Nach sechs Jahren wird die Champions League ohne österreichische Beteiligung über die Bühne gehen. Die Hoffnung auf die Qualifikation für die Ligaphase starb schon im Hinspiel des Play offs auf brutale Weise. Denn Meister Sturm erlebte mit dem 0:5 (0:3)-Debakel bei Norwegens Mister Bodoe Glimt eine seiner schlimmsten Demütigungen, die ein Weckruf sein muss: Wenn der Meister von Aserbaidschan (Qarabag Agdam nach dem 3:1-Auwärtssieg gegen Ferencvaros Budapest), Zypern (Paphos nach dem 2:1-Auswärtssieg gegen Roter Stern Belgrad) und Kasachstan (Kairat hielt in Glasgow gegen Celtic das 0:0) berechtige Chancen haben, weiter zu kommen, der österreichische aber gar keine mehr, dann schrillen die Alarmglocken. Nicht nur für Sturm, sondern für die ganze heimische Fußballszene. Denn dann kann die Qualität der Liga wirklich nicht so gut seine wie es viele sehen wollen. Bodoe Glimt wird der erste norwegische Klub in der Champions League sein, Sturm bekam international bisher nur einmal mehr Tore, im Herbst 2022 in der Europa League beim 0:7 gegen Feyenoord in Rotterdam.
Sturms Präsident Christian Jauk war in der Stunde der bitteren Wahrheit im mit 8270 Zuschauern ausverkauften Aspmyra-Stadion bei nur neun Grad live dabei. Dabei hatte Sturm sogar die erste Chance, als Bodoes Innenverteidiger Haitami Aleesami auf dem durch den Regen glitschige Kunstrasen ausrutschte und William Böving allein auf das Tor lief. Doch er scheiterte an der starken Reaktion des russischen Tormanns Nikita Halkin. Bis Sturms dänischer Keeper Oliver Christensen den ersten Ball hielt, stand es schon 3:0. Der dänische Stürmer Kasper Högh, letzte Saison mit sieben Tore in der Europa League der beste Bodoe-Torschütze, verwertete mit etwas Glück die erste Chance. Nach dem ersten Eckball erzielte Innenverteidiger Odin Björtuft mit der Schulter das 2:0. Da sah Christensen nicht gut aus, ebenso beim Schuss von Ulrik Saltnes ins kurze Eck zum 3:0. Zwischen zweitem und drittem Tor traf Tomi Horvat nur die Latte. Bodoe war in allen Belangen besser, schneller, aggressiver, zweikampfstärker, spazierte nach Belieben durch die Grazer Abwehr. Die nicht nur gegen Högh, sondern auch gegen Jens Hauge völlig überfordert war. Das Debakel hätte sogar noch höher ausfallen können. Hakin Evjen verwertete nur einer der vielen Chancen zum 4:0 (54.), den Schlusspunkt setzte ein Eigentor von Böving. Irgendwie bezeichnend: Gerade der Spieler, der Sturm eigentlich in Führung hätte brignen müssen. Was ebenfalls den desaströsen Eindruck der „Blackies“ zeigte: Der für den schwachen Rechtsverteidiger Max Johnston eingewechselte Arjen Malic sah bei seiner ersten Aktion gleich die gelbe Karte. Auch Otar Kiteishvili (Bild), der beste Spieler in der Bundesliga, konnte nicht dagegenhalten.
Sturm fehlte ein gerütteltes Maß an Qualität. Daher muss man auch die Personalpolitik von Sportchef Michael Parensen hinterfragen. Er hat nicht in dem Maße auf den Abgang von Mika Biereth im Winter, auf die von Gregory Wüthrich und Malick Yalcouye im Sommer, reagiert wie es notwendig gewesen wäre. Mit Perspektivspielern kommt man nicht in die Champions League, dem deutschen U 21-Teamspieler Tim Oermann fehlt einiges zum Abwehrchef. Auch er war überfordert. Wenn Parensen jetzt für die Europa League nachlegen sollte, dann kommt das eindeutig zu spät. Auch der Abschied von Andreas Schicker im Herbst hat Sturm schwächer gemacht. Die Realität: Statt 18,62 Millionen Startgeld in der Champions League gibt es nur 4,31 in der Europa League. Statt 2,1 Millionen für den Sieg nur 450.000 Euro, statt 700.000 für e in Unentschieden nur 150.000. Aber in dieser wird Sturm auch in der Europa League keine Prämien bekommen.
Foto: UEFA.