Die österreichischen Fans machen sich seit Sonntag schon in Dallas bemerkbar. In der Stadt, in der ein verstorbener österreichischer Teamspieler noch immer Heldenstatus besitzt. „Wembley-Toni“ Fritsch ist noch immer ein Begriff, weil er in seiner zweiten Karriere im American Football mit den Dallas Cowboys die Super Bowl gewann. Damals gab es das Dallas-Stadium, in dem Österreich Montagabend sein erstes Bewerbspiel gegen Weltmeister Argentinien bestreitet. Ein „High-Noon“-Event mit Anpfiff um 12 Uhr mittags Texas-Zeit. Das ist ein zweistündiger Zeitunterschied zu Österreichs Basecamp in Santa Barbara. Aber auch die Argentinier müssen mit der für sie ungewöhnlichen Anstoßzeit leben.
Im klimatisierten Stadium, dem größten der WM, werden 70.000 Zuschauer erwartet. Das Dach der Arena ist geschlossen, daher gibt es angenehme Temperaturen statt extremer Hitze. Eine würdige Kulisse für das 100. Länderspiel von Marcel Sabitzer (Bild). Er ist der fünfte nach Andreas Herzog, Aleksandar Dragovic, David Alaba und Marko Arnautovic, der dies schafft, der Erste, der nicht in Wien geboren wurde: „Wir sind für den Weltmeister bereit, wollen gewinnen“, versicherte er. Keine Ehrfurcht vor großen Namen also, der Marktwert von Argentinien ist um 621,8 Millionen höher als der von Österreich: „Jetzt ist weniger Druck am Kessel als vor dem Startspiel“, glaubte Sabitzer. Teamchef Ralf Rangnick lobte Lionel Messi als besten Spieler, den es je gab: „Wir müssen taktisch auf hohem Niveau und mit viel Energie agieren, um zu zeigen, dass wir zu den besten Teams der Weltmeisterschaft gehören!“ Das wird seiner Meinung nach nur mit der besten Leistung seiner vierjährigen Aera gelingen: „Schon ein Unentschieden wäre eine Überraschung, die ich für möglich halte“, sagte Rangnick, „wir spielen against all odds“. Das heißt: Gegen alle Prognosen.
Beim Sonntag-Training in der Southern Methodist University in Dallas trainierte Ralf Rangnicks Kader in Vollbesetzung, also wird Rechtsverteidiger Stefan Posch sein erstes Länderspiel mit gebrochenem Kiefer und Spezialschiene bestreiten. Dennoch gibt es auch in der Vierabwehr Fragezeichen bei der Aufstellung: Beginnen wieder Philipp Lienhart und David Alaba im Zentrum? Vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft wechselte Rangnick nach jedem Spiel die Besetzung. Gegen Frankreich begannen Kevin Danso und Max Wöber, gegen Polen Gernot Trauner und Philipp Lienhart, gegen Holland Lienhart und Wöber, gegen die Türkei Danso und Lienhart. Einmal wurde Leopold Querfeld eingewechselt. Rangnick verriet Sonnag der Mannschaft die Aufstellung. danach dass es danach Einzelgespräche gab. Mit enttäuschten Spielern, die eigentlich davon ausgehen hätten können, zur Startelf zu gehören.
Die WM-News: Nach der Türkei und Haiti schied auch Tunesien mit der zweiten Niederlage, dem 0:4 (0:2) gegen Japan in Monterrey aus. Die Japaner sind als Gruppenzweiter hinter Holland voll im Aufstiegsrennen. Curacao erkämpfte sich in Kansas mit dem 0:0 gegen Ecuador nach dem 1:7-Startdebakel gegen Deutschland seinen historischen ersten WM-Punkt. Möglich machte es der 37-jährige Tormann Eloy Room, der beim FC Miami spielt, mit nicht weniger als 15 Paraden. Von Europameister Spanien kam nach der 0:0-Blamage gegen Kap Verde eine Reaktion – 4:0 (3:0) gegen Saudiarabien in Atlanta. Schon nach 24 Minuten stand es nach dem ersten WM-Tor von Jungstar Lamine Yamal und zwei Treffern von Mikel Oyarzabal 3:0. Belgien hingegen kam in Los Angeles gegen den Iran trotz 81 Prozent Ballbesitz bis zur Pause nur zu einem 0:0, spielte ab der 56. Minute mit zehn Mann, da Innenverteidiger Nathan Ngoy die rote Karte sah. Die bisherigen drei Spiele der Belgien-Gruppe endeten mit einem Unentschieden. Iran stellte mit einem Durchschnittsalter von 32,52 Jahren die älteste Startelf der WM-Geschichte.
Foto: Yiğit Örme.