Fußball

LASK-Boss Gruber und einfach zum Nachdenken über Boateng

Mit solchen Reaktionen zum Wechsel von Jerome Boateng zum LASK hat Geschäftsführer Siegmund Gruber offenbar nicht gerechnet. In denen war nicht von einem Transfercoup die Rede, sondern eher vom Gegenteil. Also begann Gruber mit einer Gegenoffensive. Bezeichnete alle Spekulationen, wonach Trainer Thomas Darazs dem neuen Abwehrchef neben Kapitän Philipp Ziereis skeptisch gegenüberstand, als reine Erfindung. Das Gegenteil wird nicht zu beweisen sein. Darazs wird sich hüten, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Zudem verschickte Gruber einen Artikel des deutschen Magazins „Spiegel“ mit dem Titel „Darf Jerome Boateng noch Fußball spielen?“ Die Aufforderung von Gruber dazu: Einfach zum Nachdenken.

Der Jurist Thomas Fischer schrieb am 8. Oktober letzten Jahres in einer Kolumne über eine für ihn markerschütternde Diskussion, ob Boateng eventuell gestattet werden dürfte, einen Aushilfsvertrag bei Bayern München abzuschließen oder ob der Chefetage des damals noch regierenden deutschen Meisters dies aus menschenrechtlichen, katholischen, kriminologischen oder philosophischen Gründen zu untersagen ist. Für Fischer war die Aufhebung des Urteils gegen Boateng wegen Körperverletzung und Beleidigung einer früheren Lebensgefährtin und die Zurückweisung an eine andere Berufungskammer des Landesgerichts ein normaler Verfahrensgang. Der bedeutet, dass sich das Verfahren wieder im Stadium der Beurteilung befindet. Es sei vom Revisionsgericht keine Tatsachenfeststellung aufrechterhalten worden, die Sache sei daher vollständig offen. Gegen ein neues Urteil wäre wieder das Rechtsmittel der Revision zulässig. Und überdies steht zu lesen: „Viele Berufe darf man nicht mehr ausüben, wenn man wegen bestimmter Straftaten rechtskräftig verurteilt ist. Der des Berufsfußballspielers gehört nicht dazu!“ Und in weiterer Folge: „Ein Innenverteidiger bei einem Erstligaverein wird gewiss dafür bezahlt, ein Vorbild an Spielübersicht zu sein, schwerlich aber für vorbildhaft sozialadäquates Verhalten im Privatleben. Die Vorbildfunktion wird ihm gegen seinen Willen und von außen aufgezwungen, weil er berühmt, reich oder stark ist.“ Dann folgt der Angriff auf die Kritiker: „Sie meinen ersichtlich, über ihre eigene Vorbildfunktion und die daraus folgende Moral könnten sie selbst bestimmen. Wäre das so, müsste es aber wohl auch Herr Boateng dürfen.“ Und dann bezeichnet der Jurist den  „Fall Boateng“ als ein Wunderwerk der Irrationalität. Die Schlussfolgerung: „Dass es Boateng moralisch untersagt sein könnte, seinen Beruf auszuüben oder dem Fußballfreund unzumutbar sein könnte, Boateng dabei zuzusehen, wäre auch nach einer Verurteilung fernliegend. Vorher ist es schlicht abwegig.“

Eine Juristenmeinung, die Gruber sicher gefällt. Weshalb er sie auch zum Nachdenken verschickt, ob sein Handeln zu begründen. Laut Didi Hamann, des Sky-Experten mit Bayern-Hintergrund, hab es deshalb kein Comeback von Boateng zwei Jahre nach seiner Verabschiedung in allen Ehren (Bild) gegeben, weil es zu einem Beben in der Fanszene kam. Von Beben in der LASK-Fanszene ließ sich Gruber bisher eigentlich nie wirklich bremsen. Großteils aus nachvollziehbaren Gründen. Bei Boateng heißt es: Zuerst gilt die Unschuldsvermutung, abwarten, was der Prozess bringt. Die Schlagzeilen nimmt der LASK-Geschäftsführer in Kauf. Weil Gruber fest daran glaubt, dass der 35 jährige eine sportliche Verstärkung bedeutet. Wer das bezweifelt, muss nicht falsch liegen.

 

 

Foto: DPA.

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