Fußball

Stögers Happy End nach Entschuldigung im Schatten des Island-Wahnsinns

Das Glück, das Peter Stöger diese Saison beim 1.FC Köln fehlte, kam  beim Heimdebüt in Dortmund zu ihm zurück. Er selbst bezeichnete das  2:1 (1:1) gegen Hoffenheim realistisch als nicht unbedingt zwingend. Das Siegestor durch den Amerikaner Christian Pulisic fiel erst in der 89. Minute. Mit der Pulisic-Karriere hat auch Stögers Wiener Freund und ehemaliger Mitspieler, Andi Herzog, etwas zu tun: Er forcierte ihn als Olympia-Teamchef  der USA, brachte ihn in die Nationalmannschaft. Jetzt sorgte er dafür, dass Stöger als Trainer erstmals in Dortmund gewann. Mit Köln gab es in vier Anläufen drei Unentschieden und ein 0:5.

Stögers viel diskutierter schneller Wechsel beherrschte auch Samstag die Medienszene. Auf Seite eins von „FussballBild“ meinte das Kölner Idol Lukas Podolski: „Es kann nicht sein, dass Stöger wie ein Verbrecher dargestellt wird.“ Aber am Nachmittag rechnete Kölns neuer Sportchef Armin Veh vor dem ersten Bundesliagsieg dieser Saison, dem 1:0 gegen Wolfsburg, mit Stöger ab, warf ihm via „Sky“ vor, eine mental, vor allem körperlich schwer angeschlagene Mannschaft hinterlassen zu haben: „Wenn es in 14 Runden nur drei Punkte, aber 13 Verletzte gibt, dann stimmte irgendetwas nicht.“ Dazu wurde Stöger  zweieinhalb Stunden später vor dem Anpfiff in Dortmund ebenfalls auf „Sky“ um eine Antwort gebeten. Die endete völlig überraschend, aber unironisch mit einer Entschuldigung: „Wenn er die Situation so einschätzt, tut es mir leid. Wenn er nach Köln gekommen ist und meine Arbeit so beurteilt, dann möchte ich mich entschuldigen.“  150 Minunten später feierten die Dortmund-Fans Stöger, sangen glücklich: „Der BVB ist wieder da.“ Mit sechs Punkten in zwei Stöger-Spielen.

Hoffenheim mit Stögers Landsleuten Florian Grillitsch und Stefan Posch erwies sich vor der Pause als besser, ging auch in Führung. Nach der Pause applaudierte Stöger Pierre Emerick Aubameyang für den Ausgleich aus einem von Posch verschuldeten Elfmeter, fiel er Sportchef Michael Zorc nach dem späten Siegestor jubelnd um den Hals: „Ein Quentchen Glück gehörte dazu“ gestand er, hoffte auf das Frühjahr und die Rückkehr einiger Verletzten wie Marco Reus oder Mario Götze: „Ich kann mir vorstellen, dass es eine richtig gute Mannscaft wird. Ich genieße die Zeit hier.“

 

Abgesehen von Stöger gab genug anderen Gesprächsstoff. Die letzte Runde des Jahres war eine der Nachspielzeit. Mit der Krönung sensationeller Aufholjagden oder einem gehaltenen Elfmeter. Mit dem Bayerns Tormann mit Stuttgart-Vergangenheit, Sven Ulreich, dem Meister das 1:0 bei seinem ehemaligen Klub rettete, das der eingewechselte Thomas Müller in der 79. Minute erzielte, bei dem David Alaba erst ab der 81. Minute zum Einsatz kam. Trainer Jupp Heynckes schonte ihn für den Cupschlager am Mittwoch gegen Borussia Dortmund. Das mitreißendste Spiel gab es dort, wo man es am wenigstens erwartet hätte: Bei Augsburgs 3:3 mit den Österreichern Martin Hinteregger und Michael Gregoritsch gegen Freiburg. Mit einem isländischen Hauptdarsteller: Alfred Finnbogason (oben rechts). Er sorgte in der ersten Minute für die schnelle Führung, Gregoritsch vergab neun Minuten später aus drei Metern den Sitzer zum 2:0. Damit drehte sich das Spiel. Freiburg führte bis in die Nachspielzeit 3:1, ehe zwei Kopfballtore von Finnbogason für den Ausgleich sorgten. Der erste isländische Dreierpack in der Bundesliga. Zum dritten Treffer kam die Flanke von Gregoritsch.

Zum Spezialisten für Aufholjagden entwickelt sich Schalke mit Guido Burgstaller. Vor vier Runden im Kohlenpottderby bei Borussia Dortmund  von 0:4 auf 4:4, wobei Guido Burgstaller das Signal setzte, Naldo in der Nachspielzeit alles vollendete. Gestern bei Eintracht Frankfurt spielte der Tiroler Alessandro Schöpf erstmals in dieser Saison von Beginn an, scheiterte  knapp vor der Pause bei der Chance auf das 1:1 an einem Superreflex von Frankfurts finnischem Teamtorhüter Lukas Hradecky. Schalke lag bis zur 81.Minute 0:2 zurück, ehe ein Burgstaller-Pass dem Schweizer Breel Embolo sein erstes Bundesligator ermöglichte. Für das Happy End sorgte in der Nachspielzeit wieder Abwehrchef Naldo. Jetzt ist Schalke elf Spiele ungeschlagen, hat trotzdem elf Punkte Rückstand auf Bayern. Die dritte Aufholjagd gelang  Mainz bei Werder Bremen: Nach 17 Minuten 0:2 zurück, Ausgleich in der 92. Minute. Werder spielte daheim  nur auf Konter. Eine  Reaktion auf die Ausfälle der wichtigsten Offensivspieler wie  Zlatko Junuzovic und Torjäger Max Kruse? Florian Kainz hatte eine starke erste Hälfte. Sein Austausch kam nach 76 Minuten, kurz nach dem Mainzer Anschlusstor. Werder überwintert am Relegationsplatz.

In England Premier League lachte nur ein Österreicher: Marko Arnautovic bei der Rückkehr mit West Ham nach Stoke. Das Österreicher-Duell gegen Kevin Wimmer ging klar an ihm. West Ham verließ mit einem 3:0 (1:0) die Abstiegsplätze, überholte Stoke, ist jetzt 15. Arnautovic erzielte sein  zweites Saisontor. Eine Viertelstunde vor Schluss zum 2:0. Die Krönung eines starken Auftritts mit Ausnahme der Chancenverwertung. Die ersten fünf ließ er aus, danach traf er die Stange. Vier Minuten nach seinem zweiten Saisontor tauschte Trainer David Moyes ihn gegen den Mexikaner Chicharito aus, ein verärgerter Stoke-Fan warf Arnautovic beim Abgang seinen Schal nach. Lippenleser wollten auch Beschimpfungen von Stoke-Trainer Mark Hughes gegen Arnautovic erkannt haben, als sein ehemaliger Spieler unter Begleitschutz in die Kabine ging. Arnautovic gab nachher keine Interviews, war der einzige österreichische Sieger in der Premier League. Sebastian Prödl ging daheim mit Watford gegen Aufsteiger Huddersfield 1:4 unter, Aleksandar Dragovic und Christian Fuchs sahen Leicesters 0:3-Heimdebakel gegen Crystal Palace von der Bank aus. Eine Liga darunter, in der Championship, ist Andi Weimann mit Derby County beim Kampf um die Aufstiegsplätze dabei, jetzt auf Platz vier. Weimann erzielte beim 2:0 gegen seinen Ex-Klub Aston Villa die Führung. Wie bei Arnautovic das zweite Saisontor.

Foto: Instagram.

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