Fußball

Selbstmord wie sein Förderer: Die Tragödie um Gerhard Rodax

Zu Beginn dieser Woche stand der Name von Gerhard Rodax wegen des Länderspiels gegen Andorra in den Medien. Der Austragungsort, das La Rosaleda-Stadion von Malaga, sorgte für Erinnerungen an ihn. Weil er dort bei Österreichs zuvor letztem Antreten 1990 das Siegestor zum 3:2 gegen Spanien erzielt hatte. Mit einem Supersolo, das ihm  einen Millionenvertrag bei Atletico Madrid gebracht hatte, wo er mit Superstars wie dem Deutschen Bernd Schuster und dem Portugiesen Paolo Futre spielte. Ein Highlight seines Lebens und seiner Karriere. Die Freigabe von Admira erstritt Rodax vor dem Wiener Arbeitsgericht mit Hilfe der Anwaltskanzlei Amhof&Damian. Atleticos Präsident Jesus Gil y Gil, der elf Jahre auch Bürgermeister von Marbella zwar, zahlte für ihn mehr als 30 Millionen Schilling, das wären aktuell 2,4 Millionen Euro, Ablöse. Damals für österreichische Verhältnisse eine Rekordsumme.

Donnerstag sorgte Rodax wieder für Schlagzeilen. Für tragische. Weil er Selbstmord beging, sich Stunden vor dem Anpfiff zum 1:0 gegen Andorra auf der Südbahnstrecke nahe Traiskirchen vor einen Zug stellte. Der 57 jährige soll gewusst haben, unheilbar krank zu sein. Ob die Erinnerung an Malaga für ihn der letzte Anstoß war, seinem Leben ein Ende zu bereiten? Keiner wird das je erfahren. Jedenfalls kommen einem dabei erschütternde Parallelen in den Kopf. Auf die gleiche Art wie jetzt Rodax, beging einer seiner Förderer, Ernst Weber, 2011 Selbstmord. Auch auf den Geleisen der Südbahnstrecke. Weber war der Trainer von Rodax bei der Admira von 1988 bis 1990. Eine Zeit, in der er mit 35 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga und Österreichs Fussballer des Jahres war, alle vier Tore bei Admiras 4:1 in der Südstadt gegen Rapid erzielte. Womit er Hans Krankl gleich im ersten Bundesliga-Auswärtsspiel als grün-weißer Trainer einen Tiefschlag versetzte. Nur ein fast unheimlicher Zufall, dass elf Jahre nach Weber, der damals Damen-Teamchef war, auch Rodax diese Art von Selbstmord wählte? Er fuhr mit seinem Auto bis an die Geleise, stieg aus, wartete auf den heranrasenden Zug. Dies tat vor 13 Jahren auch der deutsche Teamtorhüter Robert Enke, der an Depressionen litt, nahe von Hannover.

Der sympathische und immer bescheidene „Hartl“, der sich selten in den Mittelpunkt stellte, investierte die in Spanien verdienten Millionen in ein Tenniszentrum, das er bis zuletzt in Traiskirchen betrieb. Im Jänner 1992 wechselte er von Atletico Madrid, wo zwei Derbytore gegen Real in Erinnerung blieben, zu Rapid, nach dem Vertragsende pausierte er ab Sommer 1993 drei Jahre, ehe er mit 31 seine letzte Saison bei Admira anhängte, mit der seine Karriere endete. 30 Länderspiele bestritt er für Österreich, erzielte dabei drei Tore. Eines bei Österreichs bisher letztem Sieg bei einer WM-Endrunde, beim 2:1 gegen die USA 1990 im Stadio Communale von Florenz, zum 2:0. Damals gehörte er zu den schnellsten Stürmern in Europa.

Foto: APA.

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