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Letzte Chance für Milletich? Beim ÖFB-Präsidenten geht es um mehr als Inserate

Donnerstag um 11 Uhr beginnt die Tagung des ÖFB-Präsidium im Courtyard by Marriott Hotel im Wiener Prater bei der Messe.  Dort trat das Gremium schon mehrmals zusammen. Diesmal ist es aber ein außergewöhnlicher Anlass.  Präsident Gerhard Milletich (Bild oben) berief sozusagen in eigener Sache die Sitzung ein. Es geht um die Vorwürfe gegen ihn, er habe das Amt dazu benutzt, um Inseratengeschäfte für seinen Verband abzuschließen. Er dementierte, sprach von langjährigen Partner, kündigte an, den „Kurier“ zu klagen, der dies sehr bestimmt behauptet hatte. Mit einer Klage wäre die Sache vielleicht vom Tisch gewesen, aber die brachte er bisher nicht ein.  Wenn man will, kann man das als Schuldbekenntnis werten. Anderseits: Es steht nirgends geschrieben, dass der ÖFB-Präsident nicht weiter seinen Beruf ausüben darf.

„Es muss erlaubt sein, mitunter ungeschickt zu agieren“. Diesen Satz in Richtung Milletich sagte einer seiner schärfsten Kritiker, Vizepräsident Gerhard Götschhofer, seit neun Jahren an der Spitze von Oberösterreichs Landesverband.  Wie Milletich auf einen Brief von ihm in einem Telefonat reagierte, war für den Rechtsanwalt Grund genug, Aktivitäten zu setzen. Er lud das Präsidium für 2. Dezember zu einem informellen Treffen nach Linz ein, worauf Milletich mit der außerordentlichen Präsidiumssitzung reagierte. Auf der Götschhofer dem Vernehmen nach bisher unbekannte Beweise präsentieren wird, die dazu führen könnten, dass sich die Zahl von Milletichs Gegnern vergrößert, es nicht nur bei den bisherigen drei aus Oberösterreich, Salzburg (Herbert Hübel) und Tirol (Sepp Geisler) bleibt.

In Wahrheit geht es nicht um die Inserate, sondern um viel mehr. Das erklärte Götschhofer in den letzten Tagen dezidiert gegenüber dem „Kurier“. Ihn stört auch oder vor allem die Art, mit der der hemdsärmelige Milletich bisher mit Kollegen im Präsidium und einem Teil der ÖFB-Angestellten umging. Götschhofer warf Milletich vor, autokratisch zu agieren, beratungs- und kritikresistent zu sein, auf diese Art für Gruppenbildung und Spaltung zu sorgen. Die Sitzung sieht Götschhofer als letzte Chance, dies alles aufzuarbeiten. Bleibt die Frage, ob Milletich wirklich daran interessiert ist oder weiter glaubt, seinen Weg mit der Unterstützung der Landesverbandspräsidenten aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, Steiermark, Kärnten und Vorarlberg so weiter gehen zu können. Die Bundesliga hat sich bisher nicht klar positioniert. Das kommt wenig überraschend.

Acht Tage später trifft sich das Präsidium wieder. Dann soll eigentlich der Bau des Trainingszentrums in Aspern beschlossen werden. Wer glaubt, dass dann eine notwendige Sache nicht mit persönlichen Animositäten „vermischt“ werden wird, geht an der Realität vorbei. Außer es gibt Donnerstag, am Feiertag Maria Empfängnis, ein ÖFB-Wunder. Nur dann könnte Milletichs Mission in Erfüllung gehen, dass im Juli 2023 mit dem Bau des Trainingszentrums begonnen wird.

 

Foto: ORF TVThek.

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