Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 58

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Franz Vranitzky weihte Prohaska ein, wie schwierig es dem Magna-Aufsichtsrat in Kanada zu erklären sei, dass Frank Stronach in seiner österreichischen Heimat Millionen in einen Fußballklub investiert, der nicht die Nummer eins ist. Aber dennoch drehte sich das Gespräch bald nur noch darum, die Möglichkeiten seiner Rückkehr zur Austria auszuloten. Da Prohaska schlecht nein sagen kann, wenn es um seinen Herzensklub geht, wurde ein Termin vereinbart. Zum Abschied wollte Vranitzky Prohaska noch einen guten Ratschlag geben: „Sie wissen schon, dass sie bei Frank Stronach ein großes Handikap haben?“ Prohaska schüttelte den Kopf und hörte von Vranitzky etwas, was er nie und nimmer erwartet hätte: „Ihre Freundschaft zu Beppo Mauhart!“ Zum ÖFB-Präsidenten, der Prohaska in den sieben Jahren seiner Teamchefzeit perfekt unterstützt hatte.

Das war Prohaska auch eine Nummer zu groß. Was hatte das eine mit dem anderen zu tun? Als Ort für das zweite große Treffen wählte Stronach das Haubenrestaurant in seinem Fontana-Golflcub in Oberwaltersdorf. Prohaska bereitet sich genau darauf vor, brachte eine Liste mit seinen Fragen oder Forderungen an Stronach mit zum Comeback-Gespräch. Der Austria ging es damals sportlich wieder nicht gut. Nach Prohaska wurden in 15 Monaten drei Trainer verbraucht, als Sechster lag die Austria Lichtjahre hinter Tabellenführer FC Tirol.  Stronach und Prohaska waren bei ihrem Vieraugengespräch die einzigen Gäste im Haubenrestaurant. Das Essen schmeckte vorzüglich, aber ansonst lief nichts nach den Vorstellungen von Prohaska. Stronachs erste Frage hieß: „Wie viel willst du verdienen?“

Prohaska wollte lieber ausloten, ob in Sachfragen eine Einigung möglich war und erst dann über sein Gehalt reden. Aber in drei Stunden gelang es nicht, Stronach zu überzeugen. Vor allem beim Thema Mauhart. Prohaska lief gegen eine Wand. Stronach glaubte allen Ernstes, dass mit seiner zugegeben großartigen Akademie in Hollabrunn zum ersten Mal seit 20 Jahren etwas für den Nachwuchs getan wurde. Prohaska ließ sich den von ihm sehr geschätzten Mauhart nicht schlecht reden. Als Prohaska meinte, man sollte ein Scouting-System nach internationalen Maßstäben aufbauen, auch wenn das teuer kommt, wollte Stronach davon nichts wissen. Verwies auf die deutsche Rogon-Agentur, die Topspieler bringen werde. Dafür war er durchaus bereit, eine gute Provision zu zahlen. Rogon eröffnete gerade eine Filiale in Wien. Schloss sie jedoch nach wenigen Monaten, als Stronach plötzlich die Idee hatte, nur noch ablösefreie Spieler zu engagieren. Stronach bot Prohaska an, auf Provisionsbasis neue Spieler zu holen. Für Prohaska ein „No go“. Als Angestellter der Austria, was er als Sportsdirektor gewesen wäre, sei es seine Pflicht, Spieler zu holen, die eine Verstärkung bedeuten, ohne dafür eine Provision zu kassieren. Egal, welches Thema Prohaska anschnitt, Stronachs stereotype Antwort lautete meist: „Mach dir keine Sorgen um mein Geld!“ Kurzum, sie redeten, wie eigentlich immer, aneinander vorbei.

Als es um die finanzielle Seite ging, bot Stronach einen Vierjahresvertrag an. Das war okay, beim Gehalt gab es aber große Differenzen. Es wäre geringer gewesen als das von einem Kaderspieler. Obwohl Prohaska für Trainerbestellung, Ein-und Verkauf, die Stronach-Akademie usw. verantwortlich gewesen wäre. Stronach meinte, dass er um das Gehalt, das Prohaska forderte, lieber einen Spieler kaufe. Er müsse es um die Hälfte machen, da er ja ein großer Austrianer ist. Stronach empfahl ihm, sich die Sache noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Prohaska bat ihn, das auch selbst zu tun.  Was passierte? Fünf Tage nach dem Treffen im Haubenrestaurant präsentierte Stronach Peter Svetits, zuvor acht Jahre in Graz Präsident des GAK, als neuen starken Mann der Austria. Mit der Begründung, Prohaskas Fantasiegagen kämen zu teuer. Die persönliche Absage von Stronach an Prohaska passierte bis heute nicht.

 

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