Fußball

Wenn die Manager-Legende Willi Lemke Rapid besucht: „Fußball muss für alle bezahlbar sein“

Er gilt in der deutschen Bundesliga als einer der erfolgreichten Manager der Gschichte. 73 Jahre ist Willi Lemke inzwischen geworden, wirkt trotzdem noch immer frisch und jugendlich wie in seiner Zeit bei Werder Bremen von 1981 bis 1995, wo er mit der Trainerlegende Otto Rehhagel zusammen sechs Titel holte. Unvorstellbar in Zeiten wie diesen. Sogar einen Europacup gewann Bremen damals, den der Ciupsieger. Bis vor drei Jahren war Lemke Sonderberater für Sport im Dienste der United Nations, dazu im Aufsichtsrat von Werder Inzwischen ist Lemke Privatier. Dienstag kam er nach Wien. Als Gast der Wiener Bildungsakademie sprach er über die Werte des Sports, besonders über den Fußball. Seine Wiener Freunde führten ihn auch ins neue Hütteldorfer Allianz-Stadion zu Rapid. Die Parallelen mit Werder liegen auf der Hand: Die Klubfarben grün-weiß, mit 1899 auch das gleiche Gründungsjahr,

„Ein wunderschönes Stadion, muss eine tolle Atmosphäre sein“, lobte Lemke und meinte im Rapid-TV anerkennend, wenn man die Kostenexplosion bei anderen Stadien, auch in Deutschland betrachte, dann sei das für ein „Appel und ein Ei“ erreichtet worden. So nennt man im Norden der Bundesrepublik einen Apfel und ein Ei, was bedeutet kostengünstig bauen. Natürlich redete Lemke auch über die Ex-Rapidler die er nach Bremen holte, über Andi Herzog und Heimo Pfeifenberger. Speziell von Herzog, mit dem Lemke zwei seiner sechs Titel gewann, schwärmt er: „Eine der herausragendsten Mittelfeldregisseure, die Werder je hatte, ein überragender Mensch.“ Daher wird er Herzog auch nächste Woche die Daumen halten, dass er im Happel-Stadion als Israels Teamchef  Österreich schlagen kann. Mutig, dass gerade in Wien zuzugeben.

Lachend erzählte Lemke Episoden von Herzog und Pfeifenberger. Die von Herzig handelte aus der  Saison von Österreichs Rekordspieler bei Bayern München, in der nicht glücklich wurde. Beim Match in Bremen war er nur Ersatzspieler bei Bayern, kam daher später als die Startelf zum Aufwärmen auf den Rasen. Als Beifall von den Rängen ertönte, dachte er, der gelte dem damaligen Bayern-Trainer, „Kaiser Franz“ Beckenbauer, der in seiner Nähe stand. Erst als „Andi, Andi, Andi“-Sprechchöre ertönten, wusste er, dass es um ihn ging: „Da  kam Andreas spontan zu mir und hat gemeint, wenn es irgendwie möglich ist, komme ich nach Bremen zurück.“ Wenige Wochen später war es so weit. Bei Pfeifenberger erinnerte er sich an eine Geschichte rund um das Ablösepiel bei Austria Salzburg, von wo ihn Bremen auf Herzogs Empfehlung holte: „Als er nach dem Match in unseren Bus stieg, standen einige Mädchen davorr und brüllten: Heimo wir lieben dich.  Das skandierte danach  alle im Bus. Und Heimo bekam eine gewaltige rote Birne.“

Ernster wurde es, als Lemke um die Werte im Fußball sprach. Fritz Keller, den neuen Präsident des DFB, der zuvor Boss beim SC Freiburg war, hatte er schon eine Woche öffentlich aufgefordert, der Gier der Klubs Einhalt zu gebieten: „Die Fans sollen nicht ein sechstes TV-Abo abschließen müssen, damit alle noch mehr abkassieren.“ Damit meinte er  Spieler, Funktionäre, Berater: „Der Fußball muss für alle bezahlbar sein, da muss man ein bisschen auf die Bremse treten.“ Das sind Worte, die bei einem Klub wie Rapid ein offenes Gehör finden. Besonders bei dem seit letzter Woche wieder einmal ins Gerede gekommenen Fanblock, der sich stets den Kampf gegen den Kommerz auf seine Fahnen geheftet hat.

Foto: SK Rapid Wien Media.

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