Fußball

Rapids Jüngster hatte die beste Idee zum Wunsch-Sieg

Die Fantribüne im Hütteldorfer Allianz-Stadion, der Block West, war randvoll wie im Februar beim Europa League-Schlager gegen Inter Mailand. Weil dort etwas passierte, was in einem Pflichtspiel nie erlaubt oder möglich wäre: Die Fans beider Mannschaften vereint. Bei den freundschaftlichen Kontakten zwischen den Anhängern Rapids und des 1.FC Nürnberg bedeutete dies Sonntag Abend in einer Vorbereitungspartie kein Problem. Grün-weiße und rote Transparente fanden einen Platz, Sprechchöre für Rapid und Nürnberg lösten einander ab. Vor dem Anpfiff ein gemeinsames Foto beider Mannschaften Ehrenankick durch Gustl Starek, der 1967 mit Rapid und ein Jahr darauf mit Nürnberg Meister geworden war. Nach Rapids 2:1 (1:1) verabschiedeten sich Sieger und Verlierer gemeinsam vom Block West. Sieht man nicht aller Tage. Eigentlich war dies das Erlebnis des Sonntags. Weil es nicht alltäglich im Fußball ist. Ebenso wenig, dass in Wien 12.600 Zuschauer zu einem Freundschaftsspiel kommen, 2000 VIP-Karten verkauft wurden.

Die Rapid-Fans mussten zur Kenntnis nehmen, dass neue Dressen, so schön sie auch sein mögen, keine neue Mannschaft machen. Und auch ein neues System nicht ein neues Gesicht bewirkt. Den Beweis, dass es im neuen 3-5-2 entscheidend besser laufend wird als letzte Saison im 4-2-3-1, den blieb Rapid schuldig. Mert Müldür, Christopher Dibon und Mateo Barac, der eigentlich auf der Verkaufsliste steht, begannen als Innenverteidiger. Vielleicht spielte der kroatische Linksfuß gerade deshalb. Eine Empfehlung bedeutete es für mögliche Interessenten jedenfalls nicht, wie er bei Nürnbergs Führung nach einem Eckball das Kopfballduell gegen den Vorarlberger Georg Margreitter verlor. Vor den Innenverteidigern sollt Srdjan Grahovac absichern, an den Flanken begannen Neuerwerbung Thorsten Schick und links statt des verkauften Boli Bolingboli Marvin Potzmann, der selbstbewusster und damit besser als im Frühjahr wirkte. Im Zentrum spielten Kapitän Stefan Schwab und Thomas Murg. Für ihn und Christoph Knasmüllner scheint im 3-5-2 kein Platz zu sein.  Als zweite Spitze neben Aliou Badji begann Philipp Schobesberger.

Neues System, aber alte Probleme. So hieß der Eindruck der ersten 45 Minuten. Nürnberg agierte im 5-3-2, laut Margreiter die Premiere eines neuen Systems, kompakter als Rapid, ließ trotz einiger Ballveerluste in der eigenen Hälfte wenig bis nichts zu.  Grün-Weiß bekam Nürnbergs wendigen Holländer Virgil Misidjan nie in den Griff. Der Ausgleich durch einen perfekten Freistoss von Murg mit links über die Mauer war in Wahrheit der erste Ball, der auf das Nürnberger Tor flog. Wenn Rapid versuchte, schnell umzuschalten, fehlte bei den vertikalen Bällen die Präzision. Zudem verschleppte Schwab einige Male das Tempo. Und aus Ballstafetten entstanden keine gefährlichen Aktionen.

Damir Canadi,  Nürnbergs Trainer mit Rapid-Vergangenheit, bot mit Margreitter, Lukas Jäger und Nikola Dovedan drei Österreicher auf. Jäger, den er von Altach kennt, spielte in den letzten zwei Saisonen bei Nürnberg keine Rolle, bei Canadi durfte er im zentralen Mittelfeld beginnen. Den Namen Jäger hatte er  schon vor drei Jahren bei Rapid ins Gespräch gebracht, ebenso den von Dovedan, den er jetzt mit Vrspätung als Neueinkauf von Heidenheim bekam, der das Potenzial zur Zentralfigur hat. Canadi präsentierte eine körperlich robuste Mannschaft, die genau zur Knochenmühle der zweiten Liga passen könnte. Dass ihm die Niederlage störte, konnte er nachher nicht verbergen. Vielleicht wäre sie auch nicht passiert, hätte er nicht nach 67 Minuten gleich sieben Mann ausgetauscht. Den von ihm geholten Ex-Rapidler Andreas Lukse ließ er ausgerechnet in Hütteldorf nicht ins Tor.

Dass Rapid noch zum Wunsch-Sieg kam, lag am nach 78 Minuten für Schwab eingewechselten jüngsten Rapidler. Der  18-jährige Nicholas Wunsch (im Jubelbild oben ganz links) hatte zwei Minuten später die beste Idee im Spiel, sorgte für die beste Aktion. Nach gekonntem Dribbling ein perfekter Pass über die Abehr zu Müldür, dessen flache Hereingabe der zur zweiten Hälfte für Murg gekommene Knasmüllner zum ersten Siegestor im neuen Dress verwertete. Wunsch bewies auch in anderen Szenen wie im Finish der letzten Saison sein Talent. Das sind Spieler, die Vertrauen verdienen und gefördert gehören.  Aber eines konnte auch das siegreiche Happy-End nicht ändern: Beim Bundesligastart am 26.Juli gegen Meister Red Bull Salzburg muss sich Rapid  um einiges steigern, wird die Nürnberg-Leistung nicht reichen. Für den Schöager sind bereits über 15.000 Karten weg Aber die Salzburger Fans werden dann wie gewohnt ihren eigenen Sektor in Hütteldorf haben. Den Block West als vereinte Fan-Tribüne wird´s so schnell nicht mehr geben.

 

 

Foto: Rapid/Gepa.

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