Fußball

Rapid trauert um seine „Legende“ Zizo Kranjcar

Dem Jahrhundertrapidler Hans Krankl werden vermutlich wie im Dezember, als er vom Corona-Tod seines Ex-Trainers Otto Baric erfuhr, wieder die Tränen in die Augen geschossen sein, als er gestern die Nachricht vom Tod seines ehemaligen Mitspielers in Grün-Weiß, Zlatko „Zizo“ Kranjcar bekam. Er starb im Alter von erst 64 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit in Zagreb. Unerwartet. Noch im Februar telefonierte er mit in Wien lebenden Freunden, da war keine Rede von Krankheit. Kranjcar kam 1984 von Dinamo Zagreb nach Hütteldorf, geholt vom damaligen Boss Heinz Holzbach und Baric. Er blieb sechs Jahre, kam 1985 mit Grün-Weiß ins Finale des Europacups der  Cupsieger, wurde zweimal Meister, dreimal Cupsieger. Kein anderer Legionär Rapids schoss so viele Tore in Pflichtspielen wie er, nämlich 132. Zu seinen besten Zeiten wollte Ernst Happel Kranjcar 1986 zum Hamburger SV holen. Das scheiterte nur am Achillessehnenriss, den er sich mitten in den Verhandlungen im Europacupspiel von Rapid gegen Lok Leipzig im Hanappi-Stadion zuzog. Bei einem Tor, das er mit einem Elfer-Nachschuss erzielte. Klar, dass Rapid Sonntag im Derby gegen Austria wegen des Tods von Kranjcar mit Trauerflor spielen wird.

Nach der Spielerkarriere begann die als Trainer. Mit Stationen in Österreich (Austria Klagenfurt, FC Linz) seiner Heimat Kroatien (bei NK Zagreb, mehrmals Dinamo Zagreb, Rijeka), im Montenegro als Teamchef,  wo ihn ein anderer Ex-Rapidler (Dejan Savicevic) als Verbandsboss holte und mitten in der EM-Qualifikation für 2012 nach drei Siegen und zwei Unentschieden (darunter 0:0 gegen England in Wembley) wieder entließ, weil es im sechsten Spiel gegen Wales eine Niederlage gab, in der Slowakei (Dunajska Streda), in Ägypten (El Masry, Al Shabab,  Al Ahli) und im Iran (Persepolis, Meister mit Isfahan ), wo er noch bis 2019 U 21-Teamchef war.  Der Herzenswunsch, Trainer von Rapid zu werden, ging nicht in Erfüllung, 2002 war er als Nachfolger von Lothar Matthäus im Gespräch, den Job bekam aber Josef Hickersberger und führte Rapid zum 31. Meistertitel. Trotzdem kam Kranjcar  immer wieder gerne nach Hütteldorf, generell nach Österreich. Mit seinen iranischen Mannschaften ins Trainingslager nach Bad Tatzmannsdorf ins Avita-Resort. Immer, wenn er Bekannte aus Österreich traf, hatte er ein Lachen im Gesicht, freute er sich. Auch bei der WM 2002 in Tokio, als er Kroatiens 2:1 gegen Italien beobachtete. Damals war er Trainer bei NK Zagreb, das Siegestor schoss ein Spieler von ihm. Der später in Deutschland bekannt gewordene Ivica Olic.

„Zizo“ war der erste Trainer, der Dinamo Zagreb in die Champions League führte, dabei im Play-off Red Bull Salzburg eliminierte. Das war 2016. Wenige Wochen später trat er nach einem Zwist mit dem Dinamo-Paten Zoran Mamic zurück. Ein Highlight war die Zeit als Kroatiens Teamchef bei der WM 2006 in Deutschland. Damals spielte in seinem Team der spätere Bayern-Trainer Niko Kovac und sein Bruder Robert, sein Sohn Niko, der später Legionär bei Tottenham und den Glasgow Rangers war, gehörten zum Kader auch Legionäre aus Österreich wie Tormann Joey Didulica und Mario Tokic. Nach dem 0:1 gegen Brasilien im Startspiel nahm er sich in Berlin am Abend Zeit für Bekannte und Freunde, die aus Wien gekommen waren. Weil Kroatien aber damals die Gruppenphase nicht überstand, an Australien scheiterte, musste er Slaven Bilic Platz machen. Der Verbandspräsident, der das entschied, war einer der Trainer von Kranjcar zu Rapid-Zeiten: Vlatko Markovic.

Rapid steht jedenfalls seit der Nachricht von“ Zizos“ Tod unter Schock. „Er war eines der größten Idole meiner Jugend, eine Inspiration für junge Fußballer“, sagte Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic. Für Präsidiumsmitgleid Gerald Willfurth, der mit ihm jahrelang zusammenspielte, war er auch ein guter  Freund, mit dem er nach Ende der Karrieren immer wieder Kontakt hatte. Es ging vielen so wie Präsident Martin Bruckner, der versicherte, sehr dankbar zu sein, dass er Kranjcar in den 80er-Jahren in zahllosen Spielen live erleben durfte.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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