Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 20

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Die Austria war beim Ablösespiel in Mailand, das im strömenden Regen vor 25.000 Zuschauern 0:0 endete, dem Sieg näher. Robert Sara schoss an die Stange, Erich Obermayer an die Latte. Der Mailand-Trip ging an Prohaskas Substanz. Pressetermine vor und nach dem Spiel, Gespräche mit vier verschiedenen Schuhfirmen, die wollten, dass er mit ihren Produkten spielt, jede Menge TV-Auftritte. Im Autobus, der die Austria zurück zum Flughafen brachte, bekam er Schweißausbrüche. In Wien machten sich Anzeichen einer Gesichtslähmung bemerkbar. Ein ungutes Gefühl, mit einer Spritzen- und Vitamin-Tablettenkur wurde das besorgniserregende Leiden erfolgreich bekämpft.

Insgesamt 13 Millionen Schilling, etwa eine Million Euro, musste Inter an die Austria überweisen. Aufgrund der bei meinem Kauf von Ostbahn XI zur zugesagten Beteiligung von 30 Prozent wären das 3,9 Millionen Schilling gewesen. Spätestens dann wusste Austrias Boss Joschi Walter, dass sein Versprechen doch etwas leichtfertig war. So viel wollte er dem Wiener Liga-Klub nicht geben. Daher machte er mit Ostbahn-Obmann Paul Gross einen Termin aus, zu dem Walter einen Aktenkoffer mitbrachte. Prall gefüllt mit 1000 Schilling-Scheinen. Insgesamt eine Million im Koffer. Gross gab sich damit zufrieden, auch das war für Ostbahn wie ein gefundener Goldschatz, das große Geschäft. Von der Million baute Ostbahn Tennisplätze auf ihrer Fußballanlage, die bis heute Einnahmen bringen.

Von der Austria verabschiedete sich Prohaska mit seinem zweiten Double. Der Vorsprung auf den Zweiten, VOEST Linz, betrug sieben Punkte, Austrias Chefetage war der nicht groß genug. In der letzten Runde drohte im Derby gegen Rapid sogar die Heimniederlage. Zur Pause 0:2 zurück, dann drehten Hans Dihanich, Felix Gasselich und Thomas Pfeiler noch das Spiel zum 3:2. Eine Derbyniederlage hätte Prohaska in seinem letzten Meisterschaftsspiel fast als Demütigung empfunden. Drei Tage später hielt er auch die Cuptrophäe in Händen: Damals wurde das Finale in zwei Spielen ausgetragen. Nach dem 0:1 bei Austria Salzburg gewann die Austria 2:0. Walter Schachenr und Gasselich machten mit ihren Toren den erfolgreichen Abschied möglich

Nicht nach Wunsch lief es in dieser Zeit im Nationalteam. Obwohl die Leistungen sogar besser als bei der WM in Argentinien waren, die Mannschaft am Zenit schien, gelang unter Karl Stotz, seinem Austria-Trainer, als Teamchef nicht die Qualifikation für die Europameisterschaft 1980 in Italien. Eine einzige Niederlage, daheim 1:2 gegen Portugal in letzter Minute, entschied. Damals war Mutter Leopoldine live im Stadion dabei, Vater Alfred saß bei jedem Heimspiel auf der Tribüne. Die Frau Mama hatte das Pech, dass bei ihren seltenen Stadionbesuchen der Sohn stets verlor. Das Unglück war, dass die chancenlosen Schotten mit ihrem berühmten Teamchef Jock Stein das Fair Play außer Acht liesen, im letzten Spiel gegen Belgien eine B-Mannschaft aufstellten, die im Hampden-Park 1:3 verlor, wodurch Österreich nur Zweiter war. Das tat weh. Ebenso, Prohaska vielleicht sogar noch mehr, dass es im Mai 1980 beim Teamabschiedsspiel für seinen Freund Robert Sara im ausverkauften Prater-Stadion gegen Weltmeister Argentinien ein 1:5-Debakel gab. Schon nach 15 Minuten stand es 0:3, die Tore der Argentinier erzielte Diego Maradona, damals 19 und am Beginn seiner großen Karriere, noch Spieler der Argentina Juniors.

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