Fußball

In jeder Hinsicht ein Vorbild: Kapitän Kainz hört auf

Vor 15 Jahren wurde Florian Kainz mit Sturm Graz Meister! Seit damals spielte er bis zu seinem Karriereende mit 33 im Sommer, das er Mittwoch verkündete, nur noch bei drei anderen Klubs: von 2014 bis 2016 bei Rapid, danach bei Werder Bremen, ab 2019 beim 1. FC Köln. Für Rapid war er einer der lukrativsten Transfers: Für nur 350.000 Euro, für aktuelle Verhältnisse ein Schnäppchen, geholt, für 3,5 Millionen verkauft. Die Rapid-Zeit mit 84 Spielen, 15 Toren und 29 Assists unter Trainer Zoran Barisic war vielleicht die beste seiner Karriere, in die fiel auch sein Teamdebüt. 28 Länderspiele stehen auf seiner sportlichen Visitenkarte. Das letzte bestritt er vor zwei Jahren beim 1:0 gegen die Schweiz in St. Gallen, dem letzten Test bei der Europameisterschaft. Bei der er zwar im Kader war, aber nicht zum Einsatz kam. Typisch für Kainz: In seiner ganzen erfolgreichen Karriere hatte er mit Walter Künzel nur einen Berater. Eine schriftliche Vereinbarung brauchten der Steirer und der Wiener nicht. Kainz steht auch für Aufrichtigkeit und Loyalität.

Das Pech für Kainz waren die unruhigen Zeiten bei Werder Bremen, als er von den Grün-Weißen in Wien zu den in Norddeutschland wechselte: Damals gab es in zweieinhalb Jahren drei Trainer. Im Winter 2019 wechselte er zum 1. FC Köln, der damals in der zweiten Liga war. Führte den Traditionsklub gemeinsam mit Louis Schaub, mit dem er schon bei Rapid zusammengespielt hatte, zum Aufstieg. War 2021 in den Relegationsspielen bei Holstein Kiel der entscheidende Mann. Daheim hatte Köln 0:1 verloren, auswärts gelang durch einen 4:1-Sieg, bei dem Kainz herausragend spielte, der Klassenerhalt. 2023 wurde er als Nachfolger des deutschen Teamspielers Jonas Hector Kapitän. Der jetzige Sportchef der Kölner, Thomas Kessler, war noch sein Mitspieler, lobt Kainz: „Herausragend nicht nur als Spieler, auch als Mensch!“ Kölns Jungstar Said el Mala sagt nur ein Wort über Kainz: „Legende!“

Bei Köln wurde aus dem auffälligen Spieler an der linken Außenbahn, der in 202 Partien 28 Tore erzielte, 41 Assists leistete und viele Offensivaktionen einleitete, einer im zentralen Mittelfeld. Er war nach dem Aufstieg auch wieder beim Abstieg dabei, aber auch vergangene Saison beim Aufstieg als Zweitliga-Meister. Als im Finish die Trainerlegende Friedhelm Funkel das Sagen hatte, war Kainz sein verlängerter Arm, die Zentralfigur. Der aktuelle Trainer, Lukas Kwasniok, betont zwar, wie wichtig Kainz für die Mannschaft ist, setzt ihn aber nur selten ein: Zweimal in der Startelf, elfmal eingewechselt. Zum Karrierende hat Kainz nur einen Wunsch, bevor er mit Frau Nadine und zwei Söhnen nach Graz zurückkehrt: Den Klassenerhalt schaffen. Als Vierzehnter ist Köln vor den letzten neun Runden punktgleich mit St. Pauli am Relegationsplatz, vier Punkte vor dem Abstiegsplatz.

Foto: AP.

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