Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Daher gab es im Winter den Versuch, Prohaska abzusägen. Wegen seiner fehlenden Trainerlizenz. Ex-Teamchef Branko Elsner, den Joschi Walter Monate zuvor als Nachwuchschef einsetzte, sollte als Aufpasser installiert werden. Aber Prohaska dachte keine Sekunde daran, sich ins zweite Glied zurückdrängen zu lassen. Tormanntrainer Rudi Szanwald hatte die Lizenz, Prohaskas Prüfung war für Sommer angesetzt. Prohaska erklärte Elsner in einer persönlichen Aussprach sein nein, das der Slowene auch einsah und ihm bei der Planung der Wintervorbereitung half. Gegenüber Walter sagte Prohaska klipp und klar: „Entweder mache ich den Job alleine oder sie werfen mich raus.“ Das wäre Walter nie in den Sinn gekommen. Die erste Attacke seiner Kritiker wehrte Prohaska ab.
In der letzten Runde des Meister-Play-offs schien Prohaska aber sein Meisterversprechen nicht einlösen zu können. Die Austria brauchte in der Südstadt gegen Admira ein Unentschieden, um vor dem FC Tirol zu bleiben. Aber die vom deutschen Trainer Sigi Held gut eingestellte Admira konterte erfolgreich, führte 2:0. Auf das Anschlusstor von Jewgenij Milewski kurz vor der Pause folgte in der zweiten Hälfte ein violettes Powerplay. Die Austria lieferte ihr bestes Saisonspiel, aber Admiras Tormann Wolfgang Knaller holte die unmöglichsten Bälle aus den Ecken, wehrte einen Elfmeter von Milewskij ab. Erst 16 Minuten vor Schuss überwand ihn ausgerechnet Christian Prosenik, der ein Jahr zuvor beim siegreichen Cupfinale auf die Tribüne verbannt wurde, mit einem Distanzschuss. Zum Glück ließ Admira die große Chance auf das 3:2 aus, das 2:2 reichte der Austria. Die Fans trugen Prohaska wie nach seinem Abschied als Spieler wieder auf den Schultern, wieder flossen bei ihm die Tränen. An einer Niederlage wäre er zerbrochen, das gibt er heute zu. Dann wäre er zurückgetreten, hätte seine Trainerkarriere nur 15 Monate gedauert. So genoss er es, seinen Kritikern gezeigt zu haben. Der lauteste von ihnen, Vizepräsident Hubert Dostal, saß nach dem Happy End in der Kabine, weinte vor Glück, Walter hingegen blieb cool. Meisterfeier war keine vorbereitet, auch das zeigte das mangelnde Vertrauen. Prohaska, seine Assistenten und die Mannschaften fuhren daher von der Südstadt über die Tangente auf die Donauinsel, feierte dort im Lokal seines Freundes Hans Temper ausgiebig.
Im Sommer kehrte Andreas Ogris zur Austria zurück. Sein Unglück in Barcelona war die Freundschaft zu einem anderen Espanyol-Legionär, zum deutschen Problemboy Wolfram Wuttke. Den Epanyol-Funktionären blieben die nächtlichen Ausflüge des Duos nicht verborgen, daher waren sie nicht an einer Fortsetzung interessiert. Am liebsten sassen beide in einem deutschen Bierlokal unweit des Nou Camp des FC Barcelona und des Hotels „Princessa Sofia“ des damaligen Barcelona-Vizepräsidenten Juan Gaspart. Kein Spaß, das Lokal ging wenige Monate nach dem Abgang von Wuttke und Ogris in Konkurs. Ogris war jedenfalls wieder dabei, als die Austria Anfang August in Linz Manchester United mit dem berühmten Alex Ferguson, damals noch nicht als „Sir“ geadelt, in einem Freundschaftsspiel mit 5:1 deklassierte. Tormann Franz Wohlfahrt fehlte monatelang, daher kam als Ersatz der routinierte Bulgare Iliya Valov. Es gab Zuversicht, gegen Arsenal in der ersten Runde des Europacups der Meister zu bestehen. Am 18. September 1991 kam der grausame Tiefschlag: Im Highbury-Stadion erlitt die Austria ein fürchterliches 1:6-Debakel, an dem Valov schuldlos war. Ogris erzielte das Tor zum 1:3, Arsenals Striker Alan Smith traf viermal. Sein Bewacher Toni Pfeffer gab zu: „Er hat unsere Schwächen schamlos ausgenützt!“
In die Winterpause ging die Wiener Austria als Zweiter hinter dem Namensvetter aus Salzburg. Auf diesem Tabellenplatz stand die Austria auch, als Prohaska am 16. März 1992 eine für ihn schockierende Nachricht erreichte; Joschi Walter ist tot! Sein Herz hörte in seinem Büro in der Peugeot-Klinik plötzlich zu schlagen auf. Wie sollte es weiter gehen?