Dritter Derby-Heimsieg hintereinander für Rapid unter Robert Klauß. Der letzte Trainer, der dies schaffte, war vor Jahrzehnten Hans Krankl. Das verdiente 2:0 (1:0) vor 22.660 Zuschauern in Hütteldorf, der erste Sieg in der Meisterrunde, brachte Rapid noch mehr Selbstvertrauen für das Retourspiel im Viertelfinale der Conference League am Donnerstag, zumal Djurgarden Sonntag das Stockholm-Derby gegen Hammarby 0:2 verlor. Rapid war in der Bundesliga schon lange nicht so gut wie im 345. Wiener Derby. Das zeugte auch die Schuss-Statistik von 16:9. Austrias Tormann Samuel Sahin-Radlinger verhinderte in der ersten Hälfte eine klarere Führung von Rapid.
Gegenüber dem Sieg von Stockholm änderte Klauß die Mannschaft an fünf Positionen: Er schonte den angeschlagenen Innenverteidiger Nenad Cvetkovic, wollte kein Risiko eingehen. Da Donnerstag kein Ersatz zur Verfügung gestanden wäre, hätte sich Cvetkovic gegen Austria verletzt: Jakob Schöller ist ausser Gefecht, Winterkauf Kuadio Ahoussou, der seine Sache statt Cvetkovic gut machte, wurde für die Conference League nicht gemeldet. Für den erkrankten Isak Jansson begann Andrija Radulovic, der in Stockholm gesperrt gewesene Mamadou Sangare statt dem zweiten Ivorers, der im Jänner engagiert wurde, statt Romeo Amane, Jonas Auer Linksverteidiger statt Moritz Oswald. Kapitän Matthias Seidl durfte statt Louis Schaub von Beginn an, traf bereits nach fünf Minuten zur Führung. Sein erstes Tor seit dem Siegestreffer im letzten Heimderby zum 2:1 in der siebenten Runde am 22. September, sein drittes im fünften Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen.
Auch Rapid zweiter Torschütze traf diese Saison zum zweiten Mal im Derby. Es sind die einzigen Bundesligatore von Mamadou Sangare (Bild) in Grün-Weiß. Am 16. Februar brachte er auswärts Rapid bei der 1:2-Niederlage mit einem spektakulären Seitfallzieher in Führung. Sonntag traf er nach 70 Minuten und gekonntem Dribbling mit links aus 18 Metern. Der Jubel von Klauß nach dem Treffer war um einiges emotionaler als der nach der schnellen Führung: „Ich war überrascht, dass Sangare trifft. Es war einfach pure Freude!“ Denn bisher schoss Sangare aus dieser Distanz nur über und neben das Tor. Kurz davor war es noch emotionaler, als Guido Burgstaller für Dion Beljo auf den Rasen kam. Die Sprechchöre von Rapid Fantribüne gegen Austrias Abwehrchef Aleksandar Dragovic waren hingegen die unterste Schublade.
Klare Chancen der Austria ließ Rapid nicht zu. Nur bei einem Stangenschuß von Kapitän Manfred Fischer nach 15 Minuten, der da 1:1 bedeutet hätte, war Glück dabei. Dominik Fitz fiel nur in wenigen Szenen auf. Die Wahrheit ist aber auch, dass der Derbysieg Rapids Lage in der Bundesliga nicht entscheidend verbesserte. Drei Punkte Rückstand auf Wolfsberg, fünf auf Salzburg, sieben auf die Austria, zehn auf Sturm Graz. Die einzige theoretische Titelchance in dieser Saison gibt es n in der Conference League. Andi Herzog, Sky-Experte mit Rapid-Vergangenheit, sagte, welche Dimensionen das hätte: „Dann wäre Weihnachten und Ostern an einem Tag!“
Foto: Gepa/Admiral.