Fußball

Wie wichtig und mächtig ist der Aufsichtsrat der Bundesliga?

Seit letzter Woche ist ein Platz im Aufsichtsrat der Bundesliga offen. Durch den Rückzug von LASK-Präsident Siegmund Gruber, der konsequent seine Ankündigung umsetzte, bei einer Verurteilung der Linzer wegen der Trainings-Eklats während der Corona-Pause sein Amt zur Verfügung zu stellen. Worauf Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer Interesse an der violetten Rückkehr nach zwei Jahren Pause in den Aufsichtsrat bekundete. Aber es wird noch mehr Handlungsbedarf in Sachen Aufsichtsrat bestehen. Durch die Konstellation, dass Samstag WSG Swarovski Tirol und Admira am Innsbrucker Tivoli gegen den Abstieg kämpfen. Sowohl die Präsidenten der Tiroler, Diana Langes Swarovski, als auch der von Admira, Philipp Thonhauser, gehören  als Vertreter der obersten Spielklasse zum Aufsichtsrat, Thonhauser sogar als Vorsitzender. Sein Vorgänger hieß Gerhard Stocker. Das konnte der Präsident von  Wacker Innsbruck nur bis zum Abstieg der Tiroler sein. Seither vertritt er ebenso wie Erwin Fuchs von Kapfenberg die zweiten Liga. Also könnt daher sowohl bei Diana Langes oder auch bei Thonhauser ähnliches passieren. Das alles wird bei der nächsten Klubkonferenz ein Thema zu sein.

Die Wiener Klubs sind seit zwei Jahren nicht mehr im Aufsichtsrat vertreten. Einerseits, weil Kraetschmer, der als Vizepräsident auch Vertreter der Liga im ÖFB-Präsidium war, sich auf Empfehlung des Aufsichtsrats der Austria-AG nur mehr auf seinen Job bei Violett konzentrierte, nicht mehr zur Verfügung stehen „durfte“.  Andererseits, weil der damalige Präsident von Rapid, Michael Krammer, abgewählt wurde, Als Antwort einiger Klubs darauf, dass Krammer eine andere Verteilung der TV-Gelder zu Gunsten des Klubs mit den höchsten Zuschauerzahlen und TV-Quoten, also Grün-Weiß, durchgesetzt hatte, Wenige Monate später machten Thonhauser und Gruber Druck wegen der TV-Gelder, Rapid zeigte sich zu einem Kompromiss und einer Abänderung bereit. Jetzt wollen sowohl Austria und Rapid in den Aufsichtsrat zurück, Thonhauser verkündete in einem Sky-Interview via Skype aus dem Raum New York wo er sich aus beruflichen Gründen die meiste Zeit aufhält, er würde eine Erweiterung des Aufsichtsrats suboptimal finden. Es brauche Leute, die den Fokus auf das große Ganze legen.

Die Situation bei Kraetschmer hat sich nicht grundlegend geändert. Bei der Austria stehen zwar jetzt andere Aufgaben im Vordergrund als 2018 rund um die Eröffnung der neuen Generali-Arena, aber die sind mindestens genauso wichtig. Nämlich die Suche nach dem dringendst benötigten startegischen Partner oder Investor, die im vergangeneren Herbst begann, laut Kraetschmer im Normalfall zwischen acht und zwölf Monate beansprucht. Also braucht die Austria noch einige. Derzeit stehe man mit einer zweistelligen Anzahl von Unternehmen aus dem In-und Ausland in Kontakt. Ein Platz in der Qualifikation für die Europa League wäre dabei sicher hilfreich. Seit letztem Jahr hat die Austria AG mit  Peter Stöger einen zweiten Vorstand, der eigentlich nur für die sportlichen Agenden zuständig sein soll, was aber seit langem nicht mehr der Fall ist.  Er muss  auch in Gespräche mit Banken und Sponsoren dabei sein, für positive Stimmung sorgen. Ob er aber großes Interesse an einem Aufsichtsratsmandat hätte? Bei Rapid wäre dies sicher vorhanden, auch wenn das bisher keiner nach außen hin zugab. Interessant, wen Sky-Kommentator Alfred Tatar letzten Samstag im Zuge der Aufsichtsrats-Diskussionen aus dem Studio als Vertreter des grün-weißen Lagers ins Gespräch brachte: Werner Kuhn, ehemals General Manager, jetzt nicht mehr in der ersten Reihe. Aber weiterhin der Mann, der die lukrativsten Sponsorenverträge nach Hütteldorf bringt, derzeit voll in Verhandlungen um die Finanzierung des  Rapid-Trainingszentrums samt Akademie beim Happel-Stadion steht.

Ist der Aufsichtsrat der Liga eigentlich wirklich wichtig und mächtig? Vor allem aus einem Grund: Er kann die für das operative Geschäft zuständigen Vorstände ein-und abberufe. Was in diesem Jahr innerhalb von kurzer Zeit beim ehemaligen Rapid-Finanzchef Raphael Landthaler geschah, wodurch Christian Ebenbauer der alleinige „Frontman“ ist. Eigentlich gibt es im Aufsichtsrat nur einen, der die Vorgaben, unvoreingenommen an die Sache heranzugehen, einigermaßen erfüllt: Das ist der Salzburger Jurist Volker Viechtbauer, ein enger Vertrauter von Red Bull-Boss Didi Mateschitz. Schon deshalb, weil er nicht beim Meister in einer leitenden Funktion tätig ist. Anders als Thonhauser, der bei Admira allerdings das akzeptieren muss, was Sponsor Flyeralarm vorgibt, anders als Frau Langes, anders als Sturm-Präsident Christian Jauk, als früher Gruber, als Fuchs und Stocker. ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer, der auch zum Aufsichtsrat gehört, hat kein Stimmrecht. Insider mit spitzer Zunge behaupten, am besten hätten es die drei Aufsichtsräte, die als Vertreter der Bundesliga zum ÖFB-Präsidium gehören.  Unter anderem, weil sie bei den Spielen der Nationalmannschaft in den Genuss von VIP-Tickets der besten Kategorie kommen.

 

 

 

 

 

 

Foto: Bundesliga.

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