Fußball

Mit zehn Mann gelang Sturm Graz mehr als nur die „Schadensbegrenzung“

Der erste Heimsieg gegen eine italienische Mannschaft im Europacup blieb Sturm Graz zwar erneut verwehrt. Aber das 2:2 gegen Atalanta Bergamo nach schneller 1:0-Führung und 1:2-Pausenrückstand vor 15.000 Zuschauern zählte für Österreichs Tabellenführer wie ein Sieg. Das war mehr als nur Schadensbegrenzung. Weil der Ausgleich dezimiert, mit nur zehn Mann nach der unnötigen gelb-roten Karte von Kapitän Stefan Hierländer gelang.  Sturm spielte insgesamt 44 Minuten mit einem Mann weniger und holte dabei einen Rückstand auf. Das spricht für Mut, Wille und Leidenschaft, die für den ersten Punkteverlust von Tabellenführer Atalanta im dritten Gruppenspiel der Europa League sorgten.  Dadurch wahrte Sturm seine Mini-Chance auf Platz zwei, ist mit Sporting Lissabon punktgleich. Da die Portugiesen in Sosnowiec gegen Polens Meister Rakow Tschenstochau, bei dem Sturm 1:0 gewann, über ein 1:1 nicht hinauskam. Aber Sturm hat noch Auswärtsspiele in Bergamo und Lissabon. Eines müsste Sturm gewinnen, um Zweiter zu werden, in die k.o.-Phase zu kommen,

Atalantas Trainer Gian Piero Gasperini ließ anfangs Leistungsträger wie Italiens Teamstürmer Gianluca Scamacca und den Belgier Charles de Ketelaer auf der Bank. Als er sie im Finish einwechselte, um auch in Graz zu gewinnen, ging nichts mehr. Das Powerplay im Finish verpuffte. So wie die letzten 17 Minuten nach dem Ausgleich verlief für Sturm auch die erste Viertelstunde nach Wunsch. Mit dem ersten Torschuss die Führung. Durch Alexander Prass mit seinem schwächeren rechten Fuß, abgefälscht von Atalantas Kapitän Rafel Toloi. Was danach bis zum zweiten Sturm-Treffer passierte, passte leider nicht. Wie etwa beim 1:1. Da attackierte Abwehrchef Gregory Wüthrich schlecht, was der kolumbianische Routinier Luis Muriel nützte. Vor dem Match in Graz spielte der 32 jährige insgesamt nur 172 Minuten, erzielte kein Tor. In Graz gelangen ihm gleich zwei. Weil er auch den Elfmeter zum 1:2 verwandelte, den es in der fünften Minute der Nachspielzeit vor der Pause gab, als Jan Gorenc Stankovic in eine Flanke sprang, der Ball im Strafraum seine ausgestreckte Hand traf. Nach VAR-Intervention gab der kroatische Referee Duje Strukan Elfmeter. Während des On Field Review ließ sich Hierländer am Elfmeterpunkt auf ein Gerangel ein, sah unnötig gelb. Das sollte sich rächen, weil er nach 53 Minuten für ein taktisches Foul, 80 Meter vor dem eigenen Tor, die zweite gelbe Karte erhielt, die Trainer Christian Ilzer als überzogen betrachtete. Mag sein. Aber einem Routinier darf es nicht passieren, die zweite gelbe Karte zu riskieren.

Als Ilzer nach 61 Minuten Wüthrich und Otar Kiteishvili austauscht, wirkte es fast so, als wollte er Stammspieler für die kommenden Wochen schonen. Ebenso als er Prass neun Minuten später vom Rasen holte. Dessen Nachfolger William Boeving hauchte Sturm aber neues Leben ein, sorgte mit den sogeannten Nadelstichen für Schwung. Mit dem für Manprit Sarkaria gekommenen Tomi Horvat holte ein anderen Joker den Elfmeter zum 2:2 heraus. Bei seinem Fersler in den Strafraum fuhr der Bosnier Sead Kolosinac die rechte Hand aus. Wieder meldete sich der VAR, wieder Elfmeter. Die etatmäßigen Elferschützen Kiteishvili und Sarkaria waren ausgetauscht, daher übernahm der für den Norweger Seedy Jatta eingewechselte Szymon Wlodarczyk Verantwortung. Nicht selbstverständlich bei einem 20 jährigen. Der Pole bewies gute Nerven, traf nach acht torlosen Spielen wieder. Der Jubel der Nummer neun über seinen ersten Treffer seit 2. September war verständlich. Danach trugen die Emotionen Sturm bis zum Schlusspfiff in der 97. Minute: „Unter diesen Umständen muss man hochzufrieden sein“, freute sich Ilzer.

Auch andere Österreicher hatten Erfolg. Philipp Lienhart gewann mit dem SC Freiburg in Serbien gegen Backa Topola 3:1 (0:1), das brachte die Tabellenführung. Michael Gregoritsch spielte ab der 46. Minute, dreifacher Torschütze war der Italiener Vincenzo Grifo.

 

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