Fußball

Zwei Verletzte, Herzrasen und 1:2! Jetzt steht Rapid unter Kaufzwang

Verzweifelt sassen die grün-weißen Verlierer am Rasen wie am Bild oben Dejan Ljubicic. Nach dem längsten Bundesligaspiel, das es bisher im Hütteldorfer Allianz Stadion gab. Sieben Minuten Nachspielzeit in der ersten Hälfte. sechs in der zweien,  macht insgesamt 103 Minuten. Offiziell nach 95 Minuten kassierte Rapid dezimiert, mit nur noch zehn Mann, das Tor zum bitteren 1:2 (0:1) gegen den LASK, in Wahrheit nach 102. Die lange Nachspielzeit gab es in jeder Hälfte zu recht. Weil so viele Verletzungen und Unterbrechungen ein zerfahrenes, intensiven Spiel mit vielen, vielen Zweikämpfen, bei dem es kein Zurückziehen gab, kennzeichneten. Ob das an der angeheizten Stimmung lag?

Schon nach 17 Minuten lag Rapids Neuerweerbung Thorsten Schick auf der Tragbahre. Nach einem Zweikampf mit dem letzten Montag von Rapid zum LASK transferierten Marvin Potzmann knickte das linke Knie weg. Nach den TV-Bildern war Potzmann kein Vorwurf zu machen. Dennoch war er  für die Rapid-Fans danach der Buhmann. Ein Pfeifkonzert bei jedem Ballkontakt,speziell als er kurz nach dem Zwischenfall mit Schick mit links auf den Kopf von Marko Raguz flankte, der für die Linzer Führung sorgte. Zur Pause war Schick mit Verdacht auf Kreuzbandriss in Lorenz Böhler-Krankenhaus unterwegs, Tormann Richard Strebinger ins Wilheminenspital. Wegen Herzrasens und Schwindelgefühlen. Die er bereits vor dem 0:1 hatte. Da liefen bereits Arzt Thomas Balzer und Physio Wolfgang Skalsky zu ihm. Erspielte weiter, nach 28 Minuten war es vorbei,kam Tobias Knoflach. Nicht das erste Mal, das Strebinger ein Herzrasen verspürte. Auch schon vor der Gehirnerschütterung,die er in der ersten Runde gegen Red Bull Salzburg erlitten hatte. Weil manche vermuteten, Strebingers Ausscheiden am Samstag könnte etwas damit zu tun haben, dass er nach der Gehirnerschütterung zu schnell wieder ins Training  einstieg.

Mit Strebingers Austausch nach 28 Minuten war bei Rapid nur noch ein Wechsel möglich. Nicht ideal. Kühbauer hatte sich, um den LASK zu bezwingen, zu einem Systemwechsel entschlossen, für Einen Art 4-4-2 mit Aliou Bajdi und Philipp Schobesberger als Spitzen. So verheißungsvoll der Beginn auch war, mit dem Ausfall von Schick war es mit dem Schwung vorbei. Was nichts mit seinem Nachfolger Stephan Auer zu tun hatte. Schon  viel mehr damit, dass Badji trotz seiner 1,89 Meter kein Kopfballduell gewann, keinen Ball halten konnte. Alle Bälle auf ihn, egal ob hoch, halbhoch oder flach, waren quasi verschenkt. So bekam LASK-Tormann Alex Schlager bis zur Pause keinen gefährlichen Ball zu halten. Aber nach 75 Sekunden der zweiten Hälfte, zu der Potzmann nicht mehr wiederkam,  stand es 1:1. Ausgerechnet Badji leitete die einzige wirklich gelungene grün.weiße Offensivaktion in den 103 Minuten ein, setzte Ex-LASK-Verteidiger Max Ullmann ein. Dessen gelungene Flanke verwertete Schobesberger mit rechts. Eine erfolgreiche Kombination von zwei Linzern gegen den LASK. Aber danach gelang es nie wirklich, die Linzer unter Druck zu setzen. Alles sah nach 1:1 aus, als Max Hofmann und Raguz wie bereits vor der Pause mit den Köpfen zusammenkrachten. Da erlitt Raguz ein Cut über dem linken Auge, musste bis zur Pause mit Turban spielen. Den zweiten Crash bezahlte Hofmann mit einem Nasenbeinbruch, musste raus. Und Rapid hatte kurz zuvor zum dritten Mal gewechselt. Koya Kitagawa ersetzte den humpelnden Badji. Die japanische Premiere in Grün-Weiß dauerte 22 Minuten, in denen er andeuten konnte, mit Beweglichkeit, Schnelligkeit und Technik wertvoll werden zu können. Nach Hofmanns Ausscheiden versuchte Rapid mehr als zehn Minuten dezimiert das 1:1 über die Runden zu bringen. Kühbauer stellte taktisch wieder um, beorderte Auer und Ljubicic zu Dibon ins Abwehrzentrum.

Trotzdem ließ sich  Rapid hinten reindrängen, lieferte ein Rückzugsefecht, schien viele Eckbälle und hihe Bälle in den Strafraum aber zu überstehen. Doch der letzte LASK-Corner wurde zum Verhängnis. Raguz traf  nach Vorarbeit von James Holland aus kurzer Distanz zum 2:1. Sein drittes Tor in seinem 18.Bundesligaspiel, sicher das wichtigste und auffälligste. Mastermind Jürgen Werner herzte den 21jährigen nach dem Sky-Interview noch extra. Ein 2:1 in Brügge würde Mittwoch die Champions League bedeuten. Trainer Valerien Ismael frohlockte: „Wir haben uns oben festgebissen.“ Um das zu schaffen, rotierte er nicht im großen Stil. Sieben Mann der Brügge-Startelf begannen, drei weitere wechselte er bis zur 63.Minute ein. Der Blick auf jubelnde Linzeer tat den Rapid-Verlierern noch mehr weh: „Komplett hätten wir nicht verloren, ich mache der Mannschaft keinen Vorwurf“,meinte Kühbauer, „das Verletztenpech tut mehr weh als die verlorenen Punkte.“ Und darum besteht für Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic quasi ein Kaufzwang, um die Lücken in der Defensive zu schließen. Kühbauer meinte sogar, ein Neuer würde nicht reichen. Von der Fantribüne gab´s keine Pfiffe, eher Beifall. weil der Einsatz stimmte. Der Fanklubs der Lord´s feierte dort seinen 20.Geburtstag zunächst mit gelungenen Choreographien, nach der Pause mit der Einnebelung des Stadions. Das braucht in Wahrheit niemand.

Bei allen berechtigten Klagen über das Verletztenpech steht aber außer Diskussion, dass es bei Rapids Offensive viel, viel Luft nach oben gibt. Von drei Heimspielen zwei verloren, dabei nur drei Tore erzielt, das bedeutet keine Steigerung im Vergleich zur letzten Saison. Auch wenn in den ersten fünf Runden Meister und Vizemeister nach Hütteldorf kamen. Für Offensivspektakel ist weiterhin Kühbauers Ex-Klub Wolfsberg gut, der mit dem 5:2 (3:1) gegen Altach Rapid in der Tabelle überholte. Wieder fünf Tore erzielt, obwohl diesmal der Israeli Shon Weissman nicht traf. Dafür traf zweimal Anderson Niangbo, die Salzburg-Leihgabe von der Elfenbeinküste. Den ersten Saisonsieg feierte St.Pölten durch einen von Ex-Rapidler Rene Gartler verwandelten Elfmeter. Das 1.0 (1:0) in Mattersburg bedeutete etwas Trost für den Spruch der FIFA, wonach St.Pölten wegen der Transfersperre auch nach Ende der Übertrittszeit im September keine vertragslosen Spieler holen dürfen. Erst ab Jänner sind Einkäufe wieder erlaubt. Mattersburg fiel durch die vierte Niederlage hintereinander auf den vorletzten Platz zurück.

 

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