Fußball

Laut Reformplan wäre Salzburg nicht in Champions League

Zum Unterschied vom letzten Spiel zwischen Österreich und Slowenien im März 2018 sass UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin nicht auf der Tribüne des Klagenfurter Wörtherseestadions. Obwohl für den Slowenen der Weg über die Grenze wirklich nicht weit gewesen wäre. Aber Ceferin hatte andere Prioritäten. Er flog vom Kongress des Weltverbands FIFA in Paris, auf dem der Schweizer Präsident Gianni Infantino per Akklamation wiedergewählt wurde, nach Porto. Das erste Finalturnier der Nations League, in dem Sonntag Abend Portugal und Holland im Endspiel aufeinandertreffen werden, erfordert Ceferins Anwesenheit. Und überdies gab es Bedarf für Gespräche hinter den Kulissen. Denn er bekam mit, dass sich die kritischen Stimmen gegen die geplante Reform der Champions League ab 2024, wonach eigentlich nur für vier Mannschaften aus den nationalen Ligen  es möglich wäre, in die Königsklasse mit 32 Klubs zu kommen, häuften. Infantino verpackte dies in seiner Ankündigung, sich um mehr Chancengleichheit im Weltfußball kümmern zu wollen: „Das große Geld konzentriert sich in zehn Klubs aus fünf Ligen in Europa. Und nur zehn Nationalteams können Weltmeister werden, fast alle kommen aus Europa.“

Seit die Pläne der European Club Association unter Andrea Agnelli, der eine sehr guten Kontakt zu Ceferin hat, zur Neugestaltung der Champions League durchsickerten, machten sich einige die Mühe, auszuarbeiten, welche Konsequenzen dies für die derzeitige Situation hätte. Es könnte der kuriose Fall eintreffen, dass der deutsche Vizemeister keine Chance hätte, in die Champions League zu kommen, wenn er nicht zu den fünf deutschen Klubs gehörte, die in der abgelaufenen Saison mitspielten und erfolgreich waren. Konkret würde dies heißen: Falls beispielsweise Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig, Leverkusen und Mönchengladbach via den  vier Achtergruppen in die k.o.-Phase kamen, könnte Adi Hütters Eintracht Frankfurt als Zweiter nicht hinein kommen. Undenkbar. Auch für Österreich  hätte die Reform ganz schlechte Auswirkungen: Denn nach dem Reform-Muster wäre Meister Red Bull Salzburg nicht in der Champions League.

Verständlich dass der Protest der europäischen Ligen unter ihrem schwedischen Präsidenten Lars  Christer Olsson und dem österreichischen Generalsekretär Georg Pangl eine immer breitere Zustimmung bekommt. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron äußerte sich rund um den FIFA-Kongress in Paris sehr kritisch, was Ceferin empörte. Mit David Gill kündigte der ehemalige Boss von Manchester United, der jetzt zum Exekutivkomitee der UEFA gehört, Widerstand gegen die Reformpläne an. Also bat Ceferin am Tag von Infantinos Wiederwahl in Briefen an Agnelli und Olsson zu einen breiten Gipfel über dieses Thema am 11.September in die UEFA-Zentrale. Breiter Gipfel heißt, es treffen das Exekutivkomitee der UEFA, der Board der Club Association, der auf 24 Mitglieder vergrößert wurde, und der europäischen Ligen in Nyon zusammen. Das könnten an die 60 Teilnehmer werden. Das sieht nach Alibi-Veranstaltung aus. Denn konkret wird dabei wenig herauskommen.

Agnelli bekam Freitag und Samstag beim zweitägigen Treffen der European Club Association in Maltas Hauptstadt La Valletta den Unmut zahlreicher Vereine über sein Konzept zu hören. Unter anderem von Schalke, allen Vereinen von Englands Premier League, mit Ausnahme von Real Madrid und Barcelona von allen spanischen ECA-Mitgliedern, von Lazio Rom, St. Etienne, Monaco, Bordeaux und dem FC Basel. Agnelli meinte auf der abschließenden Pressekonferenz, dass nichts in Stein gemeißelt sei.

Foto: UEFA.com.

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