Eishockey

Provokante Worte und Plattitüden statt Konzepte

In Nordamerika kommt Eishockey durch das NHL-Play-off in die Schlagzeilen. Bei dem der Villacher Michael Raffl in Toronto auch beim 2:1 der Philadelphia Flyers gegen die Montreal Canadiens im ersten Viertelfinale wegen seiner Knöchelverletzung fehlte, der Villacher Michael Grabner in Edmonton das erste Spiel der Serie mit Arizona gegen Colorado 0:3 verlor, dabei 12:53 Minuten Eiszeit bekam, aber keinen der nur 14 Torschüsse der Coyotes ausgab. In Österreich versucht auch ein Villacher Aufmerksameit zu erregen: Der neue Verbandspräsident Klaus Hartmann. Er  präsentierte sein neues Präsidium mit Magister Yasmin Sarina Stepina, dem Terrorexperten Nicolas Stockhammer und Günther Ropatsch Donnerstag im Arcotel Kaiserwasser Wien. An einem garantiert bewusst gewählten provokante Termin: Einen Tag, bevor das Schiedsgericht des ehemaligen Präsidiums zur Wahlanfechtung des neuen tagt.

Das vom neuen Präsidium eingesetzte tat dies bereits in Villach, richtete quasi über sich selbst. Jurist Hartmann findet das selbstverständlich in Ordnung. Das Gutachten eines „gewissen Universitätsprofessors“, das klar dagegen spricht, schmetterte er mit dem Hinweis, dem sei ein falscher Tatbestand übermittelt worden, ab. Dass der Wahlvorschlag für ihn formell nicht in Ordnung war, spiele keine Rolle. Weil es auch 2012 und 2016 so war. Seltsame Ansichten. Das wäre ja so, wie wenn einer wegen Schnellfahrens nicht bestraft werden kann, weil er  davor fünfmal beim gleichen Delikt nicht ertappt wurde. Zudem stellte Hartmann die Unabhängigkeit des alten Schiedsgerichts in Frage, weil ein Mitglied ein Kanzleipartner des ehemaligen Vizepräsidenten Alexander Gruber ist. Und überhaupt: Die Amtszeit des alten Schiedsgerichts wäre am 24. Juni, drei Tage vor seiner Wahl abgelaufen, zudem sei der Mann, der die Wahl  anfocht, noch bevor sie stattfand, dazu nicht berechtigt gewesen.

Stockhammer gefiel sich in Medienschelte. Sein gutes Recht. Weil einige es wagten, Klaus Ainedter als Vorsitzendes alten Schiedsgerichts zu interviewen und der dabei sein Urteil bereits vorweggenommen habe, prangerte Stockhammer, der den Drang verspürt, gestalterisch tätig zu sein, eine Berichterstattung nach nordkoreanischen Maßstäben an. Das ganze sei nur ein Possenspiel schlechter Verlierer. Provokante und scharfe Worte, die auch Hartmann in Richtung seines Vorgängers Gernot Mittendorfer wählte. Die vorgefundene Sponsorensituation sei dürftig, das mache die Situation jetzt schwierig. Der Verlust des Hauptsponsors Erste Bank und der Städtischen Versicherung sei entgegen anderer Behauptungen schon vor seiner Amtszeit festgestanden. Aber rühmte sich Hartmann nicht rund um die Wahl mit seinen perfekten Kontakten zur Wirtschaft? Das tat er auch Donnerstag. Jetzt muss er sie spielen lassen und liefern. Der mit einer 40 minütigen Powerpoint-Präsentation vorgetragene Vierjahresplan erwies sich als Feuerwerk von Plattitüden und Schlagwörtern. Einige Kostproben:

Den ÖEHV wie ein langfristig erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen führen.

Erfolgreiche Teilnahme des Damen-und Herren-Nationalteams an olympischen Winterspielen und Top Division Weltmeisterschaften.

Jedes Kind in Österreich, das Eishockey spielen möchte, soll die Möglichkeit bekommen.

Unseren eigenen, österreichischen Weg finden und gehen.

Spitzeneishockey als Resultat einer langfristigen, guten Arbeit.

Alle für einen oder einer für alle.

Für die gesamte Eishockeyfamilie „da“ sein.

Als größte Herausforderung sieht das Präsidium den neuen Vertrag mit der Liga, der in einem Jahr abgeschlossen werden muss. Aber laut Hartmann gibt es ja eine sehr gute Gesprächsbasis zur Ligaspitze. Zur Ehrenrettung des Präsidiums soll noch gesagt sein, dass laut Insidern dieses sogenannte Konzept nicht von ihnen, sondern vom niederösterreichischen Verbandspräsident Peter Andrecs und vom zurückgekehrten Damenmanager Martin Kogler stammt und „nur“ übernommen wurde. Koglers neue Bestellung könnte man auch als Dank dafür sehen, dass er die Stimmen der Linzer Black Wings für Hartmann besorgte.

Auffällig, dass bei der Präsentation auf die Anwesenheit von Sportchef Roger Bader kein Wert gelegt wurde. Wieder wurde die Vertragsverlängerung mit ihm fälschlich als Erfolg des neuen Präsidiums bezeichnet. Hartmann behauptete, Bader werde nächste  Woche nach Villach kommen, um ihm und Ropatsch, dem Vizepräsidenten für sportliche Angelegenheiten, seine Zukunfts-Visionen, mitzuteilen. Also wurden auf die offenbar von Kogler kein Wert gelegt. Wer Ropatsch reden hörte, musste an dessen Kompetenz für die Aufgabe ernsthaft zweifeln. Ein Gespräch auf Augenhöhe mit Bader kann das nicht werden. Außerdem wusste der noch gar nichts von einem konkreten Termin. Von der bevorstehenden Unter 20-WM in Kanada redete das neue Präsidium kein Wort. Bezeichnend.

Wenn da von diesem Präsidium nichts anderes nachkommt, dann geht es mit Österreichs Eishockey sicher den Bach runter. Viele Kommissionen mit Experten sollen eingesetzt werden, in denen auch andere Landesverbandspräsidenten ihren Platz finden werden. Wie der Wiener Andreas Ösze, der vor dem Saal der Pressekonferenz auf Hartmann & Co wartete. In kurzen Hosen. Da sehnt man sich nach der Ära von Hans Dobida zurück, die von 1977 bis 1996 gedauert hatte. Man bekam das Gefühl, der Verband wäre jetzt bei Dobida noch immer in besseren Händen, auch wenn der schon 91 Jahre alt ist.

 

 

Foto: ÖEHV.

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