Fußball

Willkommenswochen in Violett: Wer hat am besten gekauft?

Sieben Minuten vor Mitternacht setzte die Austria in der Nacht von Donnerstag auf Freitag  den Schlusspunkt unter die Transferzeit in Österreichs Bundesliga: Mit ihrem secshten  Neuen, den 23jährigen brasiliaischen Innenverteidiger Ruan Rento Bonfacio Augusto von Zweitligaklub Esporte Clube Juventude. Aus der 400.000-Einwohner-Stadt Caxias do Sul im Bundesstaat Rio Grande de Soul. Zweikampfstark, guter Speed, gute Technik – so skizzierte Sportchef Franz Wohlfahrt seinen letzten Coup in den violetten Willkommenswochen. Die Masche gleich wie sieben Tage  zuvor beim 1,96 Meter großen Nigeria-Stürmer Ibrahim Alhossa Abdullahi oder zuvor beim Südkoreaner Jin-Hyun Lee: Zuerst auf Leihbasis, aber mit Kaufoption. Also wenig Risiko. Flügelflitzer  Felipe Pires konnte Wohlfahrt mit Auskünften zu Ruan helfen – mit ihrem letzten brasilianischen Innenverteidiger Julio Cesar machte ja die Austria in der Ära von Christoph Daum nicht sehr gute Erfahrungen. Der Klub Ruans, der übrigens Grün-Weiß als Klubfarben hat, brachte  schon starke Innenverteidiger heraus, die es bis ins Brasiliens Nationalteam brachten: Dante (derzeit bei OGC Nizza, zuvor bei Bayern und Mönchengladbach) oder Naldo (derzeit Schalke, zuvor Wolfsburg und Werder Bremen). Für die Transferzeit verdient Wohkfahrt nach der Schulnotenskala eine zwei plus – etas mehr gut. Wenn man bedenkt, dass Austria wegen des Stadionausbaus ein begrenztes Kaufbudget zur Verfügung hatte, passt es. Der neue Stürmer Christoph Monschein bewährte sich bereits (Tor in Osijek),  Oldie Heiko Westermann erfing sich im Abwehrzentrum halbwegs nach miesem Start. Auf Heimkehrer Florian Klein man vertrauen. Und nicht vergessen: Die Austria verdiente durch die Verkäufe von Larry Kayode, Petar Filipovic und Jens Stryger Larsen  mehr als sechs  Millionen.

DIE TOPNOTE 1 verdienen Tabellenführer Sturm Graz und Meister Salzburg. Mit Peter Zulj, Thorsten Röcher gelangen Sportchef Günter Kreissl Königstransfers, dazu holte er mit Jörg Siebenhandl einen Tormann, dessen Qualitäten er noch als sein Trainer bei. Neustadt genau kannte. Auf die Ausfälle im Abwehrzentrum reagierte er mit Zukunftslösungen, dem Brasilianer Luan und Bayern-Amateur Patrick Puchegger. Passt auch. Die Abgänge? Um Sascha Horvath kämpfte er vergeblich, bei Supertalent Romano Schmid waren ihm durch die vom Vorgänger „geerbte“ Ausstiegsklausel die Hände gebunden. Alle anderen Abgängee taten nicht weh, Kreissl ist kein Fan von Leihgeschäften ohne Option.

Salzburg spülte  mit den Verkäufen von Valentino Lazaro, Konrad Laimer und des Brasilianers Wanderson mehr als 15 Millionen in die Kassen, steckte auch die Abgänge von Routinier Christian Schwegler und Andre Wisdom weg. Bei den Neuzugängen blieb Sportchef Christoph Freund der Klubmaxime treu, vor allem auf die Karte Jugend zu setzen. Sechs die nicht älter als 20 sind wie der letzte Neuzugang, Frankreichs U20-Kapitön Jerome Unguene oder sogar deutlich jünger wie Romano Schmid. Der von 1860 München geholte Kroate Marin Pongracic stellte schon seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis. Die Ausnahmen sind der von Mattersburg gekommene Patrik Farkas (24) sowie die Heimkehrer Munas Dabbur und Reinhold Yabo (jeweils 25). Wobei dem Deutschen in Salzburg das Pech nachläuft: Mit Jochbeinbruch ist er wieder wochenlang out. Dabei hätte er Qualitäten. Yabo spielte im deutschen U17-Europameisterteam 2009 mit Weltmeister Mario Götze und Barcelona-Goalie Marc Andre Ter Stegen. Für Sommer 2018  kann Salzburg auch schon wieder sieben Millionen Zuwachs einplanen: Der Anteil am bereits fixierten Wechsels  Naby Keitas von RB Leipzig zum FC Liverpool.

NOTE 2 verdienen auch Altachs Sportboss Georg Zellhofer und Aufsteiger LASK. Altach verdiente noch nie so viel wie in dieser Transferzeit durch den Wechsel von Nicolas Ngamaleu zu Young Boys Bern, Galvao zu Rapid und Nikola Dovedan in die zweite deutsche Liga zu Heidenheim. Nur wird ein Großteil der Einnahmen in den Stadion-Ausbau fließen. Zellhofer half sich mit der Afrika-Connection: Schalke-Leihstürmer Bernard Tekpetey kommt aus Ghana, aus Kamerun Stürmer Michael Cheukoui und U20-Kapitön Samuel Gouet, um das Mittelfeld zu beleben. Dazu mit Mathias Honsak einer aus Salzburgs Talenteschuppen.

Der LASK fand den richtigen Mix aus Erfahrung und Zukunft. Etwa mit den Routiniers Emanuel Pogatetz und Gernot Trauner, auf der anderen Seite mit dem Brasilianer Bruno, Salzburgs Youth League-Sieger Mergim Berisha als Leihgabe. Im Talon ist noch Joao Victor Santos, der brasilianische Dopingsünder von Kapfenberg.

NOTE 3, also Durchschnitt, für Rapid. Der neue belgische Linksverteidiger Boli Bolingboli war bisher nur Mitläufer, Galvao muss sich erst im Abwehrzentrum beweisen. Wie lange Rückkehrer Thanos Petsos braucht, um an seine guten Rapid-Zeiten anzuschließen, weiß keiner. Ebenso ob die Rechnung mit Norwegen-Stürmer Veton Berisha aufgeht, die da heißt: Wenn er schon keine Tore schießt, schafft er Raum für die Mitspieler.  Am auffälligsten war bisher Dejan Ljubicic aus dem eigenen Nachwuchs – aber der wird ja wieder zu Wr.Neustadt zurückgeschickt. Bei den Abgängen tut nur der von Max Wöber sprotlich wirklich weh. Aber  Rapid brauchte die 7,5 Millionen von Ajax Amsterdam für den 19jährigen.

NOTE 4, nur ein genügend, bleiben Admira, Mattersburg, Wolfsburg und St.Pölten. Admira ersetzte den zu Austria gewechselten Monschein durch den Kroaten Marin Jakolis, zeigte sich aber sonst sehr zurückhaltend. Sagte im letzten Moment nein zum Wechsel von Maximilian Sax zur Austria. Ein gestandener Defensivspieler hätte der Admira noch gut getan. Der an der berühmten Barcelona-Nachwuchsakademie „La Masia“ ausgebildete 22jährige Kamerun-Abwehrspieler Macky Bagnack war bisher noch nicht zu sehen. Mattersburg konnte die Abgänge von Farkas, Röcher und David Atanga mit den acht Neuen noch nicht auffangen. Bei Wolfsburg fiel bisher von den neuen Hoffnungen nur der von Wr.Neustadt gekommene Stürmer Bernd Gschweidl positiv auf. Sieht danach aus, als wären die Kärntner schlechter als vergangene Saison. Und das seit zehn Spielen sieglose Schlusslicht St. Pölten? Eher sogar eine  4 minus! Wenn der neue Sportchef Markus Schupp glaubt, mit in der Schweiz erfolglosen  Nordkoreanern oder Finnen aus der dritten deutschen Liga die  Niederösterreicher vorwärts zu bringen, dann liegt er falsch. Hinter allen vier neuen Ausländern  steht ein großes Fragezeichen. Hilfe kann man auf Sicht von Martin Rasner, Heimkehrer Dominik Hofbauer oder Salzburgs Youth-League-Sieger Sandro Ingolitsch erwarten. Aber ob das reicht? Auch ein Trainerwechsel wird nicht helfen.

Das internationale Finish am Transfermafrkt? Da sorgte der FC Liverpool für die Akzente. Sichete sich von Arsenals Englands Teamspieler Alex Oxlande-Chamberlain für  fast „billige“ 43 Millionen, weshalb Trainer Jürgen Klopp  jetzt den aufmüpfigen Brasilianer Philippe Coutinho für 150 Millionen an den FC Barcelona ziehen lassen würde. Belgiens Teamstürmer Divock Origi verlieh Klopp an Wolfsburg, das 20jährige Offensivtalent Ryan Kent an den SC Freiburg, den Klub von Österreichs U21-Kapitän Philipp Lienhart. Meister Chelsea holte sich von Leicester Mittelfeldspieler Danny Drinkwater und aus Italien Teamverteidiger Davide Zappacosta von Torino. Werder Bremen glaubt, seine Offensivprobleme mit dem algerischen Stürmer Ishak Belfodil von Standard Lüttich gelöst zu haben. Der verletzte Zlatko Junuzovic und Florian Kainz erfuhren das in Wien.

 

 

 

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