Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Nach zwei Jahren Inter wollte Prohaska zunächst nichts mehr von Italien wissen. Inter engagierte als seinen Nachfolger den Deutschen Hansi Müller, mit dem Prohaska vier Jahre zuvor bei der WM in Cordoba nach dem 3:2 das Trikot getauscht hatte. Auch als „Mitleid“, weil Müller damals von den Mitspielern sich einiges anhören musste. Bei AS Roma stand Prohaska hoch im Kurs. Der schwedische Trainer Niels Liedholm wiederholte seit Jahren in vielen Interviews, dass er Prohaska zu den besten Mittelfeldspielern der Welt zähle. Das hinterlässt doch etwas Stolz. Zudem ließ Liedholm seine Mannschaft mit Raumdeckung agieren. Die Prohaska wesentlich mehr zusagte als die sture Manndeckung, die Inters Trainer Eugenio Bersellini praktizierte. Prohaska vertröstete Romas Präsident Dino Viola mit der Entscheidung auf die Zeit nach der Weltmeisterschaft in Spanien, die für ihn nach dem turbulenten Frühjahr im Fokus stand.
Irgendwie zeichnete sich Österreichs WM-Unheil schon vorher ab. Es begann mit dem Riesenfehler von ÖFB-Präsident Karl Sekanina, Teamchef Karl Stotz nach geschaffter Qualifikation, in der Prohaska beim 5:1 gegen Fnnland in Linz nicht nur einer seiner seltenen Doppelpacks im Teamdress, sondern mit einem Seitfallzieher auch eines seiner schönsten Tore gelang, abzusetzen. Ernst Happel, damals mit dem Hamburger SV in der Erfolgsspur, wäre als Patriot bereit gewesen, Österreichs WM-Teamchef zu werden. Obwohl es in der Gruppe auch gegen Deutschland ging. Das verhinderte Hermann Neuberger, der Präsident des deutschen Verbands, mit seinem Einfluss in der FIFA. Danach sollte es mit Dettmar Cramer, dem ehemaligen Bayern-Trainer ein Deutscher werden. Georg Schmid, jahrelang loyaler Assistent der Teamchefs, von Leopold Stastny über Helmut Senekowitsch bis zu Karl Stotz, plädierte für eine österreichische Lösung. Stimmte auf Druck von Sekanina zu, selbst Chef zu werden. Er wählte Admiras erfolgreichen Trainer Felix Latzke als Assistenten. In Wahrheit war es umgekehrt, Latzke der Chef. Der ließ sich zur Aussage „ich will Weltmeister werden“ hinreißen. Utopie. Latzke war nicht schuld daran, obwohl viele ihn zum Sündenbock stempeln wollten, weil er bei der Vorbereitung in Lackenhof angeblich zu hart trainieren ließ. Ein Vorwurf, der an den Tatsachen vorbei ging.
Nur die Spieler waren an der miesen WM Schuld. Von Kameradschaft wie vier Jahre davor keine Spur mehr. Sondern ein vergiftetes Klima. Einige betrachteten die WM als mehrwöchigen Urlaub, spielten in der prallen Mittagsonne Karten statt sich an die Bettruhe zu halten. Friedl Koncilia, weiterhin der klar beste Tormann, wurde plötzlich von seinem Ersatz Klaus Lindenberger in Frage gestellt, Prohaskas Freund Erich Obermayer von Reinhold Hintermaier als Kapitän. Dazu waren Bruno Pezzey und Kurt Jara vor der WM verletzt, daher nicht in Bestform, Krankl wurde nach einem Ausschluss beim 2:2 von Rapid gegen Latzkes Admira für die letzten drei Runden gesperrt, was auch nicht gut war, Ebenso, dass die Italien-Legionäre, also Prohaska und Walter Schachner, wegen des früheren Endes der Serie A, zehn Tage nichts taten.
Quartier war in Candas, ein Fischerdorf an der Atlantik-Küste. In einem Hotel, von dem behauptet wurde, dass es vermögende Spanier als Wochenend-Absteige benützten. Darauf ließen große Spiegel an den Zimmerdecken schließen. Die Journalisten durften auch dort wohnen, bekamen die schlechte Stimmung also mit. Trotzdem gab es zum Auftakt Siege. 1:0 gegen Chile dank eines grandiosen Koncilia, der auch einen Elfmeter hielt, und 2:0 gegen Algerien. Dennoch sagte Prohaska danach zu Freund und Zimmerkollegen Obermayer: „Am liebsten würde ich heimfahren!“ Das war sein voller Ernst. Es sollt alles noch schlimmer kommen. Nach dem Sieg gegen Chile bekam Prohaska ein Glückwunschtelegramm von Romas Präsident. Tage später rief Dino Viola selbst an, meldete sich auf Deutsch. Die WM kostete Prohaska schon genug Nerven, da war für Vertragsverhandlungen kein Platz.