Fußball

Warum Canadi doch alles überstehen wird

Erstmals sind alle vier  Spiele des österreichischen Cup-Semifinles live im TV oder auf Live-Stream zu sehen. Den Anfang machen heute zwei der drei Klubs, die nicht aus der Bundesliga kommen: Grödig, letzte Saison aus der Bundesliga freiwillig in die Regionalliga West abgestiegen, dort in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Anif an der Spitze, obwohl Obmann Christian Haas den Aufstieg wegen der dann leichteren Lizenzbestimmungen erst für 2018 plant. Grödig fordert den Tabellenführer der Ersten Liga, den LASK, der sich endlich voll auf Kurs Richtung Bundesliga befindet. Zur Prime Time ist Mittwoch Abend auf ORF 1 St. Pölten gegen Rapid zu sehen.  Den nächsten grün-weißen Anlauf zum ersten Cupsieg vor 22 Jahren in der  Ära von Ernst Dokupil, dem viele Blamagen (Stichworte Kottingbrunn, Ranshofen, Pasching) folgten. In den tipp 3-Quoten auf den Cupsieger 1997 (sehe unten) kommt Rapid hinter Titelverteidiger Salzburg und Austria auf Platz drei – aber vor St. Pölten.

Das Duell ist  eine  Chance, die Saison zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Mit einer Niederlage wäre alles vertan. Auch für den Trainer? Wer nach den Worten von Sportchef Fredy Bickel am Samstag gleich nach dem 1:1 von St. Pölten noch immer dran glaubte, dass Rapid so außer Rand und Band ist, um zwischen Meisterschaft und Cup den Trainer zu wechseln, war selbst daran schuld. Mehr als zu sagen, dass Canadi auch Mittwoch auf der Bank sitzen wird, ging nicht. 24 Stunden später bekräftigte der Schweizer beim „Talk und Tore“ auf Sky  noch den festen Glauben, dass er Mittwoch Abend gegen  22.30 Uhr oder bei Verlängerung noch später nicht das Gefühl haben wird, dass es mit Canadi nicht mehr weiter geht. Versicherte, ohne diesen Gefühl hätte er schon gehandelt. Er zeigte auch etwas Verständnis dafür, dass mit Canadi während der Teampause die Emotionen in Form von falscher, unglücklicher Wortwahl durchgingen.  Ob dies  durch einen „Rüffel“ von Präsident Michel Krammer abgestellt wurde oder die Folge einer Aussprache des Spielerrats mit Krammer, in der Steffen Hofmann, Steffen Schwab und Mario Sonnleitner in Beisein des Traineers kund taten, was der Mannschaft nicht passte, ist letztlich egal.

Canadi wird die Stürme überstehen, Mittwoch das Cupsemifinale und Samstag das Gastspiel beim Schlusslicht Ried. Egal, ob zwei Siege gelingen oder nicht. Ein Grund liegt auf der Hand: Bei der überstürzten Trennung von Mike Büskens  im November konnten Präsident Michel Krammer, Vorstand Christoph Peschek und das Präsidium noch mit Sportchef Andreas Müller argumentieren. Ihr Schutzschild sozusagen. Weil der Büskens als alternativlos zu Zoran Barisic angepriesen hatte. Aber jetzt bei Canadi fehlt das Schutzschild. Als ihn Rapid aus dem Vertrag bei Altach herauskaufte, gab es keinen Sportchef. Canadi war der offiziell  einstimmige Präsidiumswunsch. Die  Sportexperten, die Canadis Verpflichtung empfohlen hatten, verriet Krammer bisher noch nicht. Also würden sich Krammer und das Präsidium mit der Trennung selbst an den Pranger stellen. Wer macht das gerne?

Und dann muss die Frage erlaubt sein, ob sich Rapid es leisten kann, Canadi  bis Sommer 2018 zu bezahlen. Nicht nur wegen der  Millionentransfers zur Eröffnung des neuen Stadions. Die Einigung mit Barisic, der einen Zweijahresvertrag hatte, kostete letzten Sommer Geld. Die mit Müller noch mehr, weil der ansonst noch bis 2019 auf der Gehaltsliste gestanden wäre. Und die vom verstorbenen ORF-Generalintendanten Gerd Bacher aufgestellte These, dass Abfindungen die beste Investition für eine bessere Zukunft sind, hat irgendwann auch seine Grenzen.

Drittens stellt sich die Frage nach den Alternativen. Andreas Herzog und Didi Kühbauer (die Reihung erfolgte nach dem Alphabet) wären zu haben, auf Grund ihrer Rapid-Vergangenheit reizvolle Lösungen. Aber die Frage ist, wie sehr sie das reizt, sobald sie erfahren, dass am vorhandenen Kader nicht viel zu verändern sein wird. Wegen laufender Verträge und  weil die finanziellen Möglichkeiten infolge der Trainerabfertigungen beschränkt sind. Die könnte man nur durch Verkäufe aufbessern. Wenn Louis Schaub eines der Angebote aus Deutschland annimmt oder Stefan Schwab Ja zu England sagt, wo er gefragt ist. Aber da beisst sich wieder die Katze in den Schwanz.

Bei Österreichs WM-Qualifikationsspiel gegen Moldawien sah man Krammer im Gespräch mit Thomas Hickersberger, dem Sohn des Teamchefs. Der war  intern sehr geschätzter Assistent von Barisic, weiss, wie man die Mannschaft anpacken muss, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Er steht weiterhin auf Rapids Gehaltsliste. Nur fühlt er sich noch nicht zum Chef berufen. Das hatte schon Altachs Sportchef Georg Zellhofer erfahren, als er ihn auf Canadis  Nachfolge angesprochen hatte. Bickel hatte recht, als er Sonntag fast wehmütig in die Kameras sagte: „Wenn man so etwas wie einen Trainerwechsel tun muss, verliert immer der ganze Verein“. Bei Young Boys Bern war er nicht darum herumgekommen.

 

 

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