Fußball

Mit Koller keine Qualität für eine Weltmeisterschaft

Zwei der drei Qualifikationen in der sechsjährigen Teamchefära von Marcel Koller hat Österreichs Fußballteam nicht geschafft. Beide für eine Weltmeisterschaft. Die zweite für 2018 in Russland noch klarer als die vor vier Jahren für Brasilien, als Rot-weiß-Rot in einer schwereren Gruppe (gegen Deutschland, Schweden und Irland) erst beim vorletzte Spiel in Stockholm scheiterte. Diesmal schon vor den letzten drei Partien durch das 0:1 von Cardiff gegen Wales. Fünf Punkte Rückstand auf den Play-off-Platz sind in drei Partien nur theoretisch aufzuholen, praktisch nicht. Daher gilt das gleich harte Urteil, das man in Holland nach dem 0:4-Debakel von Paris gegen Frankreich, schon am Donnerstag fällte, seit Samstag auch in der Alpenrepublik: Keine Qualität für eine Weltmeisterschaft! Und das seit 20 Jahren!

Seit der glorreichen Qualifikation für die EURO 2016 ging nichts mehr weiter. Koller sah dem zu lange zu, dann fiel ihm nichts ein, um das Ruder herumzureißen. Hielt stur an Dingen fest, die sich nicht bewährten. Etwa die zentrale Offensivrolle für David Alaba im Mittelfeld. Der dritte Versuch endete in Cardiff wieder ohne Sieg. Wie zuvor bei der EURO gegen Portugal und  Island. Aktuell hat Koller auch das verlassen, was jeder Trainer für Erfolge braucht: Das Spielglück. Ausser Österreich sind von den Endrundenteams in Frankreich nur Österreich-Bezwinger Ungarn, Tschechien, Rumänien und Albanien (allerdings gegen Spanien und Italien)  ähnlich gescheitert. Das muss ein Grund sein, wirklich alles im Fußballbund zu hinterfragen. Denn es wird auch fraglich sein, ob das derzeitige Budget zu halten ist. Keine Prämien von den Sponsoren für die Qualifikation, keine Einnahmen von einer Endrunde. Da wird man auf Rücklagen angewiesen sein.

„Ich weiß nicht, was uns in dieser Qualifikation verfolgt“ klagte Marko Arnautovic in Cardiff. Es ehrte ihn, dass er sich schuldig an der bitteren Niederlage fühlte, weil er vor der Pause die große Chance zur Führung vergab. Bei der zweiten wehrte Kapitän Ashley Williams im Finish seinen Schuss vor der Linie ab. Der hätte wegen eines Ellbogenchecks gegen Marcel Sabitzer gar nicht mehr am Platz sein dürfen. Aber Referee Ovidiu Hategan übersah die ausschlussreife Attacke. Gehörte auch zum fehlenden Spielglück.

Alles, was vor zwei Jahren in den siegreichen Partien gegen Schweden, Russland, Montenegro noch aufging, funktioniert nicht mehr. Die Frage nach den Gründen, warum in allen fünf Matches  gegen Irland, Wales und Serbien, die nicht gewonnen wurden, die vorhandenen Möglichkeiten, zu gewinnen, ungenützt blieben, kann keiner schlüssig beantworten. Es klappt halt nicht. Weder mit dem Tore schießen noch mit dem verhindern. Da muss Sebastian Prödl nach 25 Minuten verletzt raus. Koller brachte den 18jährigen Debütanten Kevin Danso, womit Aleksandar Dragovic im Abwehrzentrum von rechts nach links wechseln musste. Die Option, mit einem anderen Debütanten, dem Linksfuss Max Wöber, keine Position verändern zu müssen, ließ Koller ungenützt, weil der neue Ajax-Legionär zu Beginn der Woche mit den Adduktoren Probleme hatte. Und dann leitete ausgerechnet Debütant Danso durch eine Kerze mit dem schwächeren linken Fuß die Fehlerkette ein, die zum Goldtor führte. Das dem Waliser Debütanten, dem erst 17jährigen Ben Woodburn, seit 29. November 2016 der jüngste Torschütze des FC Liverpool in einem Pflichtspiel, mit seinem ersten Torschuss im Dress der roten Drachen gelang. War der für Heinz Lindner, der ansonst drei glänzende Aktionen hatte, wirklich unhaltbar?

Die Überraschung  in Cardiff folgte eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff. Durch Österreichs Jahrhundertfussballer Herbert Prohaska. Bei Kollers Bestellung einer der vielen Skeptiker, jetzt im Misserfolg als ORF-Experte Befürworter, die Ära des Schweizers zu prolongieren, weil man nicht alles auf den Kopf stellen sollte. Der Teamchef zeigte sich deutlich reservierter, empfand den Zeitpunkt, darüber zu reden, als zu früh. In der Woche nach dem  Georgien-Spiel  wird aber kein Weg mehr daran vorbei führen, verbandsintern darüber zu diskutieren. Von Koller hört man, dass er bei der Vorbereitung auf Cardiff einmal seinen Betreuerstab zusammenrief, um Klartext zu reden, was ihm derzeit so alles nicht passt.

Gegen Georgien ersetzt U21-Kapitän Philipp Lienhart den verletzten Prödl im Kader, ist auch Admiras Jungehemann Max Sax erstmals statt des an der Wade verletzten Marcel Sabitzer dabei. Es wäre nach dem Stand des Vorverkaufs (knapp 11.000) eine Überraschung, sollten Dienstag 20.000 Zuschauer ins Happel-Stadion kommen. Und im Oktober gegen Tabellenführer Serbien droht eine serbische Übermacht auf den Rängen. In der Woche nach dem Georgien-Spiel hat ÖFB-Präsident Leo Windtner einen Termin bei UEFA-Boss Aleksandr Ceferin in der Zentrale am Genfer  See. Worum es darum geht? Sicher nicht um die Teamcheffrage in Österreich,.

Die Windtner bis Oktober geklärt haben will, nach Zugeständnisssen, die er bei seiner Wiederwahl an die Landesverbandchefs machte, sicher nicht wie bei Koller im Alleingang mit Sportchef Willi Ruttensteiner lösen kann. Unzweifelhaft bleibt, dass es 2018 einen frischen Wind beim Nationalteam braucht. Ob das mit Koller möglich sein wird? Nach den Erfahrungen seit 2016 kann man nicht mehr daran glauben. Die Teamchefdiskusion ist daher eigentlich schon voll im Gang.

Über einen Österreicher wäre schon der Stab gebrochen worden. Vor sechs Jahren lief es nach der verpassten Qualifikation noch so: Für die letzten zwei Spiele in Aserbaidschan und Kasachstan übernahm Sportchef Ruttensteiner interimistisch von Didi Constantini, beim Freundschaftsspiel im November sass bereits der neue Teamchef, nämlich Koller, auf der Bank. Im November gibt es auch heuer nach einem Trainingslager in Südeuropa ein Freundschaftsspiel.

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