Fußball

Stunde der Wahrheit: Massenbesuch bei Vienna – Stripfing

Wenn ORF Sport + direkt ein Spiel der Regionalliga Ost überträgt, dann muss das etwas Besonderes ein. Samstag ab 17 Uhr passiert dies, wenn Vienna auf der Hohen Warte Stripfing zum Spitzenduell empfängt. Beide gaben bei der Bundesliga Lizenzanträge für die zweite Liga ab. Sie sind punktegleich, Stripfing, der Klub aus einer Marchfeldgemeinde mit 300 Einwohnern, hat die bessere Tordifferenz. Vienna erwischte den besseren Start ins Frühjahr durch den 2:0-Auswärtssieg über die Wiener Viktoria von Toni Polster. Winterkönig Stripfing geriet daheim gegen Neusiedl in der Nachspielzeit in Rückstand, schaffte noch den Ausgleich zum 1:1. Sicher scheint, dass dieses Prestigeduell mehr Zuschauer anlocken wird als zur gleichen Zeit in der Bundesliga die ersten zwei Partien der Qualifikationsgruppe zwischen Admira und Ried in der Südstadt sowie zwischen Altach und Hartberg im Ländle. Markus Katzer, Viennas Sportchef mit Admira- und Rapid-Vergangenheit, erwartet 4000 Zuschauer zum Schlager in Döbling, vorsichtigere „Experten“ in Blau-Gelb 3000. Beide Zahlen wären für Regionalliga-Verhältnisse beachtlich.

Es wird auch ein „Zweikampf“ zwischen verhinderten Rapid-Präsidenten. Erich Kirisits wurde in Hütteldorf vor neun Jahren als Kandidat für die Nachfolge von Rudi Edlinger nicht ganz fair ausgebremst. Da half es auch nicht, dass der Jahrhundert-Rapidler als Vizepräsident auf seiner Liste stand. Jetzt hat der erfolgreiche Geschäftsmann Kirisits den Ehrgeiz, Stripfing in die zweite Liga zu bringen. Roland Schmidt bekam bei Rapid 2019 als Kandidat für die Nachfolge von Michael Krammer auf der Generalversammlung weniger Stimmer als Martin Bruckner, wechselte danach mit seinem Unternehmen Immo United auf die Hohe Warte. Danach reizte es ihn,  nach Leo Windtner ÖFB-Präsident zu werden, bekam aber im Wahlkomitee im zweiten Durchgang nicht die Mehrheit. Gemeinsam mit Viennas Sponsor Uniqa und dessen Chef Kurt Svoboda heißt das Ziel Rückkehr in die Bundesliga.

Im Winter rüstete zunächst die Vienna groß auf, Stripfing zog nach. Bei Viennas Sieg am letzten Samstag gehörten sieben Spieler mit Bundesligaerfahrung zur Startelf: Mit Tormann Andreas Lukse (34), Jiri Lenko (36) Stephan Auer (31).  Lukas Grozurek (30, Bild oben) und Deni Alar (32) fünf Ex-Rapidler, dazu Ex-Austrianer Tomas Simkovic (34)  und Daniel Luxbacher (29) Bei Stripfing haben Petar Gluhakovic (26/Austria), Thomas Weber (28/Admira), der Sohn von Ex-Rapidler Franz Weber, Christian Gärtner (27/Mattersburg, Admira, auch Legionär bei Fortuna Düsseldorf, Duisburg und Alemannia Aachen) sowie der 30 jährige Slowene Patrick Eler (Ried, Wacker Innsbruck) in der Bundesliga gespielt, im Jänner kam mit dem Mittelfeldspieler Nikola Gataric ein Mann aus der höchsten slowakischen Liga. Hans Kleer, bei Stripfing Trainer und Sportchef in Personalunion, war schon Trainer in der zweiten Liga (Austria Lustenau),  ist mit 42 Jahren um 15  älter als sein Gegenüber, Viennas  Alexander Zellhofer. Mit der Vienna wurde Kleer 2017 in der Regionalliga Meister, die  blau-gebe Insolvenz verhinderte den Aufstieg. Zu Kleers Mannschaft zählten damals Katzer und Kursat Güclü, der jetzt bei Stripfing ist. Katzer spielte zu seinen Admira-Zeiten mit Weber zusammen, von seinen Neuerwerbungen bei Rapid mit Lukse, Alar und Grozurek, bei Admira mit Auer. Interessante Konstellationen vor der Stunde der Wahrheit: Ist Viennas Weg mit den Routiniers der richtige? „Wir sind jünger und billiger“, stichelte Kirisits. Fällt Samstag schon die Vorentscheidung über den Aufstieg? „Der Sieger hat auf jeden Fall einen psychologischen Vorteil. Wenn Stripfing aus den ersten zwei Runden nur einen Punkt holt, hinterlässt das Spuren. Wir wollen es wissen“, versicherte Katzer.

 

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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