Fußball

Verfahren gegen LASK: Geständnis bei Krimi um Tabellenführer im Zwielicht

Das hat der Bundesliga zwei Tage nach dem grünen Licht für einen Neustart durch die Politik gerade noch gefehlt: Der Eklat um den Tabellenführer LASK  bedeutet nicht nur einen Riesenschaden für das positive Image der Linzer, das sie sich in den letzten Jahren aufbauten, sondern auch für die ganze Fußballszene. Donnerstag um 15.23 Uhr machte die Pressestelle der Bundesliga das offiziell, was seit letzter Woche in nicht verifizierbaren Gerüchten im Linzer Umfeld behauptet wurde: Der LASK hält sich nicht an die Vorgaben, die nur Kleingruppentraining ohne Körperkontakt wie am Bild oben erlauben, sondern absolviert in der ohnehin schwer einsehbaren und dazu noch verhängten Paschinger Raiffeisen-Arena ein Mannschaftstraining mit Zweikämpfen. Die Bundesliga erhielt Videos, auf denen dies klar zu erkennen ist. Woher die kamen, blieb offen. Jedenfalls eröffnete der Senat eins prompt ein Verfahren gegen den Tabellenführer wegen Verstoß gegen das Fairplay, forderte den LASK zur Kenntnisnahme auf, will den Sachverhalt rasch klären.

Sieben Minuten nach der Bundesliga-Aussendungen begannen die meisten der elf Klubs, im Minutentakt ihre Empörung über die Linzer auszudrücken. Zuerst Admira und Red Bull  Salzburg. Admiras Präsident Philip Thonhauser, Chef des Aufsichtsrats der Bundesliga, in dem auch LASK-Boss Siegfried Gruber sitzt, zeigte sich befremdet, dass sich der LASK einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollte, und erschüttert. In der gleichen Minuten konstatierte Salzburgs Geschäftsführer Stephan Reiter, dass sich offenbar nicht alle Klubs und Personen der großen Verantwortung in der Ausnahmesituation bewusst sind. Eine Minute später forderten die Austria-Vorstände Markus Kraetschmer und Peter Stöger ein konsequentes Vorgehen gegen die Linzer, deren Verhalten sie als pures Gift bezeichneten, als einfach nur disziplinlos und egoistisch. St.Pöltens Manager Andreas Blumauer verlangte vorsichtig nur die vollständige Klärung des Sachverhalts, die Geschäftsführer von Rapid, Zoran Barisic und Christoph Peschek, sahen Konsequenzen als notwendig an, weil das Handeln des LASK die Fortführung des Sports gefährde. Thomas Tebbich von Sturm nannte es  inakzeptabel, Altachs Geschäftsführer Christoph Längle machte es wütend, weil es dem Fußball schadet.

Das Verhalten der Linzer Chefetage in Corona-Zeiten sorgte nicht zum ersten Mal für Aufregung. Konnte man für den Ärger von Gruber, in der Europa League gegen Manchester United ohne Zuschauer spielen zu müssen, noch verstehen, weil zwei Tage zuvor RB Leipzig vor vollen Rängen, sprich 42.000 Zuschauern Tottenham eliminieren konnte, sorgte erstmals seine verbale Attacke gegen UEFA-Boss Aleksandar Ceferin für Verwunderung. Auch weil Gruber als Vertreter der Bundesliga zum ÖFB-Präsidium gehört. Dann sprach er sich entgegen den Richtlinie der Liga für einen Abbruch der Saison aus, fand dafür sogar Mitstreiter, etwa in Tirol. Dann begannen die Linzer entgegen Absprachen mit den anderen Klubs einen Tag früher mit dem Training auf Rasen, An dem Tag äußerte Vizepräsident Jürgen Werner moralische und ethische Bedenken gegen die Fortsetzung mit Geisterspielen. Die er lezten Montag nach eigener Aussage nicht mehr hatte. So verspielt man  Sympathien. Erst recht, wenn sich die jüngsten Vorwürfe bezüglich des Training bestätigen. Jedenfalls rief der LASK bereits vor zwei Wochen das Verwaltungsgericht gegen die Verordnung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober an, die nur das Training in kleinen Gruppen erlaubte. Das gibt aber einem nicht das Recht, sich daran nicht zu halten. Letzten Freitag kam eine Funkstreife nach Pasching, um zu kontrollieren, ob nach den Vorgaben trainiert wurde. Fand aber keinen Grund, einzugreifen.

Eine Stellungnahme des LASK zu den Vorwürfen gab es bis Donnerstag Abend nicht. Weder auf der Homepage noch durch eine Aussendung. Bereits vor der Verlautbarung der Bundesliga ließen die Linzer durch  Geschäftsführer Andreas Protil wissen, dass in der Nacht auf Mittwoch, genau um 3.22 Uhr, zwei vermummte Gestalten in die Raiffeisen-Arena einbrachen und unter anderem dabei eine Kamera anbrachten.  Das wird durch die Bilder eines Überwachungsvidoes belegt. Der LASK erstattete Anzeige bei der Polizei, erwartet die Ausforschung der Täter. Stammen die Bilder, die die Bundesliga zum Handeln zwangen, aus der von den Einbrechern angebrachten Kamera, die zu spät, vielleicht erst nach dem Mittwoch-Training entdeckt wurde, um den Skandal vertuschen zu können? Das bleibt eine offene Frage in dem sehr entbehrbaren Krimi um den ins Zwielicht geratenen LASK, der nach 20 Uhr doch mit einer Stellungnahme samt Geständnis reagierte. Darauf hinwies, die Spieler mehr Corona-Tests unterzogen zu haben als jeder andere Bundesligaklub. Daher habe es bei diesem von der bei dem Einbruch angebrachten Kamera gefilmten Training keinerlei Ansteckungsgefahr gegeben, sei weder ein Spieler noch eine andere Person gefährdet gewesen. Keinesfalls habe man sich dadurch, wie jetzt unterstellt werde, einen Wettbewerbsvorteil zu erschleichen versucht. Man werde mit dem Senat eins der Liga in jeglicher Form kooperieren und ansonst keinen Kommentar mehr dazu abgeben.

ÖFB-Präsident Leo Windtner forderte mit voller Schärfe vorzugehen, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, was sie seit Donnerstag Abend durch das LASK-Geständnis sind.  Die ÖFB-Rechtsordnung sieht bei Verstößen gegen das Fair Play unter anderem eine Geldstrafe bis zu 75.000 Euro vor, ein Funktionsverbot bis zu einem Jahr, Speile unter Ausschluss des Publikums, die es in Corona-Zeiten ohnehin gibt oder sogar einen Punkteabzug. Der aber sicher übertrieben wäre. Der Titelkampf sollte am grünen Tisch entschieden, nicht durch den Senat eins beeinflusst werden. Sicher kann man sein, dass dies keine Soloaktion von Trainer Valerien Ismael war, sondern dies mit Rückendeckung aus der Chefetage geschah.

In der Riesenaufregung um den LASK ging die Lizenzerteilung für die kommende Saison total unter. Das gab´s durch die Corona-Erleichterungen  wenig aufregendes, wie erwartet ein Durchwinken. Für die Bundesliga wurden sogar 17 Lizenzen vergeben. Fünf an Zweitligisten, an Wacker Innsbruck, Ried, Austria Lustenau, Austria Klagenfurt und den GAK, sofern sie die sportliche Qualifikation erbringen. Irgendwie paradox, weil sich Austria Lustenau und der GAK bisher den Abbruch der zweiten Liga forderten. Die Zulassung zur zweiten Liga bekamen mit der zweien Mannschaft von Rapid und den Amateuren von Sturm Graz auch zwei Teams aus den Regionalligen die darum ansuchten. Nicht aber Hertha Wels, weil die sportlich Voraussetzung fehlt. Für Blau Weiß Linz setzte es wegen Nichterfüllung der Fristen einen Abzug von drei Punkten für die kommende Saison.

Foto: LASK.

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