährigen Jungstar Julian Nagelsmann auf der Trainerbank gegen den berühmten FC Liverpool aus der 465.000 Einwohner-Hafenstadt mit dem 20 Jahre älteren Trainerstar Jürgen Klopp das Play-off übersteht. Hoffenheim in der Rolle des gallischen Dorfs von Asterix und Obelix, das Europa erobern will.

In Hoffenheim leben nur 3148 Menschen. Der Ort ist so klein, dass die Mannschaft im Nebenort Zuzenhausen trainiert und in der Kreisstadt Sinisheim, wohin Hoffenheim inzwischen eingemeindet wurde, spielt. Für die bisher spannendsten Spiele in der von Mäzen Dietmar Hopp und seinem SAP-Konzern ermöglichten Vereinsgeschichte muss das Stadion umgerüstet werden: Die Stehplätze fallen weg, fünf weitere Kamerapositionen müssen aufgebaut werden. Daher verringert sich Dienstag die Zuschauerzahl im Heimspiel  gegen Liverpool von 31.500 auf 26.000. Bisher war  Hoffenheim zu Auswärtsspielen mit Charter-Fliegern aus Mannheim unterwegs. Weil im Play-off für die Königsklasse aber Sponsoren und eine größere Delegation mitfliegen, ist der Flughafen Mannheim für größere Flugzeuge zu klein. Daher Abflug aus Baden-Baden.

Auch sportlich ließ sich Nagelsmann einiges einfallen. Etwa zusätzliche Bildschirme in der Kabine, auf denen pausenlos Spielzüge und Taktik-Anweisungen laufen. Eine Video-Wal, die am Trainingsplatz für Live-Schulungen aufgebaut war,  bezeichnete Nagelsmann trotz ihrer 18 Quadratmeter zu klein. Nun wird eine größere gesucht.  Hoffenheim, der Mini-Ort mit den unbegrenzten Möglichkeiten.

Das Duell gegen Liverpool sieht nach einer Pressing-Orgie aus, bei der Hoffenheims Österreicher Florian Grillitsch, Robert Zulj und Stefan Posch keinen Platz in der Startelf haben.  Beim 1:0-Cupsieg in Erfurt zählte Samstag nur der Jüngste des „Ösi“-Trios, Defensivspieler Posch, zum Kader. Nagelsmann und Klopp haben eine ähnliche Fußballphilosophie. Ein Star von Liverpool hat eine Hoffenheim-Vergangenheit: Der brasilianische Torjäger Firmino. „Ich weiß aus Liverpool, dass sie keine Luftsprünge machen, weil sie gegen Hoffenheim spielen“, sagt Nagelsmann. Mit Klopp schreibt er sich hin und wieder private Whats App-Nachrichten, fachlich tauschen sie sich selten aus.

Für Klopp verlief der Start in die Premier League nicht gut, sein 100. Pflichtspiel als Liverpool-Trainer entwickelte sich am Ende zum Flop. Weil bei Watford, wo Sebastian Prödl auf der Bank sass, nach 0:1 und 1:2-Rückstand bis zur 55. Minute in der Nachspielzeit der Ausgleich zum 3:3 kassiert wurde. Durch ein klares Abseitstor: „Es gibt Dinge, an denen wir arbeiten müssen“, gestand Klopp. In der Defensive, in der auch der belgische Tormann Simon Mignolet wieder einmal nicht überzeugend wirkte.

Aber der größer Ärger für Klopp passt zu diesem Sommer mit seinem Transfer-Wahnsinn: Der brasilianische Topstar Coutinho, letzte Saison mit 13 Toren und sieben Assists Klopps bester Offensiv-Mann, weigert sich zu trainieren. Spricht von Rückenbeschwerden. Die dem 25jährigen plötzlich einschossen, als ihm Liverpools US-Besitzer Fenway Sports die Freigabe für den FC Barcelona trotz eines 100 Millionen-Angebots verweigerten. Jetzt wird  Coutinho auch Dienstag fehlen. Denn spielt er in Hoffenheim, könnte er in der Gruppenphase nicht mehr für Barcelona aktiv werden. Was Klopp mächtig stört, freut Nagelsmann bei seiner Jagd auf den Mini-Ort-Rekord.

278 Kilometer von Hoffenheim entfernt wird es Dienstag in der 130.000 -Einwohnerstadt Bern  am Kunstrasen des Stade de Suisse für Österreichs Trainerlegionär Adi Hütter Ernst: Die Youngs Boys müssen daheim gegen ZSKA Moskau vorlegen, wenn sie sich den Traum, erstmals in die Champions League zu kommen, erfüllen wollen. Hütter hofft auf die heilende Wirkung des 0:4-Debakels gegen Thun: „Vielleicht war das die Ohrfeige zur rechten Zeit.“

 

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