Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 8

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Nach seinem dritten Länderspiel im April 1975, dem 0:0 gegen Ungarn im Praterstadion in der Qualifikation für die EM 1976, erhielt Prohaska als jüngster Spieler die besten Kritiken. Beim 1:2 im Rückspiel in Budapest wurde er zur Pause durch den viel rustikaleren Manfred Steiner von Sturm Graz ersetzt. Damit endete die Ära von Prohaska-Förderer Leopold Stastny. Was er sehr bedauerte. Prohaska erlebte in der Spielerbesprechung keinen besseren Trainer, der jedes Detail vom Gegner wusste. Noch heute stellt Prohaska Stastny auf eine Stufe mit dem legendären Ernst Happel. Interimistisch übernahm nach Stastny Wacker Innsbruck-Trainer Branko Elsner bis zum Ende der Qualifikation. Beim 6:2 gegen Luxemburg erzielte Prohaska den Treffer zum Endstand, das EM-Ticket ging jedoch mit dem 0:1 gegen Wales in der Regenschlacht von Wrexham verloren.  Für die Qualifikation zur WM 1978 wurde Ex-Teamspieler Helmut Senekowitsch, der mit VOEST Linz als Trainer den Meistertitel geholt hatte, zum Teamchef bestellt. ÖFB-Präsident Karl Sekanina fürchtete offenbar ein Scheitern, bestellte den 59 jährigen Sprücheklopfer Max Merkel, der gerade keinen Trainerjob hatte und immer polarisierte, nach den ersten drei gewonnen Qualifikationsspielen zum Sportdirektor.

Senekowitsch war von den Qualitöten Prohaskas offenbar nicht ganz überzeugt. Beim Start in die Qualifikation auf Malta, wo im Gzira-Stadion auf einem Sandplatz gespielt wurde, begann er auf der Bank, kam erst in der 46. Minute. Beim 1:0 gegen die Türkei in Wien und dem 9:0 gegen Malta in Salzburg (mit sechs Toren von Hans Krankl) spielte er wahrscheinlich nur deshalb von Beginn an, weil Kurt Jara vom MSV Duisburg keine Freigabe erhielt. Damals gab es noch keine Abstellpflicht für Legionäre. Wie zum Beweis begann beim 1:1 gegen die DDR in Wien Jara, Prohaska ersetzte ihn in der 78 Minuten. Beim 1:1 in Leipzig verdankte er der Sperre von Krankl nach seinem Ausschuss in Wien den Platz unter den ersten elf. Beim „Finale“ gegen die Türei in Izmir war er eine Art Lückenbüßer für Josef Hickersberger, der vom Trainingslager wegen einer Blinddarmentzündung ins Spital musste.  Dieses Spiel veränderte alles.

Der Sieger flog zur WM nach Argentinien.  In Izmir wohnten beide Mannschaften in einem Hotel, nur durch eine Etage getrennt. Dennoch inszenierten türkische Fans in der Nacht vor dem Spiel einen Höllenlärm vor dem Hotel.  Dann entstand vor dem Anpfiff im ausverkauften Stadion ein Dressenstreit. Die Türkei wollte plötzlich in roten spielen und nicht wie vereinbart in weißen.  Die Österreicher wärmten schon mit roten Trikots auf, hatten gar keine weißen mit. Die Türken schalteten auf stur, der Spieldelegierte der UEFA half ihnen dabei. Sie borgten weiße Trikots mit dem türkischen Halbmond ihren Gegnern. Prohaska war erregt und empört, schrie Zeugwart Helmut Legenstein fast an, wie das passieren konnte.  Der trennte in aller Ruhe, die ihn als hauptberuflicher Feuerwehrmann auszeichnete, den Halbmond von den Trikots.  Österreich spielt schlecht, inklusive Prohaska. Der Erfolgsdruck war offenbar zu groß. Ab der 70. Minute zählte das nicht mehr.

Krankl brach an der linken Flanke unwiderstehlich durch, wollte den Ball in die Mitte zu Willi Kreuz passen. Der türkische Libero Fatih Terim (später als Trainer UEFA-Cup-Sieger mit Galatasaray Istanbul und erfolgreicher Teamchef)  fälschte ihn vor die Beine von Prohaska ab, der von Krankl unbemerkt von der Mittellinie mitgesprintet war. Mit einem Spitz, der bei einem Techniker wie ihm völlig ungewohnt war, beförderte Prohaska den Ball über die Linie. Nicht das schönste, aber das wichtigste Tor der Karriere, das ihn endgültig zum Stammspieler des Teams machte. Riesenjubel, alle sprinteten Richtung Publikum. Dorthin, wo nur Türken saßen. Ein Orangen- und Zitronenhagel gegen Prohaska war ihre Antwort.  Gefeiert wurde die erste WM-Qualifikation natürlich lange. Aber nur drei Tage später wartete auf Prohaska ein Entscheidungsspiel mit der Austria.

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