Fußball

20 Jahre nach Glatze: Wohlfahrts violette Baustellen

Vor 20 Jahren gewann der VfB Stuttgart in Berlin den deutschen Pokal. Durch ein 2:0 gegen Energie Cottbus. Der Trainer  hieß Jogi Löw, seit elf Jahren Teamchef, seit drei Weltmeister. Der Tormann kam aus Österreich: Franz Wohfahrt, seit 16.Jänner 2015 Sportchef  bei der Wiener Austria. 1997 schnitten ihm die Mitspieler Wochen nach dem Finale als Andenken eine Glatze, den kahlen Wohlfahrt ließ am Mittwoch in Deutschland  „FussballBild“ zur Erinnerung erscheinen.

Wohlfahrt wird darüber kurz gelacht haben, dann wieder über die sportlichen violetten Baustellen nachgedacht haben. Mit Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer und Trainer Thorsten Fink hat er Austrias schwere erste Saison im Prater-Ausweichquartier während des Ausbaus des Generali-Stadions am Favoritner Verteilerkreis trotz mancher Tiefschläge, wie etwa das k.o.in der Europa League in Pilsen oder das Ausscheiden im Cup gegen die Admira,  sehr gut bewältigt. Mehr als Platz zwei hinter Red Bull Salzburg ging nicht. Aber 18 Punkte Rückstand sind nicht nur Wohlfahrt  zu viel. Der Ehrgeiz, die Kluft zum Doublegewinner kleiner werden zu lassen, ist ehrenwert. Aber die Umsetzung nicht leicht.

Aus wirtschaftlichen Gründen bleibt nichts anderes übrig, als Torschützenkönig Larry Kayode ziehen zu lassen, für den Nigerianer rund vier  Millionen vom russischen Meister Spartak Moskau zu kassieren. Fixiert ist das noch nicht. Ob das Hick-Hack um den ins Auge gefassten Nachfolger, Admira-Stürmer Christoph Monschein, bald ein Ende haben wird, steht in den Sternen. Die Freundschaft aus ehemaligen Austria-Spielerzeiten zwischen Wohlfahrt und Admiras Sportchef Ernst Baumeister wird darunter garantiert nicht leiden. Austrias U 21-Team-Stürmer Mario Kvasina, dessen Vertrag ausläuft, will es sich verändern. Zum Fünften der zweiten deutschen Liga, Dynamo Dresden, dessen Sportchef, der frühere  DDR-Teamstürmer Ralf Minge, die Liebe zu den „Ösis“ entdeckt hat.

Sascha Horvath, die ehemalige Austria-Zaubermaus, wechselte bereits von Sturm Graz nach Dresden. Ihm folgte der 24jährige Patrick Möschl, Flügelspieler von Absteiger Ried. Kvasina sollte nach Horvath die zweite 20jährige Hoffnung von Dresden werden, mit der man kommende Saison um den Aufstieg spielen will. Dresden hat ein Stadion mit 32.000 überdachten Plätzen, worüber kein Bundesligaklub in Österreich verfügt. Die Heimspiele sind fast immer ausverkauft. Sorgen macht  die  Gewaltbereitschaft von immer größeren Teilen der Fanszene. Minge zu seiner  „Ösi-Liebe“: „Die Ausbildung in Österreich hat sich sehr verbessert. Bei den Spielern gibt´s keine Sprachbarriere, womit sie leichter zu integrieren sind. Und man kann sie finanzieren“.  Horvath, Möschl und vielleicht Kvasina werden in der zweiten Liga um einiges mehr kassieren als in Österreichs Bundesliga.

Da auch in Sachen Kevin Friesenbichler, der Benfica Lissabon gehört, noch nichts entschieden ist, könnte es bei Austria mit Stürmern problematisch werden, wenn auch Kvasina geht. Es gibt nicht nur offensive Fragezeichen, sondern auch defensive in der Abwehr. Rechtsverteidiger Jens Stryger Larsen, letzte Woche in Dänemarks Nationalteam sowohl beim 1:1 gegen Deutschland in Kopenhagen als auch beim 3:1 in der WM-Qualifikation gegen Kasachstan in Astana im Einsatz, verriet, dass er den 2018 auslaufeenden Vertrag in keinem Fall verlängern wird. Also kann Austria für ihn nur noch eine vernünftige Ablöse erzielen, wenn sie den 26jährigen  jetzt verkauft. Dazu ziert sich auch Innenverteidiger Lukas Rotpuller mit der Unterschrift.  Einige  Problemfälle für Wohlfahrt. Nur eines ist sicher: Selbst wenn er sie alle lösen kann, wird er sich 20 Jahre nach dem Triumph mit dem VfB Stuttgart keine Glatze mehr schneiden lassen.

 

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