Die letzte Runde der zweiten Liga stand auch im Zeichen der tiefen Trauer um Alfred „Fredl“ Tatar. Dienstag begann die Vienna mit dem Verkauf der Sonderedition Alfred Tatar, deren Reinerlös der ALS-Forschung zugutekommen wird. Nur zwei Tage später wurde der Tod von „Fredl“ bekannt. Ein Opfer von ALS, der Erkrankung des motorischen Nervensystems, die alle Muskeln im Körper lähmt. Die Diagnose erhielt der 62 jährige vor eineinhalb Jahren. Deshalb endete seine Tätigkeit bei „Sky“ als Experte, der einzigartig war. Weil bei allen Analysen auch stets ein Schuss Ironie und Humor dabei war. Deshalb bekam er Kult-Statuts, erinnert sich auch Marc Janko gerne an jeden der gemeinsamen „lustigen Momente“ mit Tatar zurück. Einer von Tatars letzten Tätigkeiten war bei „Heimspiel Wiener Viktoria“ im Februar 2025, einer Sky-Dokumentation über den Wiener Regionalligaklub, bei dem Tatars Freund Toni Polster seit Jahren Trainer ist.
Überall, wo er Spieler oder Trainer war, herrschte Trauer und Betroffenheit. Tatar spielt 1983 bei der Junioren-WM in Mexiko unter anderem mit Polster, Andi Ogris, Franz Wohlfahrt und Rupert Marko. Österreich erzielte damals in der Vorrunde kein Tor und schied krachend aus. Später bei Vienna mit Mario Kempes, der ihn als Partner voll akzeptierte. Tatar war auch Spieler beim Wiener Sportklub und St. Pölten. Er kostete mit seinen speziellen Ideen manchem Trainer Nerven. So war er sich während seiner Sportklub-Zeit auch nicht zu schade, als Straßenmusiker mit der Gitarre in der Kärntner Strasse „aufzutreten“. Er war halt immer für Überraschungen gut – auch später, selbst als Trainer oder dann mit seinen Sky-Kommentaren. Als Trainer begann er als Assistent des ehemaligen Austria-Legionärs Rashid Rachimow bei Admira, Lok Moskau und Ankar Perm, später war er Cheftrainer bei Ried, der den Kassenerhalt in der Bundesliga schaffte und der Vienna. Unvergesslich ist noch heute ein Rededuell zwischen Ried-Trainer Tatar und dem damaligen Sturm-Graz-Präsidenten Hannes Kartnig. Jahrzehnte später wurde 1922 auf Schloss Hartberg eine Neuauflage davon organisiert.
Die Vienna spielte beim 2:0-Heimsieg gegen Bregenz mit einem Trauerflor, es gab vorher eine Schweigeminute für „Fredl“ und danach langanhaltenden Applaus. Auch bei St. Pölten gab es vor dem Anpfiff zum 1:0 gegen Hertha Wels eine Gedenkminute für Tatar.
Foto: Sky Sport Austria.