Fußball

Wie sich Martin Bruckner von seinem Vorgänger unterscheiden wird

Kaum war Martin Bruckner Montag Abend, genau 77 Minuten vor Mitternacht,  neuer Rapid-Präsident, hatte er sich mit seinem Präsidium den Fotografen gestellt (Bild oben), da verschickte die grün.weiße Pressestelle schon ihren ersten Reaktionen. Wirkte alles wie vorbereitet. Und auch die des geschlagenen Roland Schmid, der nochmals bekräftige, was er schon immer sagte, nämlich Premiumsponsor, der eine Loge gemietet hat, zu bleiben. Philipp Newald, der neue Finanzreferent, bekräftigte, genau zu wissen, wo es jetzt notwendig sei, anzupacken. Monisha Kaltenborn will ihre Verbindungen, unter anderem aus der Formel 1-Zeit, benützen, um beim Sponsoring mitzuhelfen, Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister alle Erfahrungen aus ihrer herausragenden Skikarriere einfließen lassen, zumal ja grünes Blut in ihrer Adern fließe, Gerald Willfurth war sich der Ehre bewusst, als ehemaliger Spieler zur Führungsgarnitur zu gehören, freute sich auf die Zuammenarbeit mit Sportvorstand Zoran Barisic.

Bruckner selbst wirkte bei aller Freude auch nachdenklich. Was für ihn spricht. Wegen des knappen Vorsprung von nur 133 Stimmen. Da fast tausend Mitglieder der Liste Grün-Weiß von Schmid samt ihren Rufen nach Erneuerungen folgten, wusste er, dass man das nicht ignorieren, einfach zur Tagesordnung übergehen dürfe. Darüber muss und wird er nachdenken. Auch über die Möglichkeit, dass möglicherweise  der Aufruf der Ultras,aus der Fanszene, ihn zu wählen, für den knappen Vorsprung sorgte, Einen der „Häuptlinge“ der Ultras dankte Bruckners Vorgänger Michael Krammer vor allen Mitgleideern in seiner letzten Rede. Was manche als grenzwertig empfanden. Wie Bruckner mit dem Fansektor kommunizieren wird,  könnte zur einer der Nagelproben einer Ära werden. Vorerst deutet Bruckners Satz, „ich lasse mir die Fans nicht schlecht reden“ darauf hin, dass sich nicht viel ändern wird.

Aber man tut Bruckner unrecht, wenn man prophezeit, er werde sich nicht von Krammer unterscheiden. Kein Zweifel, er wird bei der von ihm angekündigten Veränderung mit dem richtigen Augenmaß neue Akzente setzen. Mit dem geplanten Satzungskonvent, der Rapid ein rechtliches Korsett für das dritte Jahrtausend verpassen soll, werden die Fans nicht viel anfangen können, auch wenn sie daran „beteiligt“ werden sollen. Die von Barisic noch als Trainer vor sechs Jahren mit dem damaligen Sportchef Helmut Schulte ausgearbeitete grün-weiße Spielphilosophie soll nochmals aktualisiert und dann via Präsidium zum „Evangelium“ erhoben werden. Bruckner will sich nach einer Einstandsrunde durch die Redaktionen medial zurücknehmen, es den Geschäftsführern Christoph Peschek und Barisic überlassen, Stellung zu beziehen. Außer es brennt wirklich.

„Ich bin bereit, Rapid wieder erfolgreich zu machen“ bekräftigte er. Dass Wort wieder lässt  den Rückschluss zu, dass Bruckner die Bilanz doch weniger positiv sieht als sie von ihm im Wahlkampf bezeichnet wurde. Damit sich Rapid finanziell stark und langfristig sportlich erfolgreich präsentieren wird, wird beim Finanzexperten Bruckner garantiert nicht so viel Geld „verbrannt werden“ wie zu den Holzwegzeiten Krammers für Trainerentlassungen usw.  Bruckner wird auch keine offene Ohren haben, wenn der Budgetrahmen für Neueinkäufe überschritten werden soll. Da ließ sich Krammer von den Barisic-Vorgängern einige Male dazu breit schlagen, ohne dass diese angeblich so notwendigen Transfers etwas brachten. Ganz im Gegeneil.

Bruckner scheint aber aus Krammers Fehlern gekernt zu haben, bleib trotz Glücksgefühlen „geerdet“. Wohltuend, dass er auf „goscherte“, provokante Kampfansagen in Richtung  Salzburg verzichtete. Obwohl er dafür sicher von den Mitgliedern viel Beifall bekommen hätte. Aber Rapid befindet sich nicht in einer sportlichen Situation, die Kampfansagen erlaubt.

Foto: skrapid/chaluk.

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