Fußball

Rapid braucht seinen Pfischipfeil: Wann kehrt Schobesberger zurück?

Goran Djuricin versichert zwar stets, an die Qualitäten des Rapid-Kaders zu glauben. Was anderes darf er wenige Tage vor dem Cupfinale, in dem er um die letzte Chance auf den Europacup und einige Einnahmen geht, gar nicht sagen. Aber der 42jährige läßt ehrlich durchblicken, dass es auch an einigem fehlt. Daran ändert auch seine gelungene Premiere als Chef, das 3:1 in Mattersburg mit dem ersten Tor von Arnor Traustason in diesem Jahr, der erste Auswärtssieg  seit 29. Oktober 2016, dem 2:1 in der Südstadt gegen Admira, nichts ändert.

Was auch Sportchef Fredy Bickel schon zuvor mit zu vielen gleichgearteten Typen ansprach. Etwa im Angriff:  Mit dem noch monatelang verletzten Giorgi Kvilitaia,  dem Brasilianer Joelinton und  dem Kroaten Matej Jelic drei ähnlich geartete Mittelstürmer. Und kein Knipser dabei. Mit Philipp Prosenik steht noch ein vierter unter Vertrag. Abwarten, ob er von Wolfsberg zurückkehrt. Was Rapid fehlt, ist ein schneller Stürmer, der Löcher in die Abwehr reisst, mit dem man auf Konter  spielen kann. Unter Vertrag würde er zwar stehen, aber seit 18.August letzten Jahres mit zwei Aunahmen nicht mehr zur Verfügung: Philipp Schobesberger, der grünweiße „Pfitschipfeil“ und Publikumsliebling. Neun Tore in 30 Pflichtspielen in der Saison 2015/16, eine darauf  elf in 46, darunter das legendäre „Kullertor“ zum Gruppensieg in der Europa League bei Viktoria Pilsen, das europaweit ein Gesprächsthema war.

Aber heuer? Nur neun Einsätze , kein Tor. Mit ein Grund für die verpatzte grünweiße Saison. Das Verhängnis passierte am 18. August bei der  Qualifikation für die Europa League, als Rapid beim slowakischen Meister  Trencin 4:0 gewann: Der 23jährige Oberösterreicher  musste nach 50 Minuten mit einer Verletzung des rechten Knies raus. Die Diagnose am Tag danach in Wien: Knorpelabsplitterung, aus der sich mit der Zeit auch ein Knochenmarksödem entwickelte. Mitte November gab Rapids medizinische Abteilung mit den Ärzten Benno Zifko und Thomas Balzer  Schobesberger  wieder frei für den Trainingsbetrieb.  Früher bei Zoran Barisic  dauerte es dann meist drei Wochen, bis er nach monatelanger Pause einen Spieler wieder aufstellte.  Bei Damir Canadi hingegen , wahrscheinlich auch wegen der misslichen Situation Rapids, kürzer: Am 24. November kam er in der Europa League beim 0:1 in Gent für die letzten 27 Minuten als Joker, drei Tage später begann er im Allianz-Stadion in der Bundesliga beim 1:2  gegen Sturm, 60 Minuten lang. Zum letzten Mal bis zum Saisonende am kommenden Donnerstag.  263 Tage fiel Schobesberger in dieser Saison aus, 31 Spiele verpasste er.

Vielleicht hätte er im November besser gesagt, der  Einsatz komme noch zu früh. Aber das vertragt sich mit der Ungeduld und dem Ehrgeiz des  „Pfitschipfeils“ nicht wirklich. Wann die Leidenszeit  vorbei ist, zu der auch zwei Operationen am Knie wegen des lädierten Knorpels gehörten, die zweite in der Osterzeit wegen atypischer Knorpelwucherungen, weiß keiner. Er war zwar bei der Reha mit Fitnesstrainer Alexander Steinbichler und Physiotherapeut Wojtek Burzec schon wieder am Platz, aber  dann kam der Rückschlag. Reizungen, Schmerzen unterhalb der Kniescheibe am Ansatz der Patellasehne und so weiter.  Vor lauter Verzweiflung versuchte er auch mit Akkupunktur beschwerdefrei zu werden. Gelang nicht. Inzwischen ist auch  Physiotherapeut Burzec ausser Gefecht: Kreuzbandoperation. Am Physio-Sektor hat Rapid aber Alternativen.

Djuricin zum Thema Schobesberger: „Wir hoffen, dass er bald ins Mannschaftstraining einsteigen kann.“ Was bald bedeutet, konnte er nicht konkretisieren. Besser sieht es beim zweiten Rapidler, der heuer mit Knorpelschaden ausfiel, mit Ivan Mocinic aus. Bei Schobesberger schließt Balzer aus, dass er vor Juli voll belastbar ist. Die erste Runde der letzten Zehnerliga steigt am 22. Juli. Das heißt, Rapid müsste sich in Sachen schneller Stürmer wahrscheinlich etwas anderes einfallen lassen. Ein ähnlicher Typ ist der 18jöhrige Kelvin Arase, der  zu Beginn dieser Saison bei Mike Büskens dreimal  als Joker zum Zug gekommen war, bei Canadi nur in der Wintervorbereitung, ehe er ihn zum Nachwuchs zurückschickte. Bei Djuricin müsste das große Talent   eigentlich auf Grund der Ungewissheit um „Pfitschipfeil“ Schobesberger für  nächste Saison wieder ein Thema sein.

In der letzten Runde der aktuellen kann sich Rapid aber nach dem 2:0 von Schlusslicht Ried in Altach, dem ersten Match der Saison ohne Gegentor, daheim gegen St. Pölten nicht zurücklehnen.  Ried hat bei zwei Punkten Rückstand auf die St. Pölten mit einem Heimsieg gegen Mattersburg Sonntag die Chance auf die Rettung, da muss Rapid schon wegen des sportlichen Anstands im letzten Heimspiel wichtige Spieler für das Cupfinale gegen Salzburg vier Tage später schonen: „Ich hoffe sehr, dass Rapid Sonntag seinen Job richtig macht“,  sagte Rieds Trainer Lassaad Chabbi nur 30 Minuten nach dem Schlusspfiff in Altach. Mit einem Sieg könnte Rapid noch Platz fünf erobern. Aber das würde nichts ändern. Nur der Finalsieg als Aussenseiter gegen Salzburg  könnte die Saison retten. Aber wer sah, wie der Meister  Donnerstag im Happel-Stadion ein 0:2 in ein verdientes 3:2 verwandelte, muss daran zweifeln.

 

 

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