Der Prilisauer auf der Linzer Strasse, zehn Gehminuten vom Allianz-Stadion entfernt, gilt als ein Rapid-Gasthaus. Wie die grün-weiße Fahne am Dach zeigt. Dort stärken sich traditionell Fans vor den Spielen. Letzten Donnerstag prophezeite ihnen Chef Hermann Prilisauer mit einem Blick auf die Fahne den Aufstieg gegen Slovan Bratislava. Grund. Es herrschte Windstille. Denn bei Südwind, so weiß er aus jahrelanger Erfahrung, geht gar nichts. Bei den enttäuschenden Heimspielen gegen Altach und Wolfsberg hatte der Südwind über Hütteldorf geweht. Dummerweise ist auch für Donnerstag Abend, wenn Rapid gegen Steaua Bukarest die Basis für den Aufstieg in die Gruppenphase der Europa League schaffen will, Südwind prophezeit. Also muss auch der Südwind-Fluch besiegt werden.
Liebend gerne würden die Rapid-Fans ein Jubelsalto des Rumänen Andrij Ivan gegen seine Landsleute sehen. Seit dem 3:0 gegen Admira in der Südstadt am 29. Juli warten sie vergeblich drauf. Fünf Spiele lang. Es wird Zeit für die nächste Salto-Einlage. Ivan sieht für seine Mannschaft auch gute Aufstiegschancen, obwohl der ehemalige Armee-Sportklub, der offiziell FCSB heißt, seit der umstrittene Besitzer George Becali im März 2017 einen Prozess gegen das Verteidigungsministerium um den Klubnamen verlor. Der Präsident des Vizemeisters ist die lebende Erinnerung an den größten Triumph unter dem Namen Steaua: Helmuth Duckadam, inzwischen 59, stand 1986 beim Finale des Europacups der Meister gegen den FC Barcelona in Sevilla im Tor, das Steaua nach einem 0:0 im Elferschießen 2:0 gewann. Weil Duckadam vier Elfmeter von Barcelona, geschossen von Alexanko, Angel Pedraza, Pichi und Marcos Alonso abwehrte. Es sollte das letzte Spiel in der Karriere des Tormanns sein, die er wegen einer Gefäßverletzung im Oberarm nicht mehr fortsetzen konnte. Mit dem aktuellen Tagesgeschäft von FCSB hat Duckadam nichts zu tun, er ist für repräsentative Aufgaben zuständig.
Für den Sieg gegen Slovan kassierte Rapid auch eine Extraprämie. Vom ORF. Weil 475.000 die Direktübertragung aus Hütteldorf sahen, gab es den vertraglich abgemachten Topquoten-Zuschlag. Anzunehmen, dass der auch eine Woche später wieder fällig wird. 16.700 Zuschauer waren gegen Slovan ins Allianz-Stadion gekommen. Werden es Donnerstag mehr, obwohl es bei Rapid derzeit wie beim Mensch ärgere dich nicht-Spiel ist, wonach auf etwas Oberluft sofort die nächste Gnackwatschen folgt? Der Sager fiel nach dem 1:2 gegen den LASK Alfred Tatar im Sky-Studio ein. Und die Schlussfolgerung: „Das ist nicht gut für die Seele des Vereins.“
Nicht gut ist es auch, wenn zuviel an Kapitän Stefan Schwab festgemacht wird. Hinter dessen Einsatz wegen Knieproblemen ein Fragezeichen steht. Die Devise, dass es nur mit Schwab so funktionieren kann, wie es alle wünschen, ist der völlig falsche Ansatz. Da sollte man nicht vergessen, dass Schwab auch bei den Enttäuschungen gegen Altach und Wolfsberg dabei war. Entscheidend wird auch sein, ob die Innenverteidiger Mario Sonnleitner und Mateo Barac den 94 Kilo-Mittelstürmer Harlem Gnohere, der die Rumänen gegen Hajduk Split ins Play-off geschossen hatte, in den Griff bekommen. Rapid trifft erstmals seit 23 Jahren im Europacup wieder auf eine rumänische Mannschaft. 1995 war es Petrolul Ploiesti in der ersten Runde des Europacups der Cupsieger. Rapid kam mit 3:1 im Hanappi-Stadion und 0:1 in Ploiesti eine Runde weiter, der Auftakt zu einer Supersaison mit Meistertitel und Euopacupfinale. Mit solchen Erfolgen spekuliert aber derzeit keiner.
Gegen Slovan sass auch Vizekanzler Heinz Christian Strache in der Rapid-Loge. Der beim millionenschweren Gazprom-Deal des Wiener Erzrivalen Austria seine Hände im Spiel hatte. Straches Besuch in Hütteldorf ließ erahnen, dass an allen Meldungen, wonach der für den Sport zuständige Vizekanzler im Hintergrund auch daran werkt, dass die OMV ein Comeback als Sponsor bei Rapid feiern wird. etwas wahres daran sein könnte. Darauf angesprochen, setzt Rapids Präsident Michael Krammer nur ein vornehmes Lächeln auf. Gab zu, dass er das nicht klar dementieren könne. Das ist ja immerhin schon etwas, das Hoffnung macht.


