Fußball

Note 6 für Alaba nach Carlos schwarzer und letzter Bayern-Nacht

Der Schlusspfiff nach Bayerns 0:3-Abfuhr beim Prestigeduell im Parc de Prince gegen Paris St. Germain und seinen 466 Millionen-Sturm mit Kylian Mbappe, Edson Cavani und Neymar war noch keine Viertelstunde vorbei, da musste Bayerns Trainer  Carlo Ancelotti bereits die Frage beantworten, ob  er sich nicht vercoacht habe. Bayerns früherer Weltklassetormann Oliver Kahn prophezeite schon vor Anpfiff als ZDF-Experte: „Wenn das schief geht, dann gibt es richtig Theater“.  Ancelottis Aufstellung sorgte ab Bekanntwerden  für heftigste Diskussionen: Weltmeister Mats Hummels auf der Bank, Weltmeister Jerome Boateng auf der Tribüne. die für unersetzlich gehaltene Flügelzange mit den Routiniers Franck Ribery und Arjen Robben nur auf der Bank. Ancelotti versuchte es  mit seinem Wunschspieler, 41 Millionen-Kauf Corntin  Tolisso als einen von drei zentralen Mittelfeldspielern, an den Flanken mit Thomas Müller und Real Madrids Leihgabe James, für den sich der Italiener ebenfalls stark gemacht hatte. Zur Pause reagierte Herbert Prohaskas ehemaliger Mitspieler und Freund Ancelotti, nahm Tolisso und James raus. Zu retten war nichts mehr, auch nicht im Finish mit Robben. Ribery spielte in seinem Heimatland Frankreich keine Minute. Da könnte Sky-Experte Lothar Matthäus mit der Prognose, zwischen Ribery und Ancelotti gäbe es nach dieser Machtdemonstration nichts mehr zu reparieren, einmal richtig gelegen sein: „Sie werden keine beste Freunde mehr.  Es brodelt seit langem.“

Ancelotti wusste dank seiner Erfahrung, dass heftige Kritik an ihm folgen wird: „Bei jedem Topklub ist es so, dass bei jedem Match Spieler mit großer Klasse auf der Bank sitzen müssen. Das zu entscheiden, ist mein Job“, verteidigte er seine Aufstellung, „uns fehlte die richtige Balance, um die Pariser Konter zu verhindern.“ Robben nannte Bayerns Vorstellung peinlich, forderte aber in der kritischen Situation Zusammenhalt. Wortmeldungen unzufriedener Spieler  wären jetzt keine Hilfe, sollten unterbleiben. Der wütende Vostandschef Karl Heinz Rummenigge kündigte beim traditionellen Mitternachtsbankett glasklare Konsequenzen an.  Die betrafen Ancelotti, dessen Vertrag bis 2019 lief. Offenbar gilt es nichts mehr, dass er vor der Bayern-Zeit dreimal die Champions League gewonnen hat, also etwas können muss. Wahnsinn. Enttäuschend, dass plötzlich auch Bayerns-Chefetage bei der frühesten Trainerentlassung sseit 1991 oder 26 Jahren (damals Jupp Heynckes) in blinden Aktionismus verfiel.

„Bild“ nannte am Donnerstag bereits FC Liverpools Trainer mit erfolgreicher Dortmund-Vergangenheit, Jürgen Klopp, als möglichen und richtigen Nachfolger für Ancelotti. Gerüchte gab es auch um Thomas Tuchel, der trotz Entlassung in Dortmund bei Präsident Uli Hoeneß hoch im Kurs stehen soll, und über eine rasche Krisensitzung nach der Rückkehr aus Paris, bei der Ancelottis Assistent Willy Sagnol als Übergangslösung bei Saisonende eingesetzt werden soll. So kam es auch. Rummenigge und der neue Sportdirektor Hasan „Brazzo“ Salihamizic begründete die Entscheidung mit enttäuschenden Leistungen in dieser Saison, nannten sie profesionell. Auch alle Assistenten Anceloittis mussten  gehen. Mit usnahme von Sagnol. Den Ex-Bayern-Verteidiger, zuvor Trainer bei Bordeaux, hatte Ancelotti im Juni als neuen Assistenten auf Befehl der Bosse Hoeneß und Rummenigge akzetieren müssen.

„Bild“ watschte nach Carlos schwarzer und letzter Bayern-Nacht drei Spieler mit  Note 6 als Totalversager ab: Ausser James und Arturo Vidal auch David Alaba, dem die Schuld am 0:1 und 0:3 gegeben wurde. Beim ersten Treffer allerdings zu Unrecht. „Vorne wenig hui, hinten total pfui“ hießen die Vorwürfe,  „bei seinem Comeback nach dreiwöchiger Verletzugspause defensiv noch auf der Massagebank. Schwindelig nach Mbappes Dribbling vor dem 3:0!“  Die Schlussfolgerung: Es wäre besser gewesen,  Rafinha statt Alaba spielen zu lassen. So harte Kritik  gab es an dem Wiener in München zuvor noch nie. Jetzt hat er nach Louis van Gaal, Heynckes, Pep Guardiola und Ancelotti den fünften Trainer in seiner Bayern-Zeit.

 

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