Fußball

Salzburg im Notstandsgebiet beim „Vulkan“

Im August musste Red Bull Salzburg in den israelischen Lockdown, um sich gegen Maccabi Tel Aviv für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren. Zwei Monate flog  Österreichs Meister am Nationalfeiertag zum ersten Auswärtsspiel in ein Corona-Notstandsgebiet: Zu dem erklärten die spanischen Behörden am Wochenende die Hauptstadt Madrid, in der um 23 Uhr eine Ausgangssperre beginnt. Knapp nach dem Schlusspfiff beim Duell zwischen Atletico Madrid und Salzburg, das zwei Stunden vorher der italienische Schiedsrichter Marcelo Guida im leeren Estadio Wanda Metropolitano anpfeifen wird.

Wie in Tel Aviv fuhr Salzburg auch in Madrid vom Flughafen direkt ins Hotel, verließ es nur am Abend zum Training. Dann ging es wieder zurück in die reservierte Hoteletage. Bis zur Abfahrt zum Spiel. Noch extremer macht es Bayern München vor dem Match bei Lok Moskau: Abschlusstraining Montag noch in München, danach die virtuelle Pflicht-Pressekonferenz mit Trainer Hansi Flick und Thomas Müller vom Bayern-Gelände in der Säbener Straße. Erst am Nachmittag im Charter-Jet nach Moskau. Nach dem Match sofort Rückflug. Das machte eine Sondergenehmigung zur Landung in München nach zwei Uhr früh möglich.

Fußballerisches Notstandsgebiet ist Atletico Madrid trotz der 0:4-Pleite zum Start bei Titelverteidiger Bayer keines und Platz fünf in der La Liga mit drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer Real Sociedad keines. Trainer Diego Simeone (Bild oben) hält zum Unterschied von Jesse Marsch nicht so viel von Rotation. Daher kamen Samstag beim 2:0-Heimsieg gegen Betis Sevilla, bei dem Mittelfeldspieler Marcos Llorente eine Minute nach der Pause und Ex-Barcelona-Torjäger Luis Suarez in letzter Minute die Tore erzielten, alle 15 Verlierer von München zum Einsatz. Da gab es keine Pause wie für Zlatko Junuzovic, Max Wöber und Albert Vallci bei Salzburgs 2:0 gegen Austria. Der einzige Neue gegenüber dem 0:4 war der spanische Abwehrspieler Mario Hermoso.

Marsch wird Dienstag Abend in der Coaching Zone garantiert Dinge erleben, die er bisher nicht kannte. Der Amerikaner gilt als temperamentvoll, hält aber keinen Vergleich mit dem 50 jährigen Simeone stand. Der gilt als Vulkan. Der während des Spiels jede Aktion seiner Mannschaft im Stile eines Radioreporters kommentiert, was zu Corona-Zeiten im leeren Stadion deutlich zu hören ist. Und wenn ihm etwas nicht gefällt, dann hat er die Angewohnheit, auszuspucken, Nicht gerade angenehm. Simeones Fußballkarriere ist gepflastert mit Titeln. Schon als Spieler hatte der Argentinier 1996 mit Atletico das bisher letzte Double der Klubgeschichte geschafft, in Italien gewann er mit Inter den UEFA-Cup, mit Lazio Rom das Double. Bei Atletico ist er seit Dezember 2011 im Traineramt. 2012 und 2018 gewann er die Europa League, nur die Champions League fehlt ihm. 2014 und 2016 war er bis ins Finale gekommen, verlor das jeweils als Außenseiter gegen Real Madrid nur knapp in der Verlängerung und nach Elfmeterschießen. Letzte Saison eliminierte Atletico im Achtelfinale Titelverteidiger und Salzburg-Bezwinger FC Liverpool, scheiterte aber beim Finalturnier in Lissabon in der Runde der letzten acht an RB Leipzig. Machen es die Bullen aus Salzburg ähnlich gut wie die aus Leipzig?

„Atletico Madrid wird uns spüren lassen, nach der Niederlage gegen Bayern unter Druck zu stehen. Das macht Atletico noch gefährlicher“, prophezeite Marsch. Seine Devise heißt in erster Linie mutig sein, an die eigenen Stärken glauben. Er weiß, dass der Slowene Jan Oblak ein Weltklassetormann ist,  im Mittelfeld Koke und Marcos Llorente die Zentralfiguren sind, der Belgier Yannick Carrasco mit seinem Tempo eine ständige Gefahr bedeutet, Suarez ein Stürmer von Extraklasse ist, der 20 jährige Joao Felix als Rohdiamant gilt. Keiner der Transfers unter Simeone war annähernd so teuer wie der des Portugiesen. 127,2 Millionen Euro zahlte Atletico 2019 an Benfica Lissabon, Platz zwei geht an den Franzosen Thomas Lemar, für den Monaco ein Jahr zuvor 70 Millionen bekam.

Felix ist für Salzburg kein Unbekannter. Er spielte 2017 mit Benfica im Youth League-Finale von Nyon gegen Salzburg. Verlor 1:2. Salzburgs Siegestorschützen sieht er Dienstag Abend wieder: Patson Daka, der bei seinem Wechsel aus Sambia nach Salzburg nicht einmal ein Prozent der Felix-Ablöse kostete. Salzburg ist derzeit Zweiter, hat einen Punkt mehr als Atletico. Wenn Österreichs Top-Klub Madrid auch als Zweiter verlässt, wäre das  ein Supererfolg. Zu sehen ist Salzburgs erstes Duell mit einer spanischen Mannschaft seit Februar 2018, als unter Marco Rose Real Sociedad im Sechzehntelfinale eliminiert wurde, im TV live bei DAZN. Sky Sport Austria zeigt zuvor lve Bayern mit David Alaba bei Lok Moskau, danach Salzburg in der Konferenz der Abendpartien (mit Mönchengladbach-Real Madrid,  Marseille-Manchester City,  Atalanta-Ajax Amsterdam, Liverpool-Midtylland).

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