Die Transferzeit hat noch nicht richtig begonnen, läuft noch zweieinhalb Monate bis Anfang September. Doch schon bisher passierten Dinge, die es zuvor nicht gab. Montag etwa das Engagement von Mario Despotovic, den kroatischen Ex-Sportdirektor des ägyptischen Klubs Wadi Degla, als No Name-Trainer bei Ried. Dienstag konnte Altachs Sportdirektor Philipp Netzer etwas Neues bieten, das interessanter und erfolgversprechender wirkt: Erstmals kommt der Schützenkönig der Singapur Premier League nach Österreich. Der 21-jährige Japaner Shingo Nakanao (Bild) erzielte letzte Saison für den Dritten, Albirex Niigata, 25 Treffer. Er weiß also, wo das Tor steht. Nakano ist der dritte neue Offensivspieler im Schnabeholz nach dem Ex-Austrianer Marko Raguz und Denizkan Cosgun von Zweitligist Austria Salzburg.
Der GAK hat einen neuen Rechtsverteidiger. Sportvorstand Tino Wawra griff bei seinem Ex-Klub Blau Weiß Linz zu, holte vom Absteiger den 28 jährigen brasilianischen Rechtsverteidiger Anderson. Er ist nach einem Kreuzbandriss wieder fit, daher ebenso wie der neue Mittelfeldroutinier Peter Michorl ein absoluter Wunschspieler. Anderson war bis zu seiner schweren Verletzung ein Leistungsträger der Linzer, kam mit ihnen 2024/25 sogar in die Meistergruppe. Zuvor überzeugte er auch bei Altach.
Ried jubelte über den Rekordverkauf der Klubgeschichte. Die Rückkehr von Antonio van Wyk, der vor zwei Jahren von Stellenbosch ins Innviertel gekommen war, in seine Heimat Südafrika zu Mamelodi Sundowns, dem Gewinner der afrikanischen Champions League, brachte 1,2 Millionen Euro. Dabei war die Trefferquote des Offensivspielers in Ried nicht wirklich bemerkenswert: vier Tore und sieben Assists in 53 Spielen. Dennoch war er dem Klub aus Pretoria so viel wert. Die Kehrseite des Geldregens: Die Mannschaft verlor ihren vierten Leistungsträger, wurde weiter geschwächt. Zu Abwehrspieler Niki Havenaar fand Sportvorstand Wolfgang Fiala eine Alternative: Den 27 jährigen Lukas Malicsek, den Kapitän von Zweitligist Admira. Er kostete keine Ablöse.
Vizemeister Sturm Graz erfährt Mittwoch den Gegner in der Qualifikation zur Europa League: Es wird der schottische Vizemeister Hearts of Midlothian oder der polnische Spitzenklub Gornik Zabrze, den vor zwei Wochen der deutsche Ex-Weltmeister Lukas Podolski kaufte. Gornik ist der Stammverein von Podolski. Bei Sturm gibt es einen neuen Athletik-Trainer: Der 34-jährige Deutsche Christian Zellner kommt von Altach, arbeitete dort mit Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch zusammen. Zellners Vorgänger bei Sturm, Christian Glashüttner, wechselte nach den letzten Erfahrungen lieber zu Markus Schopp nach Hartberg.
Eine unerwartete Neuerwerbung aus Holland gibt es beim Doublegewinner LASK: Der 51 jährige Alex Kroes wird neuer Vizepräsident. Er war zuletzt technischer Direktor bei Ajax Amsterdam, zuvor „Strategiedirektor“ bei Alkmaar. Die letzte Saison von Ajax war die schwächste seit langem, endete auf Rang fünf mit 28 Punkten Rückstand auf Meister PSV Eindhoven. Der LASK hat seit April eine strategische Partnerschaft mit Ajax, glaubt, von der internationalen Erfahrung und dem weitreichenden Netzwerk von Kroes profitieren zu können. Abwarten, ob Meistermacher Didi Kühbauer darauf zurückgreifen wird.
Foto: SCR Altach.