Fußball

Hütter über Superstürmer, Hinteregger, Prödl, Lindner und Erwartungen

Adi Hütter bei seiner zweiten Saison mit Eintracht Frankfurt  in Oberösterreich auf Trainingslager: Über 20 Journalisten sind dem Semifinalisten der Europa League nach Windischgarsten gefolgt. 3000 Zuschauer lockte das lockere Testspiel am Sonntag beim FC Wels an. Auch Hütter Tochter Celina kam zum 7:0, bei dem der Herr Papa mit zwei Ausnahmen nur Spieler der zweiten Garnitur einsetzte. Kein Wunder, Donnerstag steht das mit 51.000 Zuschauern ausverkaufte Heimspiel in der Qualifikation zur Europa League gegen Flora Tallinn an, für das der Aufwand groß ist: Mittwoch fliegt der ganze Eintracht-Tross von Linz nach Frankfurt, Donnerstag geht es nach dem Spiel sofort zum Flughafen nach Mannheim, der kein Nachtflugverbot hat. Von dort mit einem Charter nach Linz, dann bis Sonntag weiter in Windischgarsten.

„Alle Heimspiele im Europacup sind schon ausverkauft. Egal, wie weit wir kommen“, erzählt Hütter zufrieden über die positive Stimmung, die in Frankfurt nach seiner ersten Erfolgssaison herrscht. 200 Fans ließen es sich auch nicht nehmen, mit nach Windischgarsten zu kommen. Teilweise wohnen sie wie die Mannschaft im Hotel „Dilly“. Wäre in Österreich bei vielen Klubs undenkbar, die Fans während des Trainingslagers ins Quartier zu lassen. Hütter freut sich über fast jeden Besuch. Auch über den des Slowenen Milan Miklavic, der in Hütters Saison beim GAK (1992/93) sein Trainer  war. Der fasziniert zuschaue, die Hütter 27 Jahre später eine Mannschaft trainiert.

„Übungen gibt´s unzählige“, meinte Hütter, „man  muss nur wissen, was man damit bezweckt.“ Bei ihm ist alles auf Pressing ausgerichtet. Übungsformen auf engstem Raum, intensiv. Hütter geht es darum, Stresssituationen zu schaffen, die während des Spiels in dieser Form vielleicht gar nicht so vorkommen. Aber dadurch gibt es dann im Ernstfall, mehr Ruhe am Ball, wenn mehr Zeit und Raum vorhanden ist wie im Training. Am Rande des Platzes unterhalb des Hotels „Dilly“ notierte ein interessierter  österreichischer Ex-Teamspieler alles genau mit: Daniel Beichler, der schon mit 28 die Karriere wegen latenter Knieprobleme beenden musste, jetzt mit 30 an den Einstieg ins Trainergeschäft denkt.

Hütter nimmt sich zwischen Training und Mittagessen Zeit, über die gestiegenen Erwartungen in Frankfurt zu reden, über die aktuelle personelle Situation: „Dass ich einige Male  zum Trainer der Saison gewählt wurde,ist schon Vergangenheit. Das bringt mir jetzt nichts mehr. Vielleicht nur die Gewissheit, gezeigt zu haben, dass ich in Deutschland nicht nur Eintracht Frankfurt trainieren könnte.“ Mit Tormann Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Sebastian Rode, Luka Jovic und Sebastien Haller verlor er fünf Stützen der Erfolgstruppe, Rode bekam er zu seiner Freunde letzten Freitag wieder zurück: „Im Mittelfeld sind wir sogar besser besetzt“, glaubt er. Auch wenn Frankfurts Rekordkauf, Djibril Sow, von Hütter Ex-Klub Young Boys Bern noch sechs Wochen lang verletzt nicht zur Verfügung steht. In der Abwehr und im Angriff muss noch nachjustiert werden: “ Statt Jovic und Haller bräuchten wir schon noch zwei Klassestürmer.  Aber jetzt brauchen wir mal Ruhe und Geduld.“

Die täglich wechselnden Gerüchte, vom Comeback von Kevin Prince Boateng, von angeblichen Kontakten zum 36jährigen Ex-Bayern-Star Franck Ribery, will er gar nicht kommentieren. Nur wenn es die Landsleute betrifft, dann redet er etwas konkreter. Hinteregger fix zu bekommen, das wäre schon eine Notwendigkeit. Die von Augsburg geforderten 15 Millionen Euro Ablöse empfindet auch er als zu hoch. Anderseits sieht er „Hinti“ um nichts schlechter als Frankreichs Weltmeister Benjamin Pavard, für den Bayern München an den VfB Stuttgart 35 Millionen bezahlte. Eine Alternative zu Hinteregger? Auch Hütter hat davon gehört, dass Sportvorstand Fredy Bobic, mit dem es täglich Besprechungen gibt, von der Möglichkeit weiß, einen anderen Österreicher auf Hintereggers Position zu holen: Sebastian Prödl wäre von Watford sicher loszueisen, obwohl er Samstag beim 1:0 im Test bei den Queens Park Rangers fast überraschend von Beginn an eine Stunde lang als Chef der Dreierabwehr spielte und das gut. „Hinteregger ist meine klare Nummer eins. Er kennt uns, das wäre ein Riesenvorteil. Ich hoffe, da tut sich etwas.“ Vorerst bilden zwei Routiniers, der Argentinier David Abraham (33), der Japaner Makoto Hasebe (35) und der 18jährige Franzose Evan Ndicka die Dreierabwehr. Im Tor spielt momentan die Nummer drei in Hütters Wunschliste hinter Trapp und dem derzeit verletzten Dänen Frederik Rönnow, Felix Wiedwald. Ob es für Österreichs Teamtormann Heinz Lindner wirklich eine Chance auf die Rückkehr nach zwei Saisonen bei Grasshoppers gibt? “ Er hat gute Kontakte zu unserem Tormanntrainer Manfred Petz. Der spricht positiv über ihn.“ Da könnte sich etwas ergeben, falls Trapp wirklich bei Paris St.Germain bleiben muss, von wo er ausgeliehen war.

Wieder mit Trapp und Hinteregger, dazu zwei Klassestürmer – das wären Hütters Wunschvorstellungen für seine zweite Saison: „Es geht darum, uns weiter zu entwickeln, die Leute weiter zu begeistern. Ich bin ehrgeizig, bleibe aber auch demütig.“ Vor einem Jahre wäre die Situation zweieinhalb Wochen vor dem Saisonstart in der Bundesliga, nicht so gut wie jetzt gewesen: „Ich weiß, mein zweites Jahr ist sehr wichtig und entscheidend.“ Dem sieht er aber unaufgeregt entgegen. Als einer, der weiß, was er kann.  Und den es daher nicht stört, dass er sich selbst die Latte kaum höher hätte legen können.

 

Foto: Roland Schopper.

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