Fußball

Kroatiens Geheimnis: „Wir sind alle große Kämpfer!“

England steht Kopf. Vor dem Buckingham-Palace spielten bereits die königlichen Musiker das „Football coming home“. Das erste WM-Endspiel seit 1966 würde die Begeisterung noch ins unermessliche steigern. „19,9 Millionen sahen vor den TV-Schirmen das 2:0 im Viertelfinale gegen England, nach dem „The Sun“ auf Seite eins mit der Schlagzeile „unsere Zeit ist gekommen“ erschien. Mittwoch Abend werden es beim Semifinale gegen Kroatien noch mehr sein. Die englischen Hoffnungen: Die Kroaten sind nach zweimal Verlängerung gegen Dänemark und Russland nicht mehr so frisch wie in der Vorrunde, sondern eher platt, einige wie Mario Mandzukic gingen bereits Samstag am Ende nur noch am Zahnfleisch. „Wir spüren die Euphorie in der Heimat, sie gibt uns viel Kraft“, meinte der bescheidene Kapitän und Goalgetter Harry Kane.

Teamchef Gareth Southgate entwickelte sich von der Notlösung zum Glücksfall. Der 47jährige wurde im September 2016 nur von der U21 zu den Three Lions befördert, weil Sam Allardyce nach dem ersten Spiel in der WM-Qualifikation, dem 1:0 gegen die Slowakei in Trnava gehen musste. In einem fingierten Interview war er in die Falle gegangen, hatte über Spieler hergezogen und einem dubiosen Deal zugestimmt. Jetzt ist Southgate Kult in England. Seine blaue Anzugsweste wurde auf der Insel zum Verkaufshit: „Da kann man sehen, was im Leben alles möglich ist“, bemerkte Southgate  lächelnd. Denn er ist alles andere als eine Mode-Ikone.

Aber die Engländer tun gut daran, den kroatischen Kampfgeist vor dem Duell im Moskauer Luschniki-Stadion nicht zu unterschätzen. Sie haben einmal den langen Schatten der  WM 1998 abgelegt, erstmals seit 20 Jahren die Vorrunde überstanden, Und jetzt trauen sie sich zu, mehr als damals ihr nunmehrigen Verbandschef, der frühere Torjäger Davor Suker mit Platz drei zu erreichen. Nämlich das Endspiel,  Dabei herrschte im letzten Herbst noch das Chaos. Drei Tage vor dem letzten Qualfikationsspiel in der Ukraine feuerte Suker Teamchef Ante Cacic, ersetzte ihn durch den international unbekannten Zlatko Dedic. Der rettete das Team als Zweiter hinter Island noch ins Play-off und über Griechenland zur WM. Als Co-Trainer stieß der 104fache  Teamstürmer Ivica Olic zur Mannschaft, der früher in Deutschland sich für den  Hamburger SV, von Bayern München und Wolfsburg förmlich zerrissen hatte. Jetzt brennt er an der Seitenlinie bei der WM. Für viele der entscheidende Faktor. Denn Olic kommt an die ehemaligen Mitspieler aus zwölf Jahren zwischen 2002 und 2014  wie etwa Luka Modric oder Mandzukic sehr gut ran: „Im Oktober war die Stimmung gar nicht gut. Wir veränderten nur Kleinigkeiten wie mit Ivan Rakitic, der eine defensivere Rolle bekam“, erzählte Olic, „vor der WM war dennoch die Frage, ob wir als Mannschaft auftreten können. Es ist gelungen.“ Auch weil Dedic und er gnadenlos durchgriffen. Als Milan-Stürmer Nikola Kalinic  beim 2:0 im ersten Spiel gegen Nigeria die Einwechslung verweigerte, flog er aus dem WM-Kader. Die klare Botschaft hieß: Keiner ist größer als das Team!

Die Kroaten haben viele Spieler im Kader, die bei Spitzenklubs absolute Führungsspieler sind, Modric bei Real Madrid Rakitic bei Barcelona, Mandzukic bei Juventus. Das hilft. Modric und Mandzukic wissen, dass sie mit 31 und 32 Jahren bereits in einem Alter sind, in dem sich noch eine WM wahrscheinlich nicht mehr ausgehen wird. Barcelona-Star Rakitic sagt über Modric sogar: „Er bedeutet für Kroatien das, was Lionel Messi für Barcelona bedeutet. Wir hören alle auf seine Kommandos.“ Dazu kommt, dass der Sport einfach die Leidenschaft der Kroaten ist, egal ob Fußball, Handball, Tennis, Basketball, Skifahren: „Wir sind alles große Kämpfer, arbeiten verdammt hart. Wir brauchen den Sport auch, um viele Misstände ausblenden zu können“, behauptet Olic.  Die fehlende Infrastruktur im Sport, die fehlende Unterstützung durch die Regierung. Die Weltmeisterschaft bietet die Chance, für die Zukunft etwa zu verbessern. Die Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic jubelte im Achtel und Viertelfinale schon it der Mannschaft in der Kabine. Mittwoch Abend zu dritten Mal? „Keiner darf einen schlechten Tag haben“, weiß Olic, „diese Generation ist bereit“ Um das Land stolz zu machen. England muss aufpassen! Sonst jubelt Kroatien wie letzten Samstag in Sotschi (Bild) auch im Luschniki-Stadion. 

 

 

Foto: © FIFA.com (Getty Images).

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